Berlin - Nur zehn Tage nach der Tötung von 1428 Weißseitendelfinen fand am Mittwoch auf den Färöerinseln wieder eine Treibjagd statt. Diesmal wurden 52 Grindwale in eine Bucht getrieben und getötet. Das berichtete die Naturschutzorganisation OceanCare jetzt am Donnerstag. Die NGO rief die Regierungen der Europäischen Union sowie die EU-Kommission auf, dem blutigen Treiben ein Ende zu setzen. Sowohl Dänemark als auch die regionale Regierung der Färöer müssen dazu bewegt werden, die „Grindadrap“ genannte Jagd umgehend einzustellen.

Europäischer Tierschutz gilt offenbar nicht auf den Färöer

Die Bilder von dem Blutbad auf den Inseln sorgten für internationale Proteste. Zwar hatte die Autonomie-Regierung angekündigt, die Umstände des mit über tausend toten Delfinen vollkommen aus dem Ruder gelaufenen „Grindadrap“ zu überprüfen, doch bei der aktuellen Jagd fiel nun eine andere Delfinart zum Opfer – Grindwale, die überdies seitens der EU-Artenschutzgesetzgebung streng geschützt sind. Die zu Dänemark gehörenden Färöerinseln sind kein Mitglied der Europäischen Union und fühlen sich somit nicht an die Walschutzbestimmungen gebunden.

Getötet werden die Grindwale mit dem sogenannten mønustingari – eine Metalllanze, an deren Ende sich eine scharfer Klinge befindet. Damit werden den Tieren das Rückenmark und die Halsschlagader durchtrennt, sodass sie innerhalb weniger Sekunden sterben. Wenn der Schnitt genau gesetzt ist … Auf den verstörenden Videos von vor zehn Tagen war indes zu sehen, dass viele Tiere keineswegs schnell tot waren und ihre Leiber mit halb aufgeschnittenen Hälsen zuckend am Strand lagen. Offenkundig diente diese Massentötung auch nicht der Selbstversorgung.

„Die Treibjagd seitens der Färöer, die ganze Delfinschulen vernichtet, untergräbt die Bemühungen der Staaten, die ohnehin durch zahlreiche Gefahren unter Druck stehenden Kleinwale zu schützen. Wer sich über den Verlust der Artenvielfalt sorgt, muss diesen sinnlosen Praktiken ein Ende setzen“, sagt Fabienne McLellan, Sprecherin von OceanCare.