Macht, was sie will: unsere Hauskatze.
Foto: Imago Images/Steve Mann

So sind sie: eigensinnig und selbstständig – Hauskatzen erwecken stets den Eindruck, sie gehörten nie ganz zu uns. Sie sind ein Vorbehalt auf vier Beinen. Ihre eher lockere Bindung an den Menschen hat möglicherweise mit der Kulturgeschichte von Felis silvestris catus zu tun, wie die Forscher um die Archäologin Magdalena Krajcarz von der Nikolaus-Kopernikus-Universität im polnischen Torun berichten: Untersuchung von 4300 bis 6200 Jahre alten Katzenfossilien, die im Süden Polens gefunden wurden, haben ergeben, dass diese ersten Hauskatzen landwirtschaftlich tätigen Menschen gefolgt sind, sich aber auch in freier Wildbahn ernährt haben.

„Selbst moderne Hauskatzen leben irgendwo entlang eines Kontinuums von engen Beziehungen zu Menschen bis hin zu Wildtieren“, erläutern die Wissenschaftler in dem Fachmagazin „Proceedings of the National Academy of Sciences“ ihren Befund. Sie wollten herauszufinden, wie es zu dieser besonderen Stellung der Hauskatze unter den Haustieren kam. Nach heutigem Forschungsstand stammen alle Hauskatzen von der Afrikanischen Wildkatze (Felis silvestris lybica) – auch Falbkatze genannt – ab. Beide Unterarten sind anhand von genetischen Analysen kaum voneinander zu unterscheiden. Unser afrikanischen Vorfahren!

Die Grabungsstelle im südlichen Polen – im Hochland von Krakau-Częstochowa.

Bild: Facebook/Nicolaus Copernicus University in Torun

Krajcarz und Kollegen fanden in den Überresten von sechs Falbkatzen genügend intaktes Knochenkollagen, um Rückschlüsse auf die Ernährung ziehen zu können. Die Forscher verglichen die Isotope der Katzen mit denen aus den Überresten von Menschen, Haustieren und Wildtieren aus der Zeit vor 4300 bis 6200 Jahren. Außerdem zogen sie Hauskatzenfossilien aus der römischen Zeit Polens heran. Die Katzen der späten Jungsteinzeit unterschieden sich in Bezug auf die Isotopenzusammensetzung (und also in Bezug auf die Ernährung) deutlich von den Menschen und Hunden ihrer Zeit sowie von den menschengebundenen Katzen aus der Römerzeit.

Die Stickstoff-15- und Kohlenstoff-13-Werte der sechs Falbkatzen lagen deutlich niedriger, wie es in der Studie heißt. Dies deute darauf hin, dass sie weniger Mäuse und andere Tiere fraßen, die sich vorwiegend von Nahrungsmitteln von gedüngten Feldern ernährt hatten. Stattdessen haben sie vermutlich – wie die Europäischen Wildkatzen – vor allem in der Wildnis Tiere gejagt. Den Forschern zufolge waren die Katzen der Jungsteinzeit eher Kulturfolger, die in der Nähe der Lager der Menschen schnelle Beute fanden, als gut integrierte Haustiere. Eben diese relative Selbständigkeit haben sich die Hauskatzen bis heute erhalten. (mit dpa)