Berlin - In Zentralnamibia leben Geparden auf Farmland und reißen auf Rinderweiden immer wieder Kälber. Deutsche Forscher haben nun die Bewegungsmuster der Raubkatzen analysiert und so einen Weg gefunden, mit dem sich mehr als 80 Prozent der Viehrisse verhindern lassen. Das Team um Jörg Melzheimer vom Berliner Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (IZW) stellt die Ergebnisse im Fachmagazin PNAS vor.

Konflikte zwischen Menschen und Wildtieren seien eine globale Herausforderung, die künftig zunehmen werde, schreiben die Forscher. Dass sich mithilfe der sogenannten Bewegungsökologie – also der Analyse von Tierbewegungen – zumindest manche Probleme deutlich abmildern lassen, zeigt die mehrjährige Studie in Zentralnamibia beispielhaft.

Mit weniger als 7000 Individuen ist der Gepard (Acinonyx jubatus) die seltenste Raubkatze in Afrika. In Zentralnamibia leben die Tiere nicht in Schutzgebieten, sondern auf Farmland, wo Viehzüchter Rinder halten. Andere Raubtiere wie Löwen und Hyänen sind in der Region schon seit Jahrzehnten ausgerottet.

Foto: Leibniz-IZW
Ein Gepard mit gerissenem Kalb.

Immer wieder erlegen Geparden Kälber und ziehen so den Unmut der Farmer auf sich. „Dieser Konflikt ist eine wichtige Ursache für den Rückgang des Geparden-Bestands in Namibia“, sagt der Ökologe Melzheimer. „Daher mussten Lösungen für diesen Konflikt entwickelt werden, die sowohl für die Farmer als auch für die Geparden tragfähig sind.“

In dem Projekt statteten die Forscher zunächst 106 Geparden mit Halsbändern aus, an denen GPS-Sender angebracht waren. Durch Analysen der Koordinaten erkannten sie dann typische Bewegungsmuster der Tiere: Ein Drittel der Männchen hat demnach feste Territorien mit zentralen Arealen an markanten Punkten wie etwa großen Bäumen oder Felsen, die sie mit Duftstoffen markieren.

Andere Männchen ohne feste Reviere, sogenannte Floater, suchen beim Durchstreifen der Gebiete die zentralen Areale häufig auf, um anhand der Duftmarken Informationen über die aktuellen Inhaber zu sammeln. Auch paarungswillige Weibchen besuchen diese Kerngebiete regelmäßig, sodass die Forscher von Kommunikations-Hotspots sprechen.

Den Hotspots ausweichen

Die etwa 25 Quadratkilometer großen Hotspots liegen meist 20 bis 25 Kilometer voneinander entfernt und machen etwa 10 Prozent der Gesamtfläche aus. In den übrigen Gebieten – also 90 Prozent der Fläche – ist das Risiko, dass Kälber gerissen werden, durch die geringere Geparden-Aktivität deutlich reduziert. Ließen Farmer Herden, die Kälber enthielten, in diesen Arealen weiden, sank der Kälberriss um 86 Prozent. 23 von insgesamt 25 teilnehmenden Farmen berichteten von einem Rückgang der Viehverluste.

Auffällig war, dass die Kernbereiche der Gepardenreviere trotz Verlagerung der Weideflächen unverändert blieben. „Wir haben gezeigt, dass die Geparde den Mutterkuhherden nicht folgten, sondern ihr räumliches System von Kommunikations-Hotspots aufrechterhielten“, sagt Melzheimer. „Statt der nun fehlenden Rinderkälber jagten sie natürlich vorkommende Wildtiere in den Hotspot-Gebieten.“ Das bedeute, dass es keine Problem-Geparde gebe, sondern Problem-Gebiete, die ein hohes Risiko für Kälber bedeuten.

Das Verteilungsmuster von Kommunikations-Hotspots gelte wohl auch für andere Geparden-Gebiete, etwa in Ostafrika im Serengeti-Nationalpark und im angrenzenden Masai-Mara-Gebiet in Kenia. Daher könnte die Strategie auch andernorts angewendet werden.

Lösung zur Konfliktminderung

Andere Fleischfresser hätten zwar andere Bewegungsmuster als Geparden, aber dennoch oft bestimmte Vorlieben, schreiben die Forscher. So besuchten Braunbären gerne Uferbereiche. Und Orte, an denen Eurasische Luchse, Wölfe, Dachse, Leoparden und Tüpfelhyänen Duftmarken setzten, würden häufig von Artgenossen besucht.

„Unser Vorgehen unter Berücksichtigung der Bewegungsökologie einer Fleischfresser-Art in enger Zusammenarbeit mit den betroffenen Menschen könnte ein vielversprechendes Gebiet für die künftige Konfliktminderung eröffnen und nachhaltige Lösungen anregen“, schreibt das Team. (dpa/fwt)