Baden-Württemberg, Montagmorgen: Eine Kohlmeise hält eine Raupe im Schnabel.
Foto: dpa/Silas Stein

Unglaublich, aber wahr: Heute wollten wir Ihnen eigentlich die bizarr-bezaubernden Bilder der Raupe des Wolfsmilch-Ringelspinners vorstellen. Wir sind immer noch ganz benommen von deren Schönheit … Aber gut, dann kam uns die Kohlmeise in die Quere: Unser Foto zeigt die kecke Sangeskünstlerin mit einer, nun ja, Raupe im Schnabel – keine Frage, ein echter, allemal saftiger Leckerschmecker. Und wenn wir schon mal dabei sind: Parus major ist in unseren Breiten die häufigste und größte Meise; sie sammelt für ihre unfassbare hungrige Brut unzählige Blattläuse, Raupen und Spinnen von Blättern und Zweige – und leistet so auch einen wichtigen Beitrag bei der biologischen Schädlingsbekämpfung.

Nun müssen wir an dieser Stelle schnell noch versichern, dass bei unserem Foto kein Wolfsmilch-Ringelspinner zu Schaden gekommen ist, sondern, wie wir vermuten, der Nachwuchs des Kleinen Frostspanners (Operophtera brumata). Die Raupe des Wolfsmilch-Ringelspinners – wohlgemerkt, eines Spinners, keines Spanners – hätte nämlich etwas festlicher ausgesehen und auch deutlich haariger, wie wir dann noch festhalten möchten. So, und weil es so schön ist, erwähnen wir jetzt noch schnell, dass er seinen Namen der  Vorliebe für die Blätter der Zypressen-Wolfsmilch verdankt. Malacosoma castrensis, so der wissenschaftliche Name, ist vor allem in Frankreich und Italien verbreitet.

Die Raupe des Wolfsmilch-Ringelspinners beim Fressen – am Montag, irgendwo in Frankreich.
Foto:  Imago Images

Bleiben uns bei unserem kleinen Raupen-Feuilleton nur noch zwei Dinge anzumerken. 1. Die Zypressen-Wolfsmilch (Euphorbia cyparissias) heißt so, weil ihr vorhandener Milchsaft (Latex) stark toxisch ist und stark irritierend auf der Haut – der deutsche Name Wolfsmilch (früher auch „Wolfskrautmilch“) erinnert an den „beißenden“ Milchsaft der Pflanzen. 2. Der Wolfsmilch-Ringelspinner wird von der Internationalen Union zur Bewahrung der Natur als gefährdet eingestuft und steht somit auf der Roten Liste gefährdeter Arten.