Berlins neuestes Kraftwerk liegt gut 30 Meter über der Straße und ist etwas größer als zwei Handballfelder. Es sind Solaranlagen auf den Dächern einer elfgeschossigen Wohnanlage in Hohenschönhausen. 1800 Quadratmeter sind es insgesamt, auf denen Sonnenlicht zu Strom gemacht wird. Fast 200.000 Kilowattstunden beträgt die jährliche Ausbeute. Genug, um mehr als 50 Drei-Personen-Haushalte zu versorgen.

Strom wird in Berlin fast nur aus Kohle und Gas gewonnen 

Ein Kraftwerk mitten in Berlin, das ist eigentlich keine Besonderheit, Ökostrom aus Berlin dagegen schon. Tatsächlich gibt es in dieser Stadt mehr als 1000 Kleinst- bis Großkraftwerke. Doch der Anteil erneuerbarer Energien an der hiesigen Stromerzeugung ist gering. Wurden bundesweit im vergangenen Jahr 35 Prozent des erzeugten Stroms aus Wind, Sonne oder Biogas gewonnen, so waren es in Berlin im Jahr 2017 nicht einmal fünf Prozent.

Hier wird Strom fast ausschließlich aus Kohle und Gas gewonnen. Allerdings war es schon mehr. Im Mai 2017 wurde am Kraftwerk Klingenberg in Rummelsburg der letzte Kohlefrachter gelöscht. Seitdem wird dort nicht Braunkohle, sondern Erdgas verstromt. Spätestens 2030 sollen auch in den Vattenfall-Kraftwerken Reuter, Reuter West und Moabit die letzte Ladung Steinkohle verfeuert werden.

Der Ökostrom aus Berlin versorgt die Stadt noch nicht ausreichend 

Dass das technisch möglich ist, hat gerade eine Studie belegt. Berlin könnte den Kohleausstieg also acht Jahre früher vollziehen als Deutschland. Die Turbinen der Kraftwerke werden dann mit Gas betrieben. Auch neue Gas-Kraftwerke sollen gebaut werden. In Marzahn geht solch ein Neubau schon im nächsten Jahr ans Netz.

In Spandau ist ebenfalls ein neues Kraftwerk geplant. Dort, am zwischen Spree und Siemensstadt gelegenen Kraftwerk Reuter, hat Vattenfall gerade einen großen Speicher für Ökostrom in Betrieb genommen. Es ist Deutschlands größter Power-to-Heat-Block. Eine Art Wasserkocher, der Strom in Wärme umwandeln soll, wenn Windräder und Solaranlagen mehr Strom erzeugen, als gerade in der Stadt benötigt wird.

Besonders viel stand dafür bislang aber eben nicht zur Verfügung. Der Ökostrom, der im vergangenen Jahr in Berlin aus Biogas, Sonne und Wind erzeugt wurde, genügte gerade, um den Strombedarf der Berliner für acht Tage zu decken. Doch das soll sich ändern. Nicht mit Windrädern auf dem Mont Klamott oder im Tiergarten, sondern mit Solaranlagen auf den Dächern der Stadt.

Die Berliner Wasserbetriebe versorgen sich selbst mit Strom 

„Solarcity“ heißt ein Masterplan, dessen Machbarkeit gerade vom Fraunhofer Institut für Solare Energiesystem bestätigt wurde. Demnach soll 2050 ein Viertel (!) des in Berlin erzeugten Stroms CO2 -neutral aus Sonnenkraft gewonnen werden, wofür aber auch viel Fläche benötigt wird. Nach heutigem Stand der Photovoltaiktechnologie und -ausbeute wären es etwa 40 Quadratkilometer! Das ist mehr als das Fünffache der Größe des Müggelsees.

Aber der Strom wird gebraucht. Genau wie Wasser. Davon braucht jeder Berliner im Schnitt 115 Liter am Tag. Gewonnen wird es aus Grundwasser, das aus versickertem Spree- und Havelwasser entsteht. Aus über 650 Brunnen wird es zutage gefördert und in neun Wasserwerken aufbereitet. Dafür ist der Strom nötig.

Die Berliner Wasserbetriebe hatten im vorigen Jahr einen Strombedarf von 311 Gigawattstunden. Das entspricht etwa dem Bedarf des Bezirks Lichtenberg oder der Stadt Augsburg. Pumpen und Kläranlagen sind die großen Stromfresser. Allerdings versorgen sich die Wasserbetriebe zu einem großen Teil selbst.

Berlin produziert seit den 90ern kein Gas mehr - das meiste kommt aus Russland 

So wird aus Klärschlamm Biogas gewonnen und in zwölf eigenen Blockheizkraftwerken verstromt. Hinzu kommt Strom aus drei Windrädern und diversen Solaranlagen. Im vergangenen Jahr kamen so 87 Gigawattstunden Strom zusammen. Allerdings nimmt auch bei den Wasserbetrieben der Bedarf zu. Vor allem Arzneimittelrückstände erfordern eine immer aufwendigere Reinigung des Wassers. Der Mehrbedarf wird auf zehn bis 20 Prozent taxiert.

Und Gas? Da sind die Berliner reine Importeure. Seit Ende der 90er-Jahre wird hier kein Gas mehr produziert. Heute kommt es vor allem aus Russland sowie der norwegischen, niederländischen und britischen Nordsee. Dabei ist der Bedarf groß. Im vergangenen Jahr wurden in Berlin täglich etwa 7,57 Millionen Kubikmeter Erdgas verfeuert, wobei Privathaushalte den geringste Teil benötigten. Das Gros verbrauchten Gewerbe, Industrie und Kraftwerke. Aber spätestens 2050 soll auch dieser fossile Brennstoff in Berlin nicht mehr verbrannt werden.