Da wäre zum Beispiel die Kanarienzunge: ein üppiges Kissen zartgezackter Blätter, die dicht gedrängt aus der Mitte wachsen – manche denken an eine gefüllte Riesenrose, manche an einen wilden knallgrünen Stern, manche nur ans Essen. Denn Langue de Canari gehört nicht nur zu den schönsten, sondern auch zu den leckersten Eichblattsalaten. Sie wächst in jedem Garten, auf jedem Balkon, ja: auf jeder Fensterbank.

Wie der rotgetupfte Forellenschluss, die kräftigen Hirschzungen oder spitzen Teufelsohren – alles Salate, die nicht nur unser Auge erfreuen, sondern zeigen, dass dieses Gemüse mit ihrer buttrigen bis knackigen Konsistenz, ihren süßlichen, nussigen oder leicht bitteren Aromen viel mehr zu bieten hat, als das durchschnittliche Supermarktangebot vermuten lässt.

Um sich diese Vielfalt in die Küche zu holen, braucht man nur ein paar Samentüten. Im späteren Frühjahr werden auch Setzlinge verkauft, doch die Sortenvielfalt ist beschränkt, während der gut sortierte Fachhandel, aber auch so mancher Supermarkt eine große Samenauswahl bietet. Und wer Saat kauft, kann das ganze Jahr über nachsäen. Außerdem macht es Spaß, aus den winzigen Körnern dicke Köpfe oder lockere Büschel hell- bis dunkelgrüner, rotbraun geränderter, getupfter oder gelblicher Blätter wachsen zu sehen. Tatsächlich werden die Pflanzen so hübsch, dass es manchen Gärtnern schwer fällt, sie aufzuessen.

Hoch den Schneckenzaun!

Gesät wird jetzt, und zwar zuerst Kopf- und Pflücksalate. Allerdings muss der Winter wirklich vorbei sein. Um zu keimen, benötigen Salatsamen Temperaturen zwischen zwölf und 16 Grad. Ist es zu kalt, tut sich nichts, und sie verfaulen. Oder sie wachsen so zögerlich, dass später gesäte Pflanzen den Vorsprung leicht aufholen. Daher ist es immer besser, im Zweifelsfall zu warten oder ins Frühbeet oder aufs Fensterbrett auszuweichen. Viele Gärtner säen ohnehin nicht direkt ins Beet, da Schnecken nichts lieber fressen als zarte Keimblätter. Sind sie schon größer, überstehen die Pflänzchen leichtere Attacken, wirklich sicher sind sie allerdings nur hinter einem Schneckenzaun.

Egal, ob ins Beet, den Blumentopf oder die Saatkiste gestreut und behutsam mit ein bisschen Erde bedeckt – das Samenkorn möchte es feucht haben. Der Abstand zwischen den Pflanzen variiert je nach Sorte, meist sind es 20 bis 30 Zentimeter. Wer den Salat zunächst enger sät und später vereinzelt oder die überschüssigen Vertreter isst, spart Platz.

Und wer einmal überlegt, wie viel Salat wirklich pro Woche verzehrt wird, sieht die Sache mit dem Platz sowieso entspannt. Kein Mensch, keine WG und keine Großfamilie kann auf einmal die 120 Salatköpfe verzehren, die eine Samenpackung ungefähr hergibt. Fünf bis sieben Köpfe pro Woche oder ein, zwei Reihen Pflücksalat sind dagegen schon machbar. Und für alle, die nur hin und wieder ein vitaminreiches Blatt auf dem Sandwich lieben, ist ein bisschen Amerikanischer Brauner oder Ochsenzunge im Blumentopf ohnehin ideal.

Gesät wird nach und nach, am besten im Abstand von zwei bis vier Wochen und erstmal in Töpfe oder Kisten, sodass die kleinen Pflanzen keinen kostbaren Platz blockieren, sondern nach Verzehr die Lücken auffüllen. Man kann sie auch zwischen anderes Gemüse setzen – Salat verträgt sich mit allem außer Petersilie und Sellerie.

Alle Sorten mögen lockeren Boden und viel Wasser. In einem humusreichen Beet brauchen sie keine Düngung, im engen Balkonkasten schon. Kopfsalate bilden ihre formschönen Kugeln nur in der Sonne, alle anderen kommen auch mit Halbschatten zurecht. Und im Hochsommer ist ein bisschen Schatten sowieso gut, da Salat bei Hitze schnell zäh wird und schießt. Am liebsten sind ihm Temperaturen um 20 Grad.

Planung für Einsteiger

Ob Neckarriese oder Baby Leaf, Salat ist ein empfindliches Gemüse, mal abgesehen vom Eisbergsalat, der es wochenlang im Kühlschrank aushält, dafür aber oft nach gar nichts schmeckt. Beim konventionellen Anbau werden die Pflanzen gedüngt und mit Pflanzenschutzmitteln behandelt, nach der Ernte oft in Folien oder Plastiktüten verpackt und gekühlt.

Wer Salat aus dem eigenen Garten isst, muss keine Pestizide oder überhöhten Nitratwerte fürchten, vor allem aber ist das selbstgeerntete Blatt unerreicht frisch. Freunde der urbanen Selbstversorgung schätzen es auch wegen der guten Ausbeute auf engem Raum: Denn beim Salat werden ja nicht nur die Früchte, sondern die ganzen Pflanzen verspeist, was könnte effektiver sein?

Mit ein bisschen Planung ist die Salatselbstversorgung auch für Anfänger kein Problem, Pflück- und Kopfsalate werden kontinuierlich nachgesät, im Mai und Juni kommen Römer-, Eisberg- und Zichoriensalate dazu. Selbst im Herbst und Winter gedeihen frostharte Kandidaten wie Feldsalat und Postelein. Und wer im September zum Beispiel Maiwunder oder Winter Butterkopf sät und die Jungpflanzen im Beet überwintern lässt, hat schon im Frühling ausgewachsene Köpfe. Hierfür sind am besten alte Sorten geeignet, da diese Art der Kultur ein bisschen aus der Mode gekommen ist.

Der eigene Anbau hat schon echte Salatmuffel bekehrt, denn hier können Sorten zum Einsatz kommen, die nicht auf Haltbarkeit, Transportfestigkeit oder Resistenzen gezüchtet wurden, sondern auf unkompliziertes Gedeihen und Geschmack. Ein ganz frischer Maikönig hat nichts mit den faden Blättern des grünen Supermarktkopfes gemein, und wer je Reine des Glaces gekostet hat, wird seine Aversion gegen Eisbergsalate bestimmt noch mal überdenken.