Berlin - Diese Nachricht ist erst wenige Tage alt: In Niederlehme bei Königs Wusterhausen (Dahme-Spreewald) ist ein Wolf von einem Auto überfahren worden. Das Tier lief in den frühen Morgenstunden in das Fahrzeug und verendete. Ereignisse wie diese sind leider keine Seltenheit, auch in Brandenburg nicht, wo die meisten Wolfsrudel in ganz Deutschland leben – vor allem im Süden des Bundeslandes. Laut einem Monitoring des Landes gab es 2019/2020 in ganz Brandenburg 62 Wolfsterritorien, die von 47 Rudeln und zehn Paaren besiedelt wurden.

Dass den Tieren auf deutschen Straßen Ungemach droht, zeigt auch der jährliche Bericht der Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf (DBBW). Demnach wurden vor fünf Jahren noch 26 Tiere auf dem Asphalt erfasst, vergangenes Jahr waren es bereits 99. Zuletzt sind drei Welpen in den niedersächsischen Landkreisen Verden, Celle und Harburg überfahren worden.

79 Prozent der gefundenen Wölfe sterben im Straßenverkehr

Von 126 toten Wölfen kamen im vergangenen Monitoringjahr (1. Mai 2019 bis 30. April 2020) 99 Tiere im Straßenverkehr um. 79 Prozent der gefundenen Wölfe sterben damit im Straßenverkehr. Der Anteil der von Autos erfassten Tieren blieb dabei im Vergleich zu 2015 stabil. Dass die Zahlen insgesamt steigen, hat auch mit der vermehrten Ausbreitung der Wölfe zu tun: Lebten vor fünf Jahren 33 Rudel im Bundesgebiet, waren es im vergangenen Jahr bereits 128. Unter einem Rudel werden zwei ausgewachsene Tiere mit Nachwuchs verstanden. Hinzu kommen noch Wolfspaare sowie Einzeltiere.

Im laufenden Jahr 2021 gab es der DBBW zufolge bislang 52 sogenannte Totfunde von Wölfen, 39 Tiere starben bei einem Verkehrsunfall. Auf Brandenburgs Straßen starben im gesamten erfassten Zeitraum von 1990 bis 2021 demnach insgesamt 205 Wölfe, davon 157 bei einem Verkehrsunfall. 26 Tiere wurden illegal getötet, 13 starben auf natürlichem Wege. Beim Rest der Tiere konnte die Todesursache nicht ermittelt werden. Geht man von den erfassten Totfunden aus, ist der Straßenverkehr die mit Abstand größte Gefahr für Wölfe. Denn: Die Wälder, in denen die Wölfe leben, sind häufig von Straßen durchschnitten.

WWF rät Autofahrern bei Unfällen mit einem Wolf, den Notruf zu wählen

Der Tierschutzorganisation WWF rät Autofahrern bei Unfällen mit einem Wolf, den Notruf zu wählen. „Wie bei Unfällen mit Reh oder Wildschwein gilt auch beim Wolf: Im Fall eines Zusammenstoßes sollte auf jeden Fall die Polizei kontaktiert werden. Das gilt auch, wenn das Tier noch lebt und sich vom Unfallort wieder entfernt“, sagte der Experte für Wildtiere in Deutschland, Moritz Klose.

Wölfe sind streng geschützt und kommen in Deutschland vor allem in Brandenburg, Sachsen, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt und Niedersachsen vor. Dabei waren die Tiere lange ausgerottet. Langsam erobern sie sich aber ihre alten Lebensräume zurück. (mit Material von dpa)