Ein australischer Nachtsittich kauert auf dem Boden – in ungewohnt heller Umgebung.
Foto: dpa/Steve Murphy/Charles Darwin University

BerlinEs muss sein, heute mal wieder ein Beitrag zum Thema: Die Wissenschaft hat festgestellt – und dann? Es geht um den australischen Nachtsittich, neben dem neuseeländischen Kakapo-Papagei die einzige nachtaktive Papageienart. Die Biologin Vera Weisbecker hat in dem Fachjournal „Scientific Reports“ einen Bericht veröffentlicht, wonach das visuelle System der stark gefährdeten Papageien gar nicht so gut an das Leben in der Dunkelheit angepasst sei, wie man das von einem nachtaktiven Vogel erwarten würde.

Weisbecker und ihr Team an der australischen Flinders University hatten den Schädel eines toten Nachtsittichs per Computertomographie untersucht, 3D-Rekonstruktionen mit denen anderer Papageienarten verglichen und bei der Größe der zuständigen Hirnregionen keine signifikanten Unterschiede festgestellt. Daraus schlossen die Wissenschaftler, dass der gelblich-grüne Vogel nachts wohl gar nicht viel besser sehen kann als seine tagaktiven Verwandten. Okay, aber was folgt aus dieser Erkenntnis?

Ein CT-Scan des Schädels eines australischen Nachtsittichs.
Foto: dpa/Rachel Murphy

Eine ganz praktische Konsequenz erwähnt Weisbecker selbst, sie befürchtet, dass Zäune im Outback „eine negative Auswirkung“ für Nachtsittiche haben. So weit so klar. Da die Vögel aber nachts Futter finden sowie Hindernissen und Feinden ausweichen müssen, stellt sich nun dringender denn je die Frage, wie sie das tun. Stolpern und holpern sie durch die Gegend? Verfügen sie über einen hervorragenden Tast- und, sehr viel mehr noch, einen ausgezeichneten Sehsinn? Frau Weisbecker, übernehmen Sie!