Wildschweine (Symbolbild)
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PotsdamNach dem Auftreten der Afrikanischen Schweinepest (ASP) in Polen nahe der deutschen Grenze wächst in Brandenburg die Sorge vor der Seuche. Der Landesbauernverband und der Deutsche Jagdverband (DJV) riefen zu erhöhter Wachsamkeit auf. Die Funde müssten „uns natürlich in der Alarmbereitschaft ganz nach oben bringen“, sagte der Präsident des brandenburgischen Bauernverbands, Henrik Wendorff. Er appellierte an die Bevölkerung, an Raststätten keine Lebensmittel aus dem Fenster zu schmeißen. Durch den starken grenzüberschreitenden Transitverkehr seien weggeworfene Lebensmittel einer der Hauptverbreitungswege.

Neben den bereits laufenden Sicherheitsmaßnahmen der Landwirte - etwa das Überprüfen aller Zäune und Schulungen des Personals hinsichtlich der Vorkehrungen - liefen parallel auch auf Verwaltungsebene Vorbereitungen für den Eintrittsfall. „Was jetzt auch in Zukunft noch verstärkt gemacht werden muss, ist grenzüberschreitend diese Maßnahmen zu besprechen“, forderte er. Sperrkorridore könnten im Extremfall auch die Grenze überschreiten, daher bedürfe es einer großen und intensiven Abstimmung.

Verschärfte Aufmerksamkeit sei aber nicht nur in Brandenburg und den anderen Ost-Bundesländern geboten, sagte Torsten Reinwald vom Deutschen Jagdverband. „Wir wissen nicht, wo das Virus in Deutschland zuschlagen wird.“ Es ist aber keine Frage des Ob, sondern nur noch eine des Wann.

„Es ist extrem wichtig, dass Landwirte, Forstwirte, Jäger und Spaziergänger verdächtige Kadaver sowie Tiere mit Blut an Haut oder Schnauze sofort melden.“ Anfassen oder gar transportieren solle man tote oder erkrankte Schweine auf keinen Fall, warnte DJV-Experte Reinwald. „Die Körperflüssigkeiten sind hochinfektiös“, betonte er mit Blick auf die Übertragungsgefahr von Schwein zu Schwein. Für den Menschen sind die Viren ungefährlich.

Ein Schild mit der Aufschrift "Afrikanische Schweinepest - Sperrbezirk- " steht bei einem Rundgang durch das hessische Zentrallager für Tierseuchenbekämpfungsmaterial an einen Tieranhänger gelehnt.
Foto: dpa/ Frank Rumpenhorst

Aus Sorge vor der weiteren Verbreitung des Virus will sich auch die EU-Kommission einen Überblick über die Situation verschaffen. Ein Wissenschaftler des Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI) in Mecklenburg-Vorpommern reist am Mittwoch nach Westpolen, wie das Bundesforschungsinstitut auf der Insel Riems bei Greifswald am Dienstag mitteile.

An der Risikoeinschätzung ändert sich dem Institutspräsidenten Thomas Mettenleiter zufolge auch nach der bekanntgewordenen Ausweitung des Falles nichts. Der Ausbruch in Polen sei nicht dichter an der Grenze zu Deutschland als 2018 der Ausbruch in Belgien. Dort sei vor Ablauf eines Jahres ein weiterer Fall bekanntgeworden, so dass Belgien den Status „seuchenfrei“ noch nicht wiedererlangt hat. Das sei bisher nur Tschechien gelungen.

Unterdessen ist die Suche nach toten Wildschweinen am Mittwoch in der betroffenen polnischen Region nahe der Grenze zu Brandenburg fortgesetzt worden. Rund 100 Freiwillige und 150 Soldaten der polnischen Armee durchkämmten das Gelände, sagte Stanislaw Mysliwiec, Vorsitzender der Landwirtschaftskammer, der Deutschen Presse-Agentur in Warschau. Das Areal umfasse 340 Quadratkilometer und liege in den Kreisen Wschowski und Nowasolski.