Berlin/Hannover - Wenn es um Tiere geht, zeigen Polizei, Feuerwehr und deren Pressestellen gern Humor. Die Meldungen zu versuchten, abgebrochenen, wieder aufgenommenen und erfolgreich abgeschlossenen Tierrettungen leben von der Widerspenstigkeit ihrer Protagonisten, die nun mal ihren eigenen Kopf haben und auch nicht wegen Widerstandes gegen die Staatsgewalt belangt werden können. Und so sorgte auch die Berliner Polizei kürzlich für einen Lacher auf Twitter: „Schwan gehabt“, schrieben die Beamten, nachdem sie einen jungen Schwan aus dem Landwehrkanal gerettet hatten. 

Der Vogel hatte sich im Eis verletzt, wurde mit einem Lasso gerettet und in eine Klinik gebracht. Der dazugehörige Post kam im Internet so gut an, dass er auf Wiedervorlage gesetzt wurde: Als vor einer Woche auf der A115, Höhe Spanische Allee, ein verirrter Schwan in sein Unglück zu watscheln drohte, sammelten ihn die Kollegen von der Autobahnpolizei ein und brachten ihn zurück in seine natürliche Umgebung am Nikolassee. Die Polizei Berlin twitterte dazu, natürlich: „Noch mal Schwan gehabt!“

Tierrettungen bedeuten immer auch gewisse Unwägbarkeiten. Wer etwa eine Fledermaus einfangen will, der muss vor allem eines beachten: Sie sollte nicht fliegen. Denn eine fliegende Fledermaus einzufangen ist nahezu unmöglich und bedeutet auch ein erhebliches Verletzungsrisiko für das Tier. Was also sollte Polizeioberkommissar Alexander Schmitz tun? Sein Problem: In ein Patientenzimmer eines Krankenhauses in Hannover hatte sich eine Fledermaus vor der Kälte des jüngsten Wintereinbruchs gerettet – die sollte er einfangen. 

Schließlich habe sich das Tier hinter einem Heizungsrohr verkrochen, berichtet der 34-Jährige vom Kommissariat Nordstadt in Hannover. Man könne sie nicht mit Lederhandschuhen anfassen, die Tiere reagierten darauf aggressiv, sei er gewarnt worden. Er habe das Tier anlocken, packen und in eine Schachtel mit Luftlöchern stecken können. Bei der Tierschutzorganisation BUND bleibt es bis zum Frühjahr, dann wird es ausgewildert. Es sei schön, wenn man Tieren helfen kann, sagt Schmitz. „Ein Tier gibt einem immer etwas zurück.“ Im Fall der Fledermaus sicher nicht so leicht erkennbar. Hunde hingegen seien dankbar, wenn sie sich an jemanden „anlehnen“ könnten.

Foto: dpa/Feuerwehr Flintsbach a.Inn
Spektakulärer Einsatz im bayerischen Oberaudorf: Eine junge Kuh steht auf dem Baugerüst an einer Brücke.

Immer wieder müssen Einsatzkräfte ausrücken, weil sich Tiere auf Gleise oder Autobahnen verirren – oder eben in ein Krankenhaus. Eine Kuh auf einem meterhohen Brücken-Baugerüst sorgte im Mai 2018 im oberbayerischen Oberaudorf für Aufsehen. Zwei Dutzend Menschen halfen bei der Bergung. Im selben Jahr gab es einen Einsatz bei Gummersbach, nachdem eine Kuh von ihrer Weide ausgebüxt war. Sie trabte einen Hang hinunter, auf das Wellblechdach einer Veranstaltungshalle – und brach ein. Anderswo gab es: einen adipösen Igel im Abwasserrohr, einen Bussard, der in eiskaltem Wasser um sein Leben rang, oder eine Ente, die mit vier Küken über die A45 bei Dortmund watschelte. Die Polizei fing die Küken per Kescher.

Tierrettung wird statistisch eher selten erfasst

Unklar ist, wie viele Tierrettungen Verkehrsbehinderungen verursachen. Die Innenministerien der Länder führen zwar Statistiken, aber „Tierrettung“ gibt es als Sparte häufig nicht. „Jeder Einsatz, bei dem ein Tier eine Rolle spielt, wird unter dem Stichwort ‚Tier‘ erfasst“, sagt etwa ein Sprecher des Innenministeriums in Nordrhein-Westfalen. „Das kann aber zum Beispiel auch nur ein Tierkadaver sein.“

Der Deutsche Feuerwehrverband vermeldete in seiner Statistik vor zwei Jahren immerhin 40.974 Einsätze in der Rubrik „Tiere/Insekten“ – ohne allerdings die Art der Einsätze auszuweisen. Die Deutsche Bahn führt ebenfalls keine gesonderte Statistik über Tierrettungsversuche entlang der Gleise. Angaben zu Kosten und Schäden sind einer Bahnsprecherin zufolge daher nicht möglich. Auch die Polizei Hannover erfasst diese Einsätze statistisch nicht.

Mit einem echten tierischen Notfall hatte es Torsten Schrader, Polizeibeamter im hannoverschen Stadtteil Lahe, zu tun. Bei einer Verkehrskontrolle fand er kurz vor Weihnachten 2018 in einem Lieferwagen 50 Tauben und acht Hundewelpen, offensichtlich für den illegalen Handel bestimmt. Ihm sei klar gewesen, dass etwas nicht stimme. Eine Tierärztin habe ihm bestätigt, dass die Hundebabys viel zu jung seien, um verkauft zu werden. Die Welpen wurden einem Tierheim übergeben. „So hat man den Tieren vielleicht Leid erspart“, sagt der 46-Jährige.

Denn Welpenhandel ist ein Problem: In Tierheimen gebe es „so gut wie keine Hunde und Katzen mehr“, sagt Schrader. In der Corona-Pandemie sind Haustiere ganz besonders gefragt. Das lockt unseriöse Züchter und Händler an. Der illegale Tierhandel blüht denn laut Tierschutzbund in Deutschland auch. Nach Angaben der Tierärztin würden die Welpen für Summen zwischen 800 und 1000 Euro gehandelt, so der Beamte. Die illegalen Händler seien daher „nicht froh“ gewesen, als sie die Hunde abgeben mussten.

Auf Social-Media-Kanälen sind Tierrettungen sehr beliebt

Auf Social-Media-Kanälen hingegen kommen Meldungen von Tierrettungsaktionen gut an, bestätigen Polizei und Feuerwehr. Vereinzelt beschwerten sich Autofahrer, wenn etwa der Grund von Sperrungen nicht nachvollziehbar sei. „Da gab es schon die Annahme einzelner Verkehrsteilnehmer, die Polizei staue zum Vergnügen den Verkehr auf“, sagt eine Sprecherin der Autobahnpolizei Thüringen.

Das glückliche Ende der Jagd auf die Fledermaus in Hannover brachte überwiegend positive Rückmeldungen. „Viele sind tierlieb, zu denen zähle ich mich auch“, sagt Polizeioberkommissar Schmitz. Die Polizei werde so tatsächlich als Helfer gesehen. Er habe nur Angst gehabt, die zarten Flügel zu verletzen – oder dass die Fledermaus zubeißt, so der 34-Jährige. „Hat sie aber nicht gemacht.“ Schrader wiederum hat gemischte Gefühle angesichts der meist positiven Reaktionen: Ist es wichtiger, sich um Tiere zu kümmern als um Menschen? Er hat das Gefühl, Tierrettungen kämen besser an.

Foto: Imago/Sebastian Peters
Das stinkt zum Himmel: Die Freiwillige Feuerwehr im niedersächsischen Elstorf holte im letzten Juni Entenküken aus dem Güllesilo.

Zuständig für die Rettung von Tieren sei in der Regel die Feuerwehr, so der Deutsche Feuerwehrverband. Nach Angaben einer Sprecherin des bayerischen Innenministeriums rücken die dortigen Feuerwehren jährlich rund 4000-mal zu Einsätzen im Zusammenhang mit Tieren aus.

Im August sorgte etwa die Münchner Feuerwehr wegen eines Karpfens für Schlagzeilen: Der Fisch war nur zum Teil mit Wasser bedeckt, in einem Bottich wurde er zur Feuerwache gebracht. Der „betagte Graskarpfen“ fand schließlich eine neue Heimat im hauseigenen Zierteich der Wache. Ausgenommen von der Hilfsbereitschaft seien nur: Löwen und Tiger. (mit dpa)