Berlin - Die Schwarze Witwe hat nicht den besten Ruf. Allein der Name verheißt nichts Gutes. Tatsächlich frisst das Weibchen nach der Paarung das Männchen, zumindest bei der Europäischen Schwarzen Witwe (Latrodectus tredecimguttatus) ist das häufig der Fall – kommt bei anderen Arten der Gattung jedoch unterschiedlich häufig vor. Die kleinen, meist schwarz gefärbten Giftspinnen können auch für den Menschen tödlich sein. Allerdings wird die Gefährlichkeit der Schwarzen Witwe stark übertrieben. Nur sehr selten stirbt ein Mensch an dem Giftbiss durch Atemlähmung.

Spinnen töten auch die giftigsten Schlangen

Nun aber warten Wissenschaftler mit einer Aufsehen erregenden Studie auf. Demnach können Spinnen selbst vielfach größere Schlangen erbeuten und fressen. Das zeigt eine Auswertung von 319 dokumentierten Fällen, die jetzt im Fachmagazin Journal of Arachnology erschienen ist. Die Hälfte der Vorfälle wurden in den USA dokumentiert, rund ein Drittel in Australien. Die erfolgreichste Schlangen-Jägerin ist die Schwarze Witwe aus der Familie der Kugelspinnen (Theridiidae). Ihr für Wirbeltiere spezifisches Nervengift und ihre besonders reißfesten Netze helfen ihr beim Beutefang.

Wie der Spinnenforscher Martin Nyffeler von der Universität Basel und sein Kollege von der amerikanischen University of Georgia, Whitfield Gibbons, schreiben, müssen auch Giftschlangen um ihr Leben fürchten. In den USA und Südamerika werden gelegentlich Klapper- und Korallenschlangen von Spinnen getötet. Die Rotrückenspinne etwa überwältigt die zur selben Familie wie die Kobras gehörenden Scheinkobras. „Sie gehören zu den giftigsten Schlangen der Welt, und es ist sehr faszinierend zu beobachten, dass sie im Kampf mit Spinnen jeweils unterliegen“, so Nyffeler.

Fast immer gewinnen Spinnen die Zweikämpfe

Spinnen sind zur Hauptsache Insektenfresser, allerdings erweitern sie ihren Speiseplan und gehen recht robust vor: Sie töten und fressen laut Studie bis zu einem Meter lange Schlangen, am häufigsten jedoch sehr junge, frisch geschlüpfte Tiere. Insgesamt gebe es Berichte über rund 90 Schlangenarten, die von etwa 40 Spinnenarten erbeutet worden seien. Die Spinnen seien bei ihrer Beutejagd überaus erfolgreich: Fast neun von zehn der gefangenen Schlangen wurden laut Studie getötet, nur 1,5 Prozent konnten sich aus eigener Kraft befreien.

dpa/Matias Martinez/Universität Basel
Mexiko: Eine Schwarze Witwe macht sich über eine Blumentopfschlange her.

Wenn eine Spinne eine Schlange erbeutet hat, frisst sie oft stunden- bis tagelang an einem solch „fetten Happen“. Spinnen sind Tiere mit einem unregelmäßigen Fressrhythmus: Bei hohem Nahrungsangebot fressen sie im Übermaß, um dann wieder lange Zeit zu hungern. Überschussnahrung speichern sie als Energiereserve und nutzen sie zur Überbrückung längerer Hungerperioden. Dennoch frisst eine Spinne oft nur einen kleinen Teil einer toten Schlange. Was übrig bleibt, wird später von Aasfressern wie Ameisen, Wespen, Fliegen und Schimmelpilzen konsumiert. (mit dpa)