BerlinAls die Corona-Pandemie über Deutschland hereinbrach, mussten Millionen Beschäftigte von heute auf morgen ins Homeoffice umziehen. Inzwischen haben sich die meisten wohl schon dran gewohnt - und vielleicht auch Freude dran gefunden. Nicht mehr pendeln, Zeit für die Familie, Jogginghose statt enge Jeans. 

Das Arbeiten zu Hause setzt einigen Menschen aber auch psychisch zu. So können zum Beispiel Hausarbeit und Homeschooling die für den Job erforderliche Konzentration stören. Studien zeigen: Wer über längere Zeit im Homeoffice arbeitet, scheint mehr unter Erschöpfung, Reizbarkeit, Unruhezuständen oder Ärger und Wutzuständen zu leiden, heißt es in einer Mitteilung der Oberberg Fachklinik Berlin Brandenburg.

Wenn sich Arbeitszeit und die Zeit fürs Private dauerhaft vermischen, sich beides nicht mehr klar trennen lässt, bestehe sogar die Gefahr eines Burnouts, heißt es weiter. Denn im Arbeitsmodus stehe das Gehirn permanent unter Stress, benötigte Ruhepausen fallen weg. „Wenn durch äußere Reize wie die Homeoffice-Situation, bedingt durch die aktuelle Pandemie, eine psychische und körperliche Anspannung hervorgerufen wird, reden wir von Stress“, erklärt Matthias J. Müller, medizinischer Geschäftsführer der Oberberg Gruppe. „Wirkt Stress dauerhaft ein, kann er krank machen. Er begegnet uns vor allem am Arbeitsplatz; das Stichwort heißt Burnout-Syndrom, das unbehandelt häufig in eine Depression mündet.“

Um Stress und Überforderung im Homeoffice vorzubeugen, gibt Bastian Willenborg, Ärztlicher Direktor der Oberberg Fachklinik  und Chefarzt der Oberberg Tagesklinik Kurfürstendamm, deshalb folgende Tipps:

1. Routinen schaffen: Routinen, wie regelmäßige Mahlzeiten oder Zubettgeh- und Aufstehzeiten, sind wichtig, da sie für psychische Stabilität sorgen. Sie sollten deshalb unbedingt etabliert und eingehalten werden.

2. Arbeitszeiten klar festlegen: Selbstfürsorge sollte an oberster Stelle stehen. Arbeits- und Freizeit sollten deshalb klar voneinander abgegrenzt werden, was über definierte Arbeitszeiten erreicht werden kann.

3. Pausen einbauen: Pausen sind notwendig, um dauerhaft Leistung erbringen zu können. Das gilt auch für die Arbeit im Homeoffice. Deshalb: Pausen fest einplanen, in dieser Zeit bewusst auf Anrufe und E-Mail-Verkehr verzichten und nicht erreichbar sein.

4. Bewegen: Dass Bewegung wie Rad fahren oder joggen körperlichen Erkrankungen vorbeugen oder entgegenwirken kann, ist bekannt. Aber auch für die Psyche ist körperliche Aktivität gut und kann sich positiv auf Angsterkrankungen oder Depressionen auswirken.

5. Vorsicht bei Alkohol: Alkohol lässt Ängste und Probleme kleiner erscheinen. Das täuscht allerdings: Probleme werden durch Alkohol nicht gelöst. Außerdem ist der Entspannungseffekt nur von kurzer Dauer. Alkoholkonsum kann mitunter bestehende psychische Erkrankungen verschlimmern und es besteht die Gefahr, eine Suchterkrankung zu entwickeln. 

6. Entspannen lernen: Stressreduktions- und Entspannungsverfahren sind für stressbedingte Störungen und Angststörungen (Panikstörungen) ein zentraler Bestandteil der Psychotherapie. Bei der von Kabat-Zinn entwickelten „Achtsamkeitstherapie“ geht es darum, achtsames Leben zu lernen, um eine stabile Mentalität zu entwickeln, die im Falle einer problematischen Lebenssituation – wie zur Pandemiezeit – die innere Kraft zur Bewältigung der Krise nutzt. Die Entspannungsübungen können im Alltag schnell umgesetzt werden.

„Das Ziel ist, mit seelischer Kraft durch die Krise zu kommen“, so Willenborg weiter. Je nach psychischer und physischer Belastung könne auch eine Therapie eine wirksame Option sein. Sie kann die Fähigkeit, sich zu entspannen, steigern und das Selbstvertrauen stärken. Außerdem könne sie helfen, gelassener zu werden. Mit mehr Widerstandskraft, der sogenannten Resilienz, könne der herausfordernden Zeit besser begegnet werden.