Taubheit, Lallen: Hirntumor-Patienten erzählen, welche Symptome sie übersehen haben

Jährlich erkranken rund 7000 Deutsche an einem Hirntumor. Treten erste Beschwerden auf, vermuten die wenigsten Betroffenen dahinter eine Krebserkrankung. Das verdeutlicht eine Untersuchung britischer Forscher. Der zufolge hatte kaum ein Hirntumor-Patient seine ersten Symptome ernst genommen.

Wenn die Sicht plötzlich verschwimmt oder die Konzentration nachlässt, steckt selten eine ernste Erkrankung dahinter. Oft sind harmlosere Gründe wie Stress oder schlechter Schlaf verantwortlich. Verständlich, dass viele Hirntumor-Patienten die ersten Anzeichen ihrer Krankheit ignorieren. Denn ein Tumor im Gehirn kann sich im Anfangsstadium genau in solchen, vermeintlich gefahrlosen Beschwerden äußern.

Forscher aus Großbritannien haben 39 Briten interviewt, die kurz zuvor die Diagnose Hirntumor erhalten hatten. Ihre Frage an die Patienten: Welche körperlichen Veränderungen hatten Sie zuerst bemerkt, aber damals noch nicht ernst genommen? 

Wie äußerte sich die Krankheit zu Beginn?

Bei der Auswertung der Interviews fiel auf: Vor der Diagnose hatten die meisten Befragten ihre Beschwerden als harmlos abgetan und verschiedenste Gründe dafür gefunden. Stress bei der Arbeit oder das zunehmende Alter der Betroffenen dienten häufig als logische Erklärung. Ein Patient erzählte, er hätte „sich albern gefühlt“, mit einem Arzt über seine vermeintlichen Wehwehchen zu sprechen.

In den meisten Fällen hatten schließlich Gespräche mit Freunden, Kollegen oder Familienmitgliedern dazu beigetragen, dass Patienten doch noch einen Arzt aufgesucht hatten. Bei den Interviews mit den britischen Forschern waren teilweise auch Familienangehörige anwesend.

Patienten berichten: „Meine Sicht verschwamm“

Um die Anonymität der Patienten zu wahren, haben die Forscher die Zitate ohne Namen veröffentlicht und sie ausschließlich einem Geschlecht und einer groben Altersgruppe zugeordnet. Die gesamte Studie finden Sie hier.

Anzeichen machten Patienten erst nicht stutzig

Ein Patient berichtete, wieso ihn zunächst keines der Warnsignale stutzig machte: „Man bemerkt all die Symptome, die mit einem Hirntumor zusammenhängen könnten, die aber auch auf alles mögliche andere hindeuten könnten.“

Die Ehefrau eines Befragten sagte: „Wir fanden immer irgendeine Erklärung dafür, wieso er sich so verhielt, wie er es tat, also haben wir nie etwas hinterfragt“.

Eine Früherkennung gibt es für Hirntumoren bislang nicht. Meist gehen Patienten irgendwann aufgrund anhaltender oder stärker werdender Beschwerden zum Arzt und finden dann heraus, dass sie an einem Hirntumor leiden. Dieser kann sowohl gutartig als auch bösartig sein.

 Dieser Artikel erschien zuerst bei FOCUS Online