Früh übt sich: Die zehnjährige Melina Gardt aus Rheinland-Pfalz beim Reittraining mit dem Steckenpferd. 
Foto: dpa/Tina Gardt

Damals dachten wir, das kann nicht wahr sein – und wenn doch, dann wird es sich nicht lange halten. Wie gesagt: damals, das war im Jahre 2017, der Film „Hobbyhorse Revolution“ war gerade erschienen und zeigte uns Mädchen aus Finnland beim Steckenpferdreiten. Schnell war von einem „neuen Trend“ die Rede, konkret von einer den Zusammenhalt fördernden Sportart mit Gymnastikelementen, bei der Bewegungsabläufe ähnlich wie beim Spring- oder Dressurreiten in einem Parcours nachgestellt werden, ohne dass echte, also lebendige Pferde zum Einsatz kommen. Vielleicht eine gut gemeinte, da tierschutzgerechte Idee, dachten wir, schließlich schleppen, Pardon: reiten die Mädchen nur ein aus Stoff und Holz gebasteltes Steckenpferd.

Und jetzt das: Aus dem rheinland-pfälzischen Ort Udenheim erreicht uns aktuell das Foto von einem Mädchen, das im Garten dem Hobby Horsing nachgeht, einer „neue Trendsportart aus Finnland“, wie die Agentur schreibt, die „auch in Deutschland immer mehr begeisterte Anhänger“ finde. Da ist er schon wieder, der neue Trend … Okay, ertappt, wir geben zu, nicht das Gras wachsen zu hören, geschweige denn Trends – sie mögen kommen und gehen – verlässlich aufspüren zu können. Nun, pflichtschuldig merken wir an, dass an diesem Sonnabend eigentlich die weltweit größten Meisterschaften im Hobby Horsing im westfinnischen Seinäjoki gestartet wären. Wir betonen „wären“, denn coronabedingt fällt die Stockreiter-Sause aus und wurde auf den Sommer 2021 verschoben.

Sollte sich jemand bei dem Gedanken ertappen, das Hobby Horsing für eine merkwürdige Ersatzveranstaltung zu halten, bei der es nicht um echte, wirkliche, lebendige Tier geht, dem möchten wir die klugen Worte von Fred Sundwall erinnern, Generalsekretär des finnischen Reiterverbandes: „Wir finden es einfach wunderbar, dass Hobby Horsing so populär geworden ist. Es gibt den Kindern, die keine Pferde haben, die Chance, mit ihnen auch außerhalb von Ställen und Reitschulen zu interagieren.“ Sundwalls nicht nur reit-, sondern auch sozialpolitische Überlegung ist durchaus bedenkenswert. Und wer weiß, vielleicht probiert die zehnjährige Melina auf unserem Foto ja demnächst ein lebendiges Pferd.

Zu guter Letzt beunruhigen wir uns eigentlich nur bei der Frage, warum sich vorwiegend Mädchen und kaum Jungen für das Hobby Horsing interessieren.