Gibt es in Brandenburg zu wenige Gefäßmediziner? 

Die Zahl der Menschen mit Gefäßleiden in Deutschland nimmt stetig zu. Die Versorgung sei besonders in Brandenburg, wo es zu wenige Gefäßmediziner gebe, unzureichend - sagen CDU-Landtagsabgeordnete. Das Ministerium bezweifelt das.

Potsdam-Das hohe Durchschnittsalter der Menschen  in Südbrandenburg führt auch zu gesundheitsrelevanten Problemen. Die Brandenburger CDU warnt: Die Versorgung von Patienten mit Gefäßkrankheiten, die zu Herzinfarkten oder Schlaganfällen führen können, sei unzureichend. Überfüllte Hausarztpraxen und fehlender Praxen von Gefäßmedizinern liesen das Risiko einer unzureichenden Versorgung für die Bevölkerung steigen.

Es geht um Leben und Tod. Trotzdem sind Patienten in Südbrandenburg in Sachen Gefäßmedizin unterversorgt, warnt die CDU-Landesfraktion.
Es geht um Leben und Tod. Trotzdem sind Patienten in Südbrandenburg in Sachen Gefäßmedizin unterversorgt, warnt die CDU-Landesfraktion.imago stock&people

Laut der Deutschen Gesellschaft für Gefäßchirurgie und Gefäßmedizin erkranken immer mehr Menschen in Deutschland an einer Verengung der Arterien. In Deutschland gebe es derzeit rund 4,5 Millionen Menschen mit einer peripheren arteriellen Verschlusskrankheit. Die Beschwerden können sich durch Schmerzen im Bereich der Körperregion, die nicht ausreichend durchblutet ist, äußern. Typischerweise treten die Beschwerden beim Gehen auf. Häufig treten nach einigen Metern Schmerzen in den Beinen auf, die nach dem Stehenbleiben verschwinden. Aus diesem Grund wird die Erkrankung auch Schaufensterkrankheit genannt.

Orthopäde warnt: Amputationen drohen

In Südbrandenburg, wo der Altersdurchschnitt besonders hoch ist, sei die Lage prekär. „Gerade in Brandenburg sind die Fälle von Diabetes mellitus und Arteriosklerose zahlreich. Wenn diese Krankheiten nicht schnell und gründlich behandelt und gefäßchirurgisch mitbegleitet werden, kann es zum Beispiel dazu kommen, dass ein Bein amputiert werden muss“, erklärt Michael Schierack im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur. Der Facharzt für Orthopädie ist auch gesundheitspolitischer Sprecher der CDU-Landtagsfraktion.

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Das Gesundheitsministerium hingegen beschrieb die Versorgung in Südbrandenburg als ausreichend. Entsprechende Leistungen könnten auch Ärzte anderer Fachgruppen erbringen. Dabei stützt sich das Ministerium auf Angaben der Kassenärztlichen Vereinigung Berlin-Brandenburg (KVBB).

Nur vier ambulant tätige Fachärzte in ganz Brandenburg

Nach Angaben der KVBB gibt es in ganz Brandenburg vier ambulant tätige Fachärzte für Gefäßchirurgie, von denen nur einer mit einer eigenen Praxis niedergelassen ist. Zwei der Ärzte arbeiten in Potsdam, jeweils einer in Cottbus und Guben. 72 Fachärzte können insgesamt laut Ministerium gefäßchirurgische Leistungen erbringen. Den weitaus größten Teil davon stellen Mediziner aus anderen Fachgruppen wie Internisten, Radiologen und Chirurgen. Die Behörde räumt jedoch ein, dass sie keine Kenntnisse über die Zahl der Brandenburger mit diesen Volkskrankheiten habe.

„Die Diagnose bei Erkrankungen können Kardiologen oder Hausärzte machen. Aber bei der Therapie und Nachbehandlung sind sie zeitlich überfordert“, kritisierte Schierack. Hinzu komme, dass im ländlichen Raum die Hausarztpraxen übervoll seien. „Gefäßmedizinische Arbeiten sind sehr zeitaufwendig“, sagt er. Viele Ärzte könnten eine zeitraubende Nachbehandlung von Menschen mit Gefäßerkrankungen ihren anderen Patienten im Wartezimmer nicht zumuten. Brandenburger mit Gefäßleiden, die in dünn besiedelten Regionen wohnen, müssten daher für eine Behandlung oft lange Wege zu einem Facharzt in Kauf nehmen.

Entlastung durch Aufhebung der Trennung von ambulanter und stationärer Versorgung

Eine Entlastung für Patienten und Hausärzte könnte nach Ansicht Schieracks schon dadurch entstehen, wenn die scharfe Trennung von ambulanter und stationärer Versorgung in den ländlichen Gebieten aufgehoben wird. Bislang benötigten Klinikärzte für eine ambulante Behandlung von Patienten mit arteriellen Erkrankungen eine Ermächtigung durch die KVBB, die nur selten erteilt werde. Die wenigen Gefäßchirurgen in den Praxen sollten daher mit ihren Kollegen in den Kliniken verzahnt werden, forderte Schierack.