Das Romantikbaumhaus im Hotel Kriebelland ragt zwischen den Bäumen hervor. 
Foto: dpa/Sebastian Kahnert

KriebsteinJeder Baum wird akribisch inspiziert und begutachtet – er soll sich schließlich perfekt eingliedern in die mystische Welt von Elfen und Kobolden im Baumhaushotel Kriebelland in Mittelsachsen. Sieben Jahre hat Steffen Mäding auf die Baugenehmigung seines ersten Baumhauses gewartet, 2011 war es dann so weit, und inzwischen stehen fünf Quartiere in luftiger Höhe, jedes einzigartig mit aufwendigen Holzverzierungen versehen. Eines, das Bücherwurmbaumhaus, hängt sogar frei zwischen drei 180 Jahre alten Buchen.

„Ich wollte unbedingt etwas anderes machen, organisch arbeiten. Daher suche ich jeden Baum persönlich aus“, erzählt Mäding. Allein 80 Eichen-, Lärchen- und Robinienstämme wurden beim Bau des Romantik-Baumhauses verarbeitet: 80 Quadratmeter verteilen sich auf drei Stockwerke, es ist eines der größten Baumhäuser Deutschlands. Eichenstamm-Wendeltreppe, Gießkannendusche sowie eine Strickleiter, die zum Schlafboden in 27 Metern Höhe führt, sorgen für Abenteuer. Im Winter sorgt eine Fußbodenheizung für warme Füße.

Der Innenraum der Baumhausjurte im Baumhaushotel Kriebelland. 
Foto: dpa/Sebastian Kahnert

„Beim Baumhaus geht man in die Natur, ohne auf die Sicherheit von vier Wänden zu verzichten. Eine Illusion, im Wald zu leben, ohne auf Komfort zu verzichten“, sagt Solvejg Nitzke, Literatur-und Kulturwissenschaftlerin an der Technischen Universität Dresden. Es sei die Faszination von einer Wildnis, „die uns keine Angst mehr macht, ein Naturerlebnis mit Märchenwesen, Wölfen, Räubern und Dunkelheit, die wir heute nicht mehr so erwarten.“

Jeder Schlafgast könne zumindest für eine Nacht die innere Wildheit entdecken, so die Wissenschaftlerin. Bäume seien älter, größer und stärker als der Mensch. „Sie sind nicht so erhaben und unnahbar wie Berge, aber eben auch nicht menschlich. Der Baum ist eine Art Mittler zwischen Natur und Kultur“, ist Nitzke überzeugt. Sie wird demnächst selbst für ein paar Tage in ein Baumhaus ziehen, für ein Forschungstreffen mit Kolleginnen.

Im Jahr 2005 eröffnete im Freizeitpark Kulturinsel Einsiedel in Neißeaue in Sachsen Deutschlands erstes Baumhaushotel. Inzwischen gibt es bundesweit etwa 50 dieser ungewöhnlichen Herbergen, genaue Angaben können weder der Tourismusverband noch der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband machen. Es sei aber ein echter Boom entstanden, betonen beide.

„Ungewöhnliche Orte wie Baumhäuser oder Hausboote entsprechen dem derzeitigen Trend zu einem individuellen Urlaub“, sagt Huberta Sasse vom Deutschen Tourismusverband. Laut Reiseanalysen hätten die Deutschen beim Urlaub derzeit ein erhöhtes Sicherheitsbedürfnis und wollten Abstand halten.

„Wir registrieren seit einiger Zeit einen Trend zum Aktiv- und Natururlaub“, sagt Stefanie Heckel vom Deutschen Hotel- und Gaststättenverband. „Wir erleben insgesamt, dass maßgeschneiderte Konzepte, die sich konsequent an den Wünschen der Zielgruppe orientieren, Erfolg haben. Themenhotels wie Baumhaushotels entsprechen diesem Trend.“

Steffen Mäding, Inhaber des Baumhaushotels Kriebelland. 
Foto: dpa/Sebastian Kahnert

Die Ausstattung der Baumhaushotels ist sehr unterschiedlich: Manche haben Fußbodenheizung, Designerbad, Flachbild-TV und moderne Sitzlounge. Abenteurer finden aber auch urige Häuser mit Komposttoilette oder Gießkannendusche. Nur eines haben alle gemeinsam: Die Aussichten sind einzigartig, die Geräusche der Tiere und Blätter unmittelbar.

„Ich will Gäste haben, die die Welt mit anderen Augen sehen. Nicht das Einfache, sondern etwas abgehoben“, erläutert Roland Barche das Konzept seiner beiden Baumhäuser im thüringischem Mühlhausen. Auf 38 Quadratmetern gibt es eine Heizung, Miniküche und Fernseher.

„Ich habe viel in Baumhäusern übernachtet. Am meisten hat mich gestört, nachts zum Klo über mehrere Leitern oder Holzstege gehen zu müssen“, erklärt Manuela Schröter. Sie hat in Altjeßnitz im Südosten Sachsen-Anhalts ein Baumhaus-Ei auf Stelzen bauen lassen. „Ich wollte die Bäume nicht verletzen. Außerdem sind Rundungen etwas Besonderes. Der Mensch fühlt sich wie in einem Kokon eingewickelt und geborgen.“ Die Ausstattung ist daher auch anders: Fußbodenheizung, Elektrogrill, WC und Dusche im Haus und ein Kaffeevollautomat.

In Greiz bei Gera können Kinder auf einem Strohbett im Dachboden des Rittergutes spielen. 
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„Abenteuer mit Luxus ist kein Abenteuer“, findet dagegen Susann Schmidt vom Rittergut Endschütz im thüringischen Landkreis Greiz bei Gera. Sie hat mit Freunden und ausschließlich mit dem Material aus ihrem Bauholzlager und Resten aus dem Rittergut innerhalb von drei Jahren ein Baumhaus gebaut. Das Besondere: Die Seite zum Teich ist offen. „Hier kann man die Fische springen und am frühen Morgen die Vögel singen hören oder einfach die Seele baumeln lassen“, sagt Schmidt. Statt Fernseher gibt es ein Fernrohr zur Beobachtung.

Neben der Aussicht ist den Häusern trotz unterschiedlicher Konzepte noch eines gemein: Sie sind alle sehr gut ausgelastet: „Ich könnte derzeit die zehnfache Anzahl an Häusern vermieten“, sagt Steffen Mäding von Kriebelland.