Ein Kleinkind verbirgt sein Gesicht hinter einem Stofftier (Symbolfoto).
Foto: imago images/Thomas Trutschel

Berlin Ab Dienstag gestaltet sich der Alltag in vielen Berliner Familien anders. Richtige Ferien sind es nicht, aber Schulen und Kitas sind dennoch geschlossen. Bei den größeren Kindern hat es sich längst herumgesprochen, Grund für die unverhofften schulfreie Tage ist ein Virus. Doch wie erklärt man kleineren Kindern den Ausnahmezustand? Wie kann es gelingen, die kommenden Wochen in innerhalb der Familie zu einer positiven  Erfahrung für alle Beteiligten zu machen, fragten wir den Berliner  Pädagogen, Berater und Autor Dr. Udo Baer (70).

Herr Baer, wie kommen Eltern und Kinder gut durch die kommenden Wochen? 

Man kann soll und muss zumindest versuchen, etwas Positives daraus zu machen. Natürlich kommt es auf die konkreten Bedingungen an. Fragen Sie Ihre Kinder, die haben bestimmt Ideen. Setzen sie sich zusammen, anstatt ein Ersatzprogramm vorzulegen.

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Was tun, wenn Kinder nun Ängste entwickeln?

Gegen Angst hilft, etwas in die Hand zu nehmen. Wenn man etwas nicht begreift, muss man es mit den Händen be-greifen. Machen Sie Ostervorbereitungen, bauen sie ein Antivirusmonster aus Pappmaché. Versuchen Sie für die Angst Worte zu finden. Malen, kneten oder basteln Sie einen Angstfresser. Es ist wichtig, Gefühle der Kinder ernst zu nehmen. Sagen Sie "Ja, ich habe auch Angst. Und wir stehen das durch." Bagatellisierende Floskeln, die Ängste abtun sind nicht hilfreich.   

Dr. Udo Baer is Pädagoge und Buchauto in Berlin 
Foto: Udo Baer

Wie spreche ich mit Kindern über die Krise?

Wichtig ist, wenn Kinder fragen, so ehrlich wie möglich zu antworten. Auch kleine Kinder spüren in der Atmosphäre, da liegt was in der Luft. Vereinfachen Sie Erklärungen, indem Sie das Corona-Virus mit einer Grippe vergleichen. Ältere Kinder informieren sich oft im Netz. Das ist es wichtig zu sagen, dass nicht alles was da steht, auch stimmt. Manche Horrorgeschichte kann so entkräftet werden. Die Kinder sollen keine Virologen werden.

Lieber konkret bleiben?

Besprechen Sie mit den Kindern zum Beispiel Schutzmaßnahmen. Erklären Sie ihnen, dass wir alle Widerstandskräfte haben, die sind bei Kindern besonders groß. Bei Eltern sind sie größer als bei den Großeltern. Deswegen sollte man jetzt den Kontakt zu Oma und Opa einschränken.

Soll ich das Thema von mir aus ansprechen, auch wenn keine Fragen kommen?

Es wird oft abgeraten, ein schwieriges Thema anzusprechen wenn keine Fragen kommen, um Kinder nicht zu ängstigen. Manchmal macht Angst aber stumm. Natürlich ist es wichtig, darüber zu reden, auch wenn sie nicht fragen. Kinder sind weise und offen. Machen Sie deutlich: Wir werden bedroht und wir können uns wehren. Wir haben Angst und wir haben Mut. Leben ist widersprüchlich.

Was stärkt uns weiter als Familie?  

In unsicheren Zeiten braucht man Nähe und die soll man nun nicht haben. Das ist das Paradoxe in dieser Situation. Innerhalb der Familie ist sie aber erlaubt. Jetzt ist die Zeit zum knuddeln, zum kämpfen. Eltern sind aufgefordert das zu tun, wofür sie sonst angeblich keine Zeit haben. Auch Natur ist heilsam. Natur ist vielmehr als der Mensch, das tut uns gut und gibt Sicherheit.  

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