Zankapfel und Ziegenbock: Zoltan in seinem Gehege.
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Berlin/BayreuthEins vorweg: Wir kennen Zoltan nur von Bildern und können ihm daher zwar bescheinigen, dass er ein stolzer Bock ist, mit wunderschön geschwungenen Hörnern und einem reizenden, blond gesträhnten Bart. Wenn es aber um die olfaktorischen Qualitäten des Tieres der Rasse Thüringer Waldziege geht, müssen wir passen. Wir können an dieser Stelle nur eine Nachbarin zitieren, die behauptet, Zoltan stinke teilweise bestialisch. Eine Feststellung, die Konsequenzen hat, gerichtliche und gesellschaftliche. Und die die Frage aufwirft: Wer ist hier eigentlich der Sündenbock?

Aber der Reihe nach: Die Besitzer von Zoltan aus dem Landkreis Kulmbach nahe Bayreuth halten schon seit Jahren Ziegen. Der Traum der Familie ist eine große Herde mit 40 Muttertieren und einem Bock. Man will eine Käserei aufbauen, einen kleinbäuerlichen Milchziegenbetrieb mit eigenem Hofladen. Eine alte Scheune, die direkt an das Nachbargrundstück grenzt, wurde zum Ziegenstall umgewidmet – was der Nachbarin stinkt. Bei schwülem Wetter und entsprechender Windrichtung rieche es „sehr stark“ nach Ziegenbock, moniert die Frau, die sich nicht mehr in der Lage sieht, ihre Wäsche draußen zu trocknen, geschweige denn, sich in den Garten vorm Haus zu setzen. Als Inhaberin eines Betriebs habe sie sogar Gespräche mit Kunden wieder abbrechen müssen, berichtet ihr Anwalt.

Die Nachbarin fand zunächst heraus, dass eine Nutzungsänderung zum Ziegenhof genehmigungspflichtig ist. Daraufhin prüften die Behörden, plötzlich ging es um die Frage, ob der Ort mit seiner Neubausiedlung überhaupt noch als Dorf durchgehe. Nun beschäftigte der Streit den ganzen Ort, Unterschriftenaktionen wurden gestartet und die Nachbarin erhielt anonyme Drohungen. Das Landratsamt entschied sich schließlich für eine „Tendenz zum Dorfgebiet“ und eine somit mögliche Ziegenhaltung.

Das war es aber noch lange nicht: Ein Umweltschutzingenieur und eine Fachberaterin wurden hinzugezogen, Letztere bescheinigte eine einwandfreie Ziegenhaltung. Da der Bock nur zur Paarungszeit im Hochsommer mit seinen Duftstoffen betöre und das Decken insgesamt nicht länger als zehn Minuten dauere, sei die Situation hinnehmbar, befand man – und genehmigte die Ziegenhaltung unter der Auflage von Abstandsregeln zum Nachbargrundstück. Das passte beiden Seiten nicht, es wurde weiter prozessiert, auch wenn der Gestank inzwischen nachgelassen hat.

Seit fast drei Jahren streiten die Nachbarn nun schon um den müffelnden Bock – doch auch nach dem jüngsten Urteil bleiben viele Fragen offen. Sollte Zoltan wieder mit dem Gestinke anfangen, drohen ein Ordnungsgeld oder gar eine Haftstrafe, verkündete das Landgericht Bayreuth am Donnerstag. Der Bock darf die Nachbarin nicht wesentlich beeinträchtigen, was auch immer das heißt. Inzwischen wird sowieso längst auch über verschiedene Baugenehmigungen und eine Brandschutzwand gestritten. Es gibt halt immer was zu meckern! (mit dpa)