Sardinen, wohin man schaut: Ein Taucher in einem Schwarm.
Foto: dpa/Ryan Daly/Ugu South Coast Tourism

Das Meer kocht, ein welteinmaliges Naturschauspiel: der „Sardine Run“ von Südafrika. Zurzeit führen die winterlichen Temperaturen der Südhalbkugel vor der Hafenstadt Durban zu einer wild-turbulenten Ansammlung der silbrig glänzenden Speisefische (Sardina pilchardus) und wecken dort große Begehrlichkeiten: Für Haie, Delfine oder auch Albatrosse tut sich hier ein schier endloses Büfett auf. Beim „Sardinenlauf“ fliehen die flinken Silberlinge in ihren dichten, abrupt die Richtung wechselnden Schwärmen vor den Räubern – zu Hunderttausenden strömen sie gen Strand und landen dort in den Netzen und Eimern der örtlichen Bevölkerung. Was für ein schnödes Ende nach diesem irren Lauf!

Auch Tierfilmer aus aller Welt lassen sich das Spektakel nicht entgehen, das Geschehen ist also bestens dokumentiert. Der natürliche Grund für das Schauspiel liegt darin, dass der an Sauerstoff und Plankton reiche Benguelastrom aus dem Atlantik in einem schmalen Band kaltes Wasser in den Küstenbereich des wärmeren Indischen Ozeans drückt. Diesem Wasserpfad entlang ziehen nun auch die Sardinen zu Millionen – das ist die größte Tierwanderung, die es auf unserem Planeten gibt. Dabei legen die zur Ordnung der Heringsartigen gehörenden Fische eine Strecke von knapp 1000 Kilometern zurück, erst die Küste Südafrikas entlang, um dann vor KwaZulu-Natal und Mosambik zu laichen.

Beim „Sardine Run“ ist immer noch vieles ungeklärt. Forscher vermuten, dass die Wassertemperatur unter 21 Grad Celsius fallen muss, damit die Migration überhaupt stattfinden kann. Auch muss ein gewisser Verfolgungsdruck durch die Fressfeinde bestehen. Untersuchungen vor der Küste von KwaZulu-Natal – einer Provinz an der Ostküste Südafrikas – lassen darauf schließen, dass Sardinen mehrere Monate dort bleiben und ihre Rückwanderung im Spätwinter zum Frühling fast immer unbemerkt bleibt, da sie wahrscheinlich in größeren Tiefen erfolgt, in denen das Wasser kühler als an der Oberfläche ist. Die Sardinen verschwinden nach dem brodelnden Spektakel im Juli also leise, still und klammheimlich.