Sein Image wird immer schlechter: Zucker hat wahrlich keinen guten Ruf. Aber muss man deshalb gleich ganz auf ihn verzichten? Fernsehkoch Tim Mälzer ging im Lebensmittel-Check in der ARD der Frage nach, wie viel Zucker eigentlich noch gut für uns ist und wie viel davon wir täglich tatsächlich zu uns nehmen.

Dabei kam der TV-Koch mithilfe eines Experiments zu erstaunlichen Erkenntnissen: Er gönnte sich über einen Tag verteilt nur drei Mahlzeiten mit Getränk: morgens Müsli und einen Fertig-Capuccino, mittags eine Pizza mit Smoothie und abends ein Vollkornbrot mit Lachs und Multivitaminsaft. Nachtisch und Süßigkeiten waren tabu. Das Ergebnis: Er hat 160 Gramm Zucker aufgenommen, die sich im Essen und in den Getränken verstecken. Zum Vergleich: Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt nur 25 Gramm Zucker am Tag – das entspricht der Zuckermenge in nur einem Glas Apfelsaft.

Nicht überall, wo Zucker drin ist, steht auch Zucker drauf

Das Problem: Nicht überall, wo Zucker drin ist, steht auch Zucker drauf: Schließlich gibt es 70 verschiedene Bezeichnungen für Zuckerarten, die sich in vielen Lebensmitteln verbergen: zum Beispiel Saccharose, Maltose, Laktose, Fruktose, Dextrose, Maltodextrine oder Glucose. Zusammen  mit Gudrun Köster von der Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein nimmt Mälzer im Supermarkt verschiedene Produkte unter die Lupe und kommt zu dem Schluss: Mit den 31 Kilogramm, die ein Deutscher Statistiken zufolge pro Jahr an Zucker zu sich nimmt, ist nur der normale Haushaltszucker gemeint. Hinzu kommt noch einmal die doppelte Menge an anderen Zuckerarten.

„Warum habe ich eigentlich so viel Bock auf Süßes?“

Doch woher kommt unsere Vorliebe für Zucker überhaupt? „Warum habe ich eigentlich so viel Bock auf Süßes?“, fragt Mälzer Professor Matthias Tschöp vom Helmholtz Zentrum München. „Das war in der Steinzeit so, dass wir Gutes, Sicheres, Nahrhaftes finden mussten in unserer Umgebung und da leiten uns unsere Geschmacksrezeptoren“, so der Diabetes-Forscher. „Wenn etwas bitter und sauer schmeckt, ist das meistens ein schlechtes Zeichen.“ Aber: „Wenn etwas süß schmeckt, dann sagen unsere Rezeptoren: Diese Nahrung ist gut, die gibt uns Energie.“

Wir sind süchtig nach Zucker

Hinzu kommt: Wir sind tatsächlich süchtig nach dem süßen Inhaltsstoff. Zucker wirke in Gehirnbereichen, in denen Abhängigkeiten ausgelöst werden, räumt Tschöp ein: „Es gibt also eine gewisse Abhängigkeit.“

Fruchtzucker ist sehr schädlich für uns

Erstaunt war auch Fernseh-Koch Mälzer darüber, dass ein vermeintlich gesundes Glas Saft mit 36 Gramm deutlich mehr Zucker enthält als ein Glas Cola (20 Gramm). Das überraschendste Ergebnis des Lebensmittel-Checks: Der als gesündere Alternative angepriesene Fruchtzucker ist sehr schädlich für uns. „Tatsächlich ist es so, dass wir Fruktose nicht direkt im Stoffwechsel verarbeiten“, erklärt Professor Andreas Pfeiffer vom Deutschen Institut für Ernährungsforschung in Potsdam. „Der muss über die Leber verarbeitet werden, die ihn in Fett umwandelt“, erklärt der Experte. „So trägt die Fruktose sehr zur Fettleber bei und ist von daher eigentlich ein ungünstiger Zucker.“ Fructose sei zudem nicht sehr sättigend: Der Mythos vom gesunden – weil natürlichen – Fruchtzucker sei Geschichte, heißt es in der Sendung.

Obst kann sich in der richtigen Dosierung aber natürlich positiv auf die Gesundheit auswirken und das Risiko für Krebs und Herz-Kreislauf-Erkrankungen senken. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt, 250 Gramm Obst pro Tag zu sich zu nehmen.

Auch die vermeintlich gesünderen Alternativen zum Haushaltszucker, also Honig, Ahornsirup oder Agavendicksaft, schneiden im Lebensmittel-Check nicht besonders gut ab. Ob man seinen Tee nun mit Zucker oder den angesagten Alternativen süße, sei im Grunde egal, heißt es in der Sendung.

Sollte man Kindern Süßigkeiten komplett verbieten?

Also was tun? Sollte man komplett auf jede Form von Zucker verzichten und Kindern Süßigkeiten komplett verbieten? Besser nicht: Ein Versuch des Ernährungspsychologen Thomas Ellrott zeigt nämlich, dass ein Verbot Süßigkeiten für Kinder nur noch attraktiver macht. Süßes sollte stattdessen lieber portioniert und über den Tag verteilt gegessen werden. Die Experten empfehlen: Keinen Verzicht, aber einen maßvollen Umgang mit Zucker. (rer)