Das neuartige Corona-Virus kann schwere Lungenerkrankungen auslösen. 
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BerlinMehr als 1100 Menschen haben sich in Deutschland bislang nachweislich mit dem Corona-Virus Sars-CoV2 infiziert. Die meisten dieser Infektionen - etwa 80 Prozent - verlaufen milde, oft treten sogar gar keine Symptome auf. Dem entgegen stehen einige, wenige Fälle, in denen die durch das Virus ausgelöste Krankheit Covid-19 so schwer verläuft, dass Patienten daran sogar sterben. Der Leiter der Virologie in der Berliner Charité, Christian Droste, plädierte deshalb in einem Podcast mit dem NDR dafür, besonders diese Risikogruppen vor einer Infektion zu schützen. 

Doch wer zählt eigentlich zu diesen Risikogruppen? Und was kann jeder einzelne tun, um sich selbst, aber auch andere Menschen zu schützen? Wir haben die wichtigsten Fragen und Antworten gesammelt.

Welche Altersgruppen haben ein erhöhtes Risiko für schwere Covid-19-Verläufe?

Die meisten Informationen und Erkenntnisse über das Corona-Virus sowie die daraus folgende Erkrankung Covid-19 leiten sich von Erfahrungen aus China ab. Einer dort durchgeführten Untersuchung zu Folge haben Menschen ab einem Alter von 80 Jahren das höchste Risiko für schwere Krankheitsverläufe mit Todesfolge. Fast jeder siebte Erkrankte starb an den Folgen. 

Doch schon ab 50 Jahren steigt das Risiko, an der Infektion zu sterben. Dagegen gibt es bei Kindern und Jugendlichen unter 20 Jahren kaum schwere Erkrankungen.

Warum erkranken vor allem ältere Menschen schwer an Covid-19?

Die Antworten darauf sind noch nicht hinreichend geklärt. Ein Grund ist, dass das Immunsystem mit zunehmendem Alter schwächer wird. Da es bislang jedoch noch keine Heilstoffe gegen die Krankheit gibt, muss der menschliche Körper sie selbst bekämpfen - Ärzte können mit Medikamenten bislang lediglich Symptome bekämpfen. 

Welche Erkrankungen sind gemeint, wenn von "Vorerkrankungen" die Rede ist?

Schwere Krankheitsverläufe kommen auch bei jüngeren Patienten vor, meistens, wenn diese an Vorerkrankungen leiden. Dazu zählt das Robert Koch Institut (RKI) zum Beispiel Herzerkrankungen oder auch Lungenkrankheiten wie Asthma oder chronische Bronchitis. Menschen mit chronischen Lebererkrankungen oder Diabetes mellitus haben ebenfalls ein erhöhtes Risiko für einen schweren Covid-19-Verlauf. Auch wer ein geschwächtes Immunsystem hat, durch Krankheiten oder Medikamenteneinnahme (wie zum Beispiel Cortison) oder Krebs- und Tumorerkrankungen, zählt zu dieser Risikogruppe.

Wie gefährlich ist das Virus für Schwangere?

Daten aus China zufolge haben schwangere Frauen gegenüber nichtschwangeren Frauen kein erhöhtes Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf.

Wie gefährlich ist das Virus für Kinder?

Auch bei Kindern gibt es kein erhöhtes Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf - im Gegenteil: Kinder und Jugendliche unter 20 Jahren haben das geringste Risiko, an Covid-19 zu erkranken.

Ich gehöre zu einer Risikogruppe - wie kann ich mich vor Corona-Viren schützen?

Da es bislang weder Medikamente zur Heilung noch zur Prävention von Covid-19 gibt, sollten Menschen, die zu Risikogruppen gehören, vor allem eins tun: Das Risiko einer Infektion so weit mindern wie möglich. Die gute Nachricht: Schon alltägliche Verhaltensregeln tragen einen großen Teil dazu bei. Dazu zählt gründliches Händewaschen (mindestens 20-30 Sekunden und die komplette Hand inklusive Handrücken und Fingerspitzen mit Wasser und Seife waschen). Außerdem sollte Abstand zu anderen Menschen gehalten werden - vor allem, wenn diese erkältet sind. 

Menschen mit erhöhtem Risiko für eine Covid-19-Erkrankung sollten außerdem Menschenansammlungen meiden, zuhause bleiben, wann immer möglich und enge Begrüßungsrituale wie Küsschen oder Umarmungen vermeiden. 

Sollte ich wirklich weitmöglich zuhause bleiben, um mich vor der Erkrankung zu schützen?

Das Risiko, sich Corona-Viren einzufangen ist dort am höchsten, wo viele Menschen aufeinandertreffen. Deshalb rät das RKI Menschen, die zu Risikogruppen gehören, so viel Zeit wie möglich zuhause zu verbringen und Räume regelmäßig zu lüften. Das heißt nicht, dass gänzlich auf Kontakt verzichtet werden muss. Es ist jedoch ratsam, große Menschenansammlungen zu vermeiden und auch zuhause Abstand zu Besuchern zu halten, vor allem, wenn diese zum Beispiel erkältet sind. 

Muss ich den Kontakt zu Menschen meiden, die nur eine leichte Erkältung haben?

Im besten Fall ja. Denn auch vermeintlich harmlose Erkältungsviren schwächen das Immunsystem - und damit auch die Abwehr gegen Corona-Viren. 

Was muss ich sonst noch beachten, wenn ich zu einer Risikogruppe gehöre?

Besonders ältere Menschen ab 50 Jahren müssen sich darüber bewusst werden, dass klassische Infektions-Symptome abnehmen. Infektionen und damit auch eine Corona-Infektion können damit oft still verlaufen, bleiben lange mild oder gar gänzlich symptomfrei und nehmen dann einen schweren Verlauf, der nur schwer aufzuhalten ist. Wichtig ist deshalb, eine Diagnose so früh wie möglich zu stellen. Deshalb sollten gerade ältere Menschen schon leichte Symptome ernst nehmen und rechtzeitig einen Arzt konsultieren. 

Was kann jeder tun, um besonders gefährdete Menschen zu schützen?

Auch hier gilt: Der beste Schutz ist, das eigene Infektionsrisiko soweit einzudämmen wie möglich. Dazu zählen alltägliche Maßnahmen, die jeder einhalten kann: Hände waschen, Menschenansammlungen vermeiden und Abstand zu Erkrankten halten. 

Auch, wer sich selbst gesund fühlt, sollte in nächster Zeit engen Körperontakt (Küssen, Umarmungen) zu gefährdeten Menschen meiden. Es besteht das Risiko, mit dem Corona-Virus in Berührung gekommen zu sein, ohne es selbst zu wissen - viele Corona-Infektionen bei jungen und gesunden Menschen verlaufen so mild bis gar symptomfrei, dass sie unter Umständen nicht einmal registriert werden. Man fühlt sich selbst gut - stellt aber für Risikogruppen eine Gefahr da. 

Wer kann, sollte versuchen, Angehörige wie Großeltern oder Eltern und Nachbarn zu unterstützen. Indem zum Beispiel Einkäufe erledigt werden, damit sich gefährdete Menschen den Gang in den Supermarkt ersparen. Private Treffen und Veranstaltungen sollten, wenn möglich, von Bars und Cafés nach Hause verlegt werden.

Christian Droste rät im NDR-Podcast außerdem dazu, Kinder nicht mehr in die Obhut der Großeltern zu geben. Denn auch wenn Kinder von der Krankheit Covid-19 recht selten betroffen sind, können sie dennoch Träger des Corona-Virus sein - und es an die Großeltern weitergeben. "Die Kinder sollten bis September, Oktober nicht mehr zu Oma und Opa zur Betreuung gegeben werden", so Droste.

Junge Menschen, die zu einer Risikogruppe gehören, können oft nicht einfach zuhause bleiben. Christian Drosten rät im Gespräch mit dem NDR deshalb auch allen Arbeitgebern, solchen gefährdeten Menschen weitmöglich die Arbeit von Zuhause zu ermöglichen. 

Wie lange sollte man diese Vorsorgemaßnahmen einhalten?

Die Hoffnung vieler Mediziner und Wissenschaftler war bislang, dass der Frühling und die ansteigende Temperatur ein Abflauen der Corona-Infektionen bringen könnte. Christian Droste sagte am Montag im NDR-Podcast nun jedoch, man rechne nicht mehr mit einem solchen Temperatureffekt, sondern erwarte eine "direkt durchlaufende Infektionswelle". Dies würde bedeuten, dass die meisten Fälle im Zeitraum im Sommer, in der Zeit von Juni bis August, auftreten könnten. 

Dementsprechend sollten Maßnahmen zur Senkung eines Infektionsrisikos möglichst noch bis September durchgehalten werden.