Pittsburgh - Auch Rhesusaffen kämpfen mit Versagensängsten. Steht in Experimenten ein außergewöhnlich großer Leckerbissen auf dem Spiel, flattern den Tieren die Nerven und sie machen Fehler, berichten Wissenschaftler im Fachjournal PNAS. Dies deute darauf hin, dass dem Verhalten bei Menschen und Affen möglicherweise ähnliche neuronale Mechanismen zugrunde liegen, so die Forscher.

Im Sport hängt der Erfolg von einem einzigen Moment ab, wie man jüngst wieder bei Olympia sehen konnte. Jahrelang hat man trainiert, ist von einem Sieg zum anderen gestiegen – und dann verhindert ein einziger Patzer die Olympiamedaille. Bei diesem Phänomen lässt sich das Verhältnis zwischen Leistung und Anreiz als umgekehrte U-Form darstellen: Das bedeutet, dass die Leistung mit zunehmender Belohnung ansteigt – allerdings nur bis zu einem gewissen Punkt.

Paradoxerweise nimmt die Leistung nämlich bei außergewöhnlich hohen Belohnungen wieder ab, also genau dann, wenn sie eigentlich am wichtigsten wäre. Psychologisch werden sozialer Druck, Verlustaversion, ablenkende Gedanken über mögliche Gewinne, Übererregung und explizite Leistungsbeobachtung als mögliche Ursachen diskutiert.

Beim Menschen wurde dieses auch Versagens- oder Prüfungsangst genannte Verhalten bereits breit erforscht. Nun haben es US-Forscher der Carnegie Mellon University und der University of Pittsburgh auch bei Experimenten mit Rhesusaffen (Macaca mulatta) nachgewiesen. Die Wissenschaftler trainierten drei Primaten darauf, einen Cursor auf einem Bildschirm per Handbewegung zu steuern. Dieser Cursor zeigte in den Versuchen durch seine Form oder seine Farbe zunächst an, ob den Tieren eine kleine, mittlere, große oder gar eine „Jackpot“-Belohnung in Form einer Leckerei winkte.

Die Affen mussten den Cursor dann mit einer bestimmten Geschwindigkeit und einer vorgegebenen Genauigkeit zu einem Ziel bewegen, das zuvor aufgeblinkt war, und ihn dort für eine bestimmte Zeit halten. Tatsächlich versagten alle drei Affen unter Druck: Während ihre Leistung sich zunächst mit der Größe der potenziellen Belohnung verbesserte, wurde sie beim Sprung von der großen zur „Jackpot“-Leckerei um zehn bis 25 Prozent schlechter – und das über den gesamten Studienzeitraum von einem Monat hinweg.

Eine Beobachtung, die zu den Erfahrungen aus der Sportwelt passt, schreiben die Autoren: „Selbst nach jahrelangem Training und Erfahrung, unter Druck können Profisportler Versagensangst an den Tag legen, was bedeutet, dass diese nicht durch intensives Training überwunden werden kann.“ Ebenso wenig machte es in den Versuchen einen Unterschied, ob diese früh oder spät am Tag stattfanden.

Die Konsistenz des Versagens unter Druck lege nahe, dass dieses ein erlerntes Phänomen werden könne, ähnlich einer schlechten Angewohnheit: „Eine solche Perspektive könnte bei der Entwicklung von Trainingsplänen hilfreich sein, die Profisportlern und anderen Personen dabei helfen könnten, unter Druck weniger anfällig für Versagensangst zu werden“, heißt es dazu in der Studie.

Insgesamt stellten die Forscher fest, dass die Tiere bei kleinen in Aussicht gestellten Belohnungen häufiger aufgrund mangelnder Präzision versagten, bei den „Jackpots“ hingegen, weil sie zu vorsichtig agierten. Zusammen ergaben die Experimente so genau die beschriebene umgekehrte U-Form. Die optimale Leistung erreichten die Affen bei großen Belohnungen. Für die Wissenschaftler eröffnet die Arbeit die Möglichkeit, im Tiermodell zu erforschen, welche neuronalen Mechanismen bei der Versagensangst wirken und das paradoxe Verhalten künftig besser erklären zu können.