Regelmäßig die Blutzuckerwerte zu kontrollieren, das ist bei Diabetes unabdingbar. Wer die Werte dokumentiert, kann seinem Arzt wertvolle Hinweise liefern.
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BerlinDiabetes war das Thema unseres aktuellen Telefonforums am vergangenen Dienstag. Die Fragen beantworteten Sylvia Kemmet vom Universitätsklinikum Göttingen und Andreas Pfeiffer, Direktor der Abteilung für Endokrinologie, Diabetes und Ernährungsmedizin an der Charité und Wissenschaftler im Deutschen Zentrum für Diabetes-Forschung. Hier eine Zusammenfassung:
 

Meine Mutter hatte Diabetes Typ 2. Ich bin 50, damit genau in dem Alter, in dem sie Diabetes bekam. Besteht die Gefahr, dass ich auch erkranke?

Sie haben definitiv ein erhöhtes Risiko, an Diabetes zu erkranken. Die genetischen Faktoren sind aber nicht alles. Sie haben es durch eine entsprechende Lebensweise auch selbst in der Hand, das Risiko zu reduzieren. Dazu gehören eine gesunde Ernährung, viel Bewegung, Verzicht aufs Rauchen, wenig Alkohol, Stressreduktion. Ich rate Ihnen, beim Hausarzt einen Test machen zu lassen. In der Regel wird ein Nüchtern-Blutzucker-Wert ermittelt und ergänzend eventuell noch ein Langzeit-Blutzucker-Wert. Zögern Sie nicht, einen Termin zu machen. Ein nicht erkannter oder schlecht behandelter Diabetes kann zu Herzinfarkt, Herzschwäche oder Schlaganfall, zu Erblindung oder zu Amputationen führen.  

Wie kann denn Bewegung das Diabetes Risiko senken?

Körperliche Aktivität verbessert die Insulin-Sensibilität, das heißt, Insulin wird eingespart. Außerdem werden durch regelmäßige Bewegung Reparaturmechanismen an Nerven, Gefäßen, Immunsystem und Gehirn ausgelöst, die Krankheiten generell abwehren können. Mindestens 150 Minuten körperliche Aktivitäten pro Woche, verteilt auf drei Einheiten, wären empfehlenswert.
 

Ist Diabetes heilbar?

Gegen die Typ-1-Diabetes-Erkrankung wurde noch kein Heilmittel gefunden. Beim Typ-2-Diabetes zeigen neue Studien, dass sich der Stoffwechsel übergewichtiger Menschen normalisieren kann, wenn sie erheblich abnehmen – mindestens 15 Kilogramm – und dann auch schlank bleiben. Dazu ist die regelmäßige Begleitung von Fachkräften erforderlich. Regelmäßige körperliche Bewegung und angemessene Ernährung sind entscheidend für die Verbesserung der Stoffwechselsituation.

Um Diabetes vorzubeugen – welche Nahrung empfehlen Sie?

Gemüse, Hülsenfrüchte und pflanzliche Öle, auch Obst, aber nicht mehr als 300 Gramm pro Tag. Allgemein gilt: Essen Sie ballaststoffreich, also immer die Produkte mit dem vollen Korn. Bei Milcherzeugnissen, Fleisch und Fisch sollte man die fettarmen Produkte bevorzugen, da Fett die meisten Kalorien pro Gramm enthält und sich schnell in gefährliches Bauchfett verwandeln kann. Sparen ist auch bei Salz und Zucker angesagt.  

Warum soll ich meine Blutzuckerwerte in ein Tagebuch eintragen?

Das soll Ihnen einen Überblick über Ihre Werte verschaffen. Außerdem können Sie mit dem Arzt einfacher besprechen, wie Ihre Therapie angepasst werden kann. Neben den Blutzuckerwerten sollten Sie persönliche Daten wie Name, Anschrift, Telefonnummern wichtiger Bezugspersonen für einen Notfall, einzunehmende Medikamente und Allergien notieren. So können Dritte im Notfall gezielter helfen.  

Ich bin seit 20 Jahren Typ-1-Diabetiker und habe von den neuen Geräten zur Glukosemessung gehört. Wäre so ein Gerät für mich sinnvoll?

Ja, das Gerät misst kontinuierlich. So können Sie den Blutzucker engmaschig überwachen und besser auf Schwankungen reagieren. Die Krankenkassen bezahlen das Gerät.    

Ich habe seit knapp 20 Jahren Typ-2-Diabetes und spritze Insulin. Ich habe gelesen, dass es neue Medikamente gibt. Kämen die für mich infrage?

Besprechen Sie das mit Ihrem Diabetologen. Mit neuen Medikamenten könnte die Therapie vereinfacht werden, sodass Sie ganz oder teilweise auf das Kurzzeit-Insulin verzichten könnten.  

Ich bin Raucher. Mein Vater hat nicht geraucht und ist seit Jahren Diabetiker. Gehöre ich zur Risiko-Gruppe?

Vermutlich ja. Rauchen ist ein starker Risikofaktor. Wer es aufgibt, senkt sein Risiko für Typ-2-Diabetes deutlich. Schädliche Substanzen, zum Beispiel Kohlenmonoxid, wirken sich möglicherweise schädlich auf das Fettgewebe wie auf die Bauchspeicheldrüse aus. Die Folge: der Stoffwechsel wird durch eine verminderte Insulinaktivität negativ beeinflusst.  

Darf ich mit Diabetes Auto fahren?

Ja. Wenn Sie Auto fahren, sollten Sie darauf achten, dass Ihr Diabetes gut eingestellt ist und Sie – und am besten auch Ihre Mitfahrer – das Risiko einer Hypoglykämie erkennen können. Ratsam ist es, auf längeren Fahrten immer wieder Pausen einzulegen, um Blutzuckerwerte zu messen. Darüber hinaus ist es empfehlenswert, Obst oder Traubenzucker griffbereit zu haben, um einer Unterzuckerung früh entgegenzuwirken.  

Kann ich als Diabetiker sportlich gleich viel leisten wie ein gesunder Mensch? Körperliche Bewegung ist förderlich. Wichtig ist es, dass Ihr Diabetes gut eingestellt ist und Sie Ihre eigenen Grenzen im Blick haben. Dann können Sie auch Hochleistungs- oder Ausdauersport treiben.  

Wo findet man weiterführende Informationen? Empfehlenswert ist die Internetseite der  Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung: www.diabetesnetz.info. Dort findet man auch Links zu Patienteninformationsdiensten und Forschungseinrichtungen. Die Internetseite  der Deutschen Diabetes-Hilfe wartet mit Informationen für Patienten und Angehörige auf: www.diabetesde.org. Auf der Website www.diabinfo.de findet man einen Test des eigenen Risikos, in den nächsten fünf Jahren an Typ-2-Diabetes zu erkranken.