Berlin/Leipzig - In Anbetracht des schmalen kleinen Gesellen, den der Zoo Leipzig aktuell präsentiert, fällt es schwer zu glauben, dass es sich hier um ein Exemplar der größten Echse der Welt handelt. Doch es ist wahr: Am 18. Juli ist in dem sächsischen Tierpark ein Komodowaran-Jungtier geschlüpft – die erste geglückte Nachzucht dieser Art in Deutschland, wie der Zoo mitteilt. 

Ein wichtiger Erfolg: Erhaltungszuchten in Gefangenschaft können dem Erhalt der Art dienen. Die erste Nachzucht von Varanus komodoensis in menschlicher Obhut außerhalb des Heimatlandes Indonesien gelang 1992 im Smithsonian National Zoological Park in den USA. Die erste europäische Nachzucht glückte 2004 in einem Zoo auf Gran Canaria.

Laut den Tierpflegern macht die kleine Echse aus Leipzig einen gesunden und aufmerksamen Eindruck und nimmt bereits erste kleine Futtertiere zu sich. Die Aufzucht findet hinter den Kulissen statt: Für Besucher ist der Nachwuchs vorerst nicht zu sehen.

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Giganten mit Schuppen: Komodowarane können bis zu drei Meter lang werden.

Im Zoo Leipzig leben seit der Eröffnung der Riesentropenhalle Gondwanaland vor zehn Jahren Komodowarane. Das mittlerweile 17 Jahre alte Männchen Kampung war das erste Tier, das damals in die Anlage einzog. Im Rahmen des europäischen Zuchtprogramms EEP kamen im April 2012 zehn weitere Großechsen nach Sachsen, um eine stabile Population in deutschen und europäischen Zoos aufzubauen. Nun haben der sieben Jahre alte Thor und das Weibchen Pantai für den lang ersehnten Nachwuchs gesorgt.

Bis zu drei Meter lang und 80 Kilo schwer

Nach einer Inkubationszeit von sieben Monaten ist der kleine Waran geschlüpft, der in freier Wildbahn nur auf der indonesischen Insel Flores und kleinen Nachbarinseln, etwa der namensgebenden Komodoinsel, zu finden ist. In seiner Heimat Indonesien stehen die gefährdeten Tiere unter strengem Schutz. Ausgewachsen kann Varanus komodoensis eine Länge von bis zu drei Metern und ein Gewicht von bis zu 80 Kilogramm erreichen. Das längste vermessene Exemplar des Bindenwarans (Varanus salvator) soll zwar 3,21 Meter lang gewesen sein, jedoch wird der deutlich schwerere und kräftigere Komodowaran allgemein als größte rezente Echse bezeichnet.

Die Jungtiere verbringen ihre ersten Lebensjahre fast ausschließlich in Bäumen und ernähren sich dort von Insekten und kleinen Wirbeltieren. Ab einer Körperlänge von ein bis anderthalb Metern verlagert sich der Lebensmittelpunkt dann auf den Boden, da sich das Klettern dann immer schwieriger gestaltet. Für den kleinen Waran aus Leipzig bleibt aber noch genug Zeit auf dem Ast: Die Tiere sind beim Schlupf im Schnitt gerade mal 42 Zentimeter lang und wiegen 100 Gramm. Im ersten Lebensjahr wachsen die Jungtiere beinahe auf das Doppelte ihrer Geburtslänge heran, danach nimmt die Wachstumsgeschwindigkeit stetig ab. Es wird davon ausgegangen, dass ein Tier mehr als elf Jahre benötigt, um eine Länge von über zwei Metern zu erlangen.