Berlin - In den Käfigbatterien europäischer Pelzfarmen leiden und sterben etwa 100 Millionen Tiere im Jahr, vor allem Füchse, Nerze, Marderhunde und Chinchillas. Laut Deutschem Tierschutzbund verursacht die beengte Käfighaltung aber nicht nur immenses Tierleid, sondern birgt auch ein hohes Krankheitsrisiko. Dabei hätten sich vor allem die Nerze als hoch empfänglich für das Coronavirus erwiesen: Auf mehr als 400 Farmen in Ländern der Europäischen Union seien bislang Covid-19-Ausbrüche bekannt geworden. Dabei sollen nach den Angaben der Tierschützer über 17 Millionen der Tiere aus hygienischen Gründen getötet worden sein. Ein hoher Blutzoll für die Pelz- und Modeindustrie.

Pelzfarmen bieten ideale Bedingungen für die Coronaviren

Laut einer Aufstellung der Organisation wurde Sars-CoV-2 in Dänemark auf 290 Nerzfarmen nachgewiesen, in den Niederlanden waren es 69 und in Schweden 13. In Griechenland habe es in 22 von 91 Nerzfarmen positive Testungen gegeben. Weitere Nachweise gab es laut Tierschutzbund in Italien, Litauen, Polen, Spanien, Frankreich und Lettland. Die Tierschutz-Organisation fordert ein Verbot der Zucht und Haltung von Pelztieren. Sie verweist dabei auch auf die Corona-Pandemie: Die beengten Platzverhältnisse, allseitig offenen Käfige, mangelnde Hygiene, Stress, Verletzungen und Krankheiten schaffen in Pelzfarmen ideale Bedingungen sowohl für die Übertragung als auch die Mutation von Viren.

AFP/Morten Stricker
Großaufwand: In Dänemark wurden rund 15 Millionen Nerze erst getötet und vergraben und die Tierkadaver dann mitsamt des verseuchten Erdreichs wieder ausgegraben.

Als Reaktion auf die Coronavirus-Pandemie hatte Dänemark alle Nerze in den Nerzzuchtbetrieben des Landes töten lassen. Zur Begründung hieß es, das Coronavirus in den Tieren sei mutiert und habe sich auf den Menschen übertragen. Das kostspielige Problem: Zwar wurden rund 15 Millionen Nerze gekeult und vergraben, doch weil eine Verseuchung des Grundwassers drohte, musste man mittlerweile etliche Kadaver wieder ausgraben – sie sollen jetzt verbrannt werden. Dergleichen Ärger drohen in Deutschland derzeit nicht. Laut Tierschutzbund gibt er hier keine Nerzfarmen. Sie seien zwar nicht verboten, aber wegen der strengen Haltungsvorgaben kein lukratives Geschäft.

Drosten: „Plausibelste Quelle für Corona ist Chinas Pelzindustrie“

Dass mit Pelztierfarmen ein erhebliches Pandemierisiko einhergeht, hat unterdessen auch Christian Drosten bestätigt. Unter den verschiedenen Hypothesen zur Herkunft von Sars-CoV-2 sieht der Berliner Virologe den Weg über die Pelzindustrie als plausibelste an. „Ich habe dafür keinerlei Belege, außer die klar belegte Herkunft von Sars-1, und das hier ist ein Virus der gleichen Spezies. Viren der gleichen Spezies machen die gleichen Sachen und haben häufig die gleiche Herkunft“, sagte Drosten in einem Interview mit dem Schweizer Online-Magazin Republik. Beim ersten Sars-Virus seien die Übergangswirte Marderhunde und Schleichkatzen gewesen, sagte Drosten weiter. „Das ist gesichert.“

In China würden Marderhunde nach wie vor in großem Stil in der Pelzindustrie verwendet. Dabei würden immer wieder auch wilde Marderhunde in die Zuchtbetriebe gebracht, die zuvor Fledermäuse – die als wahrscheinlichster Ursprung von Sars-CoV-2 gelten – gefressen haben können. „Marderhunden und Schleichkatzen wird lebendig das Fell über die Ohren gezogen“, erklärte der Charité-Virologe. „Die stoßen Todesschreie aus und brüllen, und dabei kommen Aerosole zustande. Dabei kann sich dann der Mensch mit dem Virus anstecken.“ (mit dpa)