Berlin - Mit dem in der EU seit dem 11. März zugelassenen und in den USA bereits im Einsatz befindlichen Corona-Impfstoff von Janssen, der Pharmasparte des US-Konzerns Johnson & Johnson, entwickelt es sich ähnlich wie mit dem Astrazeneca-Vakzin. Nachdem bei Geimpften sonst sehr seltene Hirnvenenthrombosen auftraten, gibt es vorsichtshalber Stopps.

Die Behörden in den USA haben eine vorübergehende Aussetzung der Impfungen mit dem Wirkstoff von Johnson & Johnson empfohlen, nachdem nach 6,8 Millionen Impfungen bei sechs Frauen zwischen 18 und 48 Jahren Sinusthrombosen diagnostiziert worden waren. In Europa verzögert die Firma nun den Marktstart des Impfstoffs. Die EU erwartet bis Ende Juni 55 Millionen Dosen des Impfstoffs, gut 10 Millionen Dosen sollen nach Deutschland gehen.

Aus besonderer Vorsicht

Aus den USA heißt es, die vorübergehende Aussetzung sei aus einem „Übermaß an Vorsicht“ empfohlen worden und werde voraussichtlich nur einige Tage aufrechterhalten. Die Europäische Arzneimittelbehörde (EMA) hatte bereits in der vergangenen Woche eine Untersuchung eingeleitet. Wie sie heute mitteilte, wird das Ergebnis voraussichtlich in der nächsten Woche vorliegen.

Erst im März hatte Deutschland auf Empfehlung des Paul-Ehrlich-Instituts Impfungen mit dem Produkt des Herstellers Astrazeneca vorübergehend ausgesetzt, nachdem gehäuft Sinusthrombosen aufgetreten waren. Bis zum 8. April wurden hierzulande 46 Fälle einer Sinusthrombose nach Impfung mit dem Astrazeneca-Impfstoff gemeldet. Fünf Frauen und drei Männer starben. Inzwischen wird der Einsatz von Astrazeneca hierzulande nur bei Menschen ab 60 Jahren empfohlen. Die EMA hält hingegen an ihrer Einschätzung fest, dass der Nutzen des Impfstoffs das Risiko überwiegt.

Die Impfstoffe von Johnson & Johnson und von Astrazeneca sind vektorbasierte Impfstoffe. Sie nutzen unterschiedliche Typen eines harmlosen, Erkältungen auslösenden Adenovirus, um den Wirkstoff in die Körperzellen zu schleusen. Wieso es bei einigen Geimpften zu der schweren Nebenwirkung kommt, ist bislang unklar. Gerinnungsexperten wie Andreas Greinacher von der Universitätsmedizin Greifswald gehen davon aus, dass die Betroffenen im Verlauf der Immunreaktion bestimmte Antikörper bilden. Diese aktivieren die Blutplättchen, was wiederum zu Blutgerinnseln führt.

Liegt es an den Adenoviren?

Vorstellbar sei, dass die Adenoviren die Nebenwirkungen verursachen, sagt Clemens Wendtner, Chefarzt an der München Klinik Schwabing: „Da stellt sich die Frage, ob es hier einen Klasseneffekt gibt.“ Falls sich dieser Verdacht erhärtet, müsste also auch der russische Impfstoff Sputnik V in den Blick rücken, der ebenfalls auf zwei Typen von Adenoviren beruht.

In der EU will man für künftige Bestellungen nun vor allem auf mRNA-Impfstoffe wie die von Biontech und Moderna setzen, wie am Mittwoch bekannt wurde. In den USA scheint sich die Aussetzung nicht auf die US-Impfkampagne auszuwirken. Wie das Weiße Haus mitteilte, haben die USA allein durch die vereinbarten Lieferungen mit den Herstellern Moderna und Biontech/Pfizer genügend Impfstoff für 300 Millionen Menschen. Die USA könnten daher weiter pro Tag rund drei Millionen Menschen impfen.