Natürlich nicht der Unstrut-Alligator, sondern ein Nilkrokodil.
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Naumburg/TröbsdorfWir haben im Laufe der Jahre schon einige Sommerloch-Tiere durchgereicht: Killerwels Kuno aus einem Mönchengladbacher Teich, den ausgebüxten Brillenkaiman Sammy vom Baggersee südlich von Düsseldorf, oder auch die bissige Schnappschildkröte Lotti, die 2013 für Schlagzeilen sorgte, allerdings nie gefunden wurde. So ist das mit den Tieren, die in der nachrichtenarmen Zeit auftauchen: Manchmal gibt es sie, manchmal werden sie auch einfach nur mit wesentlich ungefährlicheren Spezies verwechselt.

Eines aber haben die Sommerlochtiere gemeinsam: die Vorliebe für Badeseen und andere Gewässer, in denen auch der Mensch gern seine Bahnen zieht. Auch das an dieser Stelle nun zu behandelnde Krokodil, das sich mit aktuellen Schlagzeilen als aussichtsreicher Kandidat für den Titel „Sommerlochtier 2020“ in Stellung bringt, schwimmt angeblich in kühlem Nass. Die Geschichte beginnt mit zwei Augenzeugen, die am vergangenen Freitag angaben, zwischen Wennungen und Tröbsdorf an der Unstrut ein Krokodil gesehen zu haben. Nun wäre dies für das weder tropische noch subtropische Sachsen-Anhalt ein ungewöhnlicher Vorgang, und der zuständige Burgenlandkreis musste handeln. Während Wasserschutzpolizei, Deutsche Lebensrettungsgesellschaft und die Feuerwehr die Panzerechse am Freitag und dem Wochenende suchten, ergab sich bis Sonntagmorgen zwar keinerlei Hinweis auf die Existenz eines Unstrut-Alligators.

Ein Boot der Wasserschutzpolizei wird am Sonnabend in die Unstrut gelassen.
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Dennoch: Vorsicht ist besser als Nachsicht, dachte sich der Landrat des Burgenlandkreises, Götz Ulrich, und verhängte ein Badeverbot, das zunächst bis zum 6. September gilt. Demnach dürfe niemand zwischen der Landesgrenze zu Thüringen bei Wendelstein und der Einmündung in die Saale am Blütengrund bei Naumburg in den Fluss gehen. Oder wie es in der Allgemeinverfügung Nr. 9 heißt: „Für den Fluss Unstrut besteht auf dem Gebiet des Burgenlandkreises ein Badeverbot für jedermann.“

Wir sehen jedenfalls schon gewisse Parallelen zur Geschichte von Kaiman Sammy aus dem Jahr 1994. Das Reptil war seinem Besitzer damals bei einem Ausflug an einen Baggersee in Dormagen ausgebüxt. Die Jagd auf den 80 Zentimeter langen Kaiman mit den bernsteinfarbenen Augen hielt die Nation in Atem. Tagelang war das Badegewässer gesperrt. Von der „Bestie im Baggersee“ war die Rede, vom „Ungeheuer von Loch Neuss“. Allein schon für Wortschöpfungen wie diese muss man sie lieben, die Sommerlochtiere.