Köln - Das Ergebnis einer aktuellen Studie klingt alarmierend: Von Teebeuteln werden demnach Milliarden Partikel Mikroplastik und Nanoplastik in den Tee abgegeben. Das haben Chemieingenieure der McGill University im kanadischen Montreal herausgefunden. Mikroplastik, so werden kleinste Kunststoffteilchen bezeichnet, die maximal fünf Millimeter groß sind. Nanoplastik ist sogar kleiner als 100 Nanometer. Man weiß, dass die Plastikpartikel in Kosmetik vorkommen, in Reinigungsmitteln, Kleidung und sogar in der Nahrung. Doch dass die Mini-Teilchen auch in Teebeuteln stecken können, das war bislang nicht bekannt.

„Ein einziger Teebeutel aus Kunststoff setzt in einer Tasse Teewasser bei 95 Grad rund 11,6 Milliarden Partikel Mikroplastik und 3,1 Milliarden Teilchen Nanoplastik frei“, fanden die Wissenschaftler heraus. Insgesamt sind das 16 Mikrogramm Plastik. Eine derartige Menge ist erschreckend und deutlich höher als zuletzt in Mineralwasser oder Fleur de Sel nachgewiesen. Zum Vergleich: In Mineralwasser aus herkömmlichen Mehrwegflaschen fand man im Schnitt 120 Partikel Mikroplastik – und das pro Liter.

Teebeutel in Deutschland oft plastikfrei 

Doch es gibt Grund zur Entwarnung für deutsche Verbraucher: Untersucht haben die Wissenschaftler Teebeutel aus den Kunststoffen Polyethylen-Terephthalat (PET) und Nylon. Hierzulande kann man die Studienergebnisse daher ein wenig gelassener sehen.

Denn die meisten Teebeutel, die man in Deutschland im Handel kaufen kann, bestehen überwiegend aus Papier und anderen Pflanzenfasern, wie die Neue Zürcher Zeitung (NZZ) erklärt. Lediglich in geringem Maß werde ihnen Kunststoff beigemischt, um sie nässeresistent zu machen. Die klassische Zweikammerform mit Schnur und Etikett wird außerdem genäht, was ohne Plastik möglich ist. Die gängigen Teebeutel sind also nicht betroffen.

Teurer Premium-Tee betroffen

Allerdings werden auch hier Tees in bedenklichen Beuteln verkauft – und zwar vor allem teurere und hochwertigere Premium-Marken. Überwiegend handelt es sich um Teebeutel in der typischen Pyramidenform. In Kanada bestehen diese aus Nylon, in Europa aus dem Bio-Kunststoff PLA, so die NZZ. Dass dieser ebenfalls Mikroplastik abgebe, sei nicht geklärt, da keine Teebeutel aus diesem Stoff untersucht wurden.

Auch die in Großbritannien gängigen runden oder eckigen Beutel ohne Schnur sind nicht unbedenklich. Sie werden am Rand mit einer Kunststoffnaht verklebt, die im Kompost nicht abbaubar ist. Auch diese Teebeutel wurden nicht untersucht, man findet sie aber gelegentlich im deutschen Handel.

Jeder Mensch hat Mikroplastik im Körper

Wer gerne Tee trinkt oder verschenkt, sollte also nicht auf teure Premium-Marken oder den guten englischen Tee setzen. Stattdessen kann man sich ruhig an den herkömmlichen Tee im Zweikammerbeutel halten oder direkt lose Blattmischungen kaufen statt Tee in Beuteln. Als Geschenk tut es auch Tee in einer schönen Packung oder Dose.

Jeder Mensch nimmt wöchentlich bis zu fünf Gramm Mikroplastik im Körper auf, etwa so viel wie eine Kreditkarte, erklärt der WWF. Das sind rund 250 Gramm im Jahr. Mikroplastik verschmutze Flüsse, Seen und Meere und sei auch im Boden und in der Luft nachgewiesen. Aufgenommen werde es zum Beispiel über die Nahrung, das Wasser oder die Luft. Was das Plastik im Körper auslöst und welche Folgen es für die Gesundheit hat, sei jedoch noch nicht geklärt.