Köln - Verkehrsunfälle, Herz- und Kreislauferkrankungen und Krebs: Diese Erkrankungen werden direkt oder indirekt mit Alkohol in Verbindung gebracht. Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) ging 2016 jeder 20. Todesfall weltweit darauf zurück. Wie schädlich Alkohol für unsere Gesundheit sein kann, ist eigentlich bekannt. Und dennoch wird immer mehr getrunken. Das zeigt auch eine aktuelle Studie. 

Die Auswertung von Daten aus 189 Ländern im Fachblatt „The Lancet“ ergab, dass der Alkoholkonsum der Weltbevölkerung von 1990 bis 2017 um 70 Prozent gestiegen ist. Ursache waren der Bevölkerungszuwachs und der stärkere Konsum pro Kopf. In Deutschland beobachteten die Wissenschaftler eine Stagnation mit leicht sinkendem Trend. Auch bei uns geht der hohe Alkoholkonsum also nicht wesentlich zurück, obwohl es bereits viel Aufklärung über die Risiken gibt.

„Alkohol wird einer der Hauptrisikofaktoren für vorhersehbare Krankheiten bleiben und seine Auswirkungen werden sich wahrscheinlich relativ zu anderen Risikofaktoren erhöhen“, erklärt etwa Jakob Manthey vom Institut für Klinische Psychologie und Psychotherapie (IKPP) der TU Dresden in einer zur Studie veröffentlichten Mitteilung.

Kann man Alkohol trinken, ohne der Gesundheit zu schaden?

Eigentlich nicht. Alkoholkonsum ganz ohne gesundheitliche Risiken gibt es nicht. Schon geringe Mengen lassen das Krebsrisiko und den Bluthochdruck ansteigen.

Wie viel Alkohol pro Woche ist unbedenklich?

Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung gibt die Grenzwerte für risikoarmen Alkoholkonsum wie folgt an: Frauen sollten maximal eine Alkoholeinheit am Tag trinken (das entspricht 0,3 Liter Bier oder 0,1 Liter Wein), Männer zwei solcher Einheiten. An jeweils zwei Tagen in der Woche sollte Alkohol außerdem ganz tabu sein. 

Wer Alkohol über der als risikoarm eingestuften Menge trinkt, lebt gefährlich. „Selbst diejenigen, die noch keine gesundheitlichen Beeinträchtigungen spüren, haben dennoch ein erhöhtes Risiko für Bluthochdruck oder Krebserkrankungen“, warnt Heidrun Thaiss, Leiterin der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA). Da Alkohol in der Leber abgebaut wird, besteht die Gefahr, an Fettleber und Leberzirrhose zu erkranken. Speiseröhrenkrebs oder eine Entzündung der Bauchspeicheldrüse könnten weiter mögliche Folgen sein.

Ist ein regelmäßiges Feierabendbier schon bedenklich?

Was tun, wenn der  Tag stressig war, der Kopf dröhnt – und man sich am liebsten mit einem Feierabendbier belohnen würde? Ist das noch ein harmloses Ritual oder schon der Beginn einer gefährlichen Abhängigkeit? „Das Feierabendbier aus Gewohnheit ist schon im Graubereich der Alkoholsucht“, sagt Christa Roth-Sackenheim, Vorsitzende des Berufsverbands Deutscher Psychiater. „Wenn man selbst glaubt, darauf nicht verzichten zu können, ist das schon eine psychische Abhängigkeit.“

Was hilft mir auf das Feierabendbier-Ritual zu verzichten?

Die Expertin rät, die liebgewonnene Gewohnheit nicht einfach wegfallen zu lassen, sondern sie durch andere Rituale zu ersetzen: „Vielleicht erziele ich die gleiche Wirkung ja auch mit zehn Minuten Yoga oder Spazierengehen, oder einfach mit einer Dusche.“

Weiter jeden Abend Bier zu trinken, ist aus zwei Gründen gefährlich. Erstens, weil auf die erste Stufe der Sucht oft die zweite folgt – zumindest bei Menschen mit entsprechender Veranlagung. „Da passiert es dann schnell, dass man die Dosis erhöhen muss, um noch die gleiche Wirkung zu erzielen“, sagt Roth-Sackenheim.

Und zweitens ist Alkohol ein Gift, auch in kleinen Dosen – mit vielen negativen Folgen, die noch gar nicht alle erforscht sind. So leiden zum Beispiel die Hautbeschaffenheit, die Schlafqualität und der Stoffwechsel, erklärt die Expertin. (sar / mit dpa)