Berlin/Virunga - Mit einem unendlich berührenden Bild verabschiedet sich der Virunga-Nationalpark von seinem Gorillaweibchen Ndakasi: Ihre Augen sind noch geöffnet, wenige Minuten später schläft sie in den Armen ihres Pflegers Andre Bauma für immer ein. Berühmt wurde Ndakasi 2019 durch ein Selfie mit ihrem Pfleger. Das Gorillaweibchen stand darauf neben einem weiteren Gorilla aufrecht auf den Füßen. Die beiden blickten gezielt in die Kamera, schienen beinahe zu grinsen. Seinerzeit feierte die Netzgemeinde die Aufnahme als Zeichen für die Menschlichkeit der Tiere.

Der Nationalpark in der Demokratischen Republik Kongo veröffentlichte jetzt eine ungewöhnlich herzliche Stellungnahme. Mit großer Trauer gebe man den Tod des „geliebten verwaisten Berggorillas Ndakasi“ bekannt, heißt es darin. Bereits am Abend des 26. Septembers sei der Menschenaffe nach langer Krankheit gestorben, zuletzt habe sich Ndakasis Zustand rapide verschlechtert. „Ihre fröhliche Art zauberte mir jedes Mal ein Lächeln ins Gesicht“, wird Pfleger Bauma zitiert. „Wir sind für immer dankbar für den Reichtum, den Ndakasi in unser Leben gebracht hat.“

Im April 2007 wurde Ndakasi im Alter von zwei Monaten von Mitarbeitern des Parks gefunden. Sie habe sich damals an den toten Körper ihrer Mutter geklammert, die wenige Stunden zuvor von Milizen getötet worden war. Der im Nationalpark tätige Pfleger Bauma kümmerte sich fortan um das Gorilla-Baby. Nächtelang habe er die kleine Ndakasi im Arm gehalten und getröstet. Da sie vom Verlust ihrer Familie traumatisiert war, konnte sie nicht mehr in die freie Wildbahn zurückkehren. Sie wurde mit anderen verwaisten Gorillas in einem Zentrum des Parks betreut.

Der Virunga-Nationalpark liegt im Osten des Kongos an der Grenze zu Uganda und Ruanda. Das Unesco-Weltkulturerbe ist berühmt für die stark gefährdeten Berggorillas, die nur in diesen drei Ländern leben. Nach Angaben des World Wide Fund for Nature gibt es noch etwa 1000 Berggorillas. (mit dpa)