Berlin - Wie geht es eigentlich unseren Blaumeisen? Hat sich ihr Bestand nach dem Massensterben im vergangenen Frühjahr wieder erholt? Diese und anderen wichtige Fragen möchte der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) mit seiner traditionellen Zählaktion „Stunde der Gartenvögel“ am Himmelfahrtswochenende beantworten: Von Donnerstag bis Sonntag können sich Naturfreunde in ganz Deutschland an der Mitmachaktion beteiligen. Dabei gilt es, eine Stunde lang die Vögel im Garten oder Park zu beobachten und zu zählen.

Die tödliche Epidemie weitet sich wieder aus

Die Zählung 2020 hatte bei den Blaumeisen einen Bestandseinbruch von 22 Prozent im Vergleich zum Vorjahr ergeben. Dabei wurden auffallend viele Singvögel gesehen, die krank erscheinen und folgende Auffälligkeiten zeigen: Sie sitzen apathisch und aufgeplustert auf dem Boden und unternehmen keine Fluchtversuche bei sich nähernden Menschen. Sie wirken so, als hätten sie Atemprobleme, Teile des Kopfgefieders sind ausgefallen, die Augen scheinen verklebt. Die Meisen nehmen kein Futter mehr auf oder können nicht mehr schlucken.

Es handelt sich hierbei um die Symptome einer Krankheit, einer Art Lungenentzündung, für die das Bakterium Suttonella ornithocola verantwortlich ist, wie Untersuchungen ergeben haben. Für Menschen und Haustiere ist der Erreger ungefährlich. Es liegt nahe, dass die Krankheit besonders dort übertragen wird, wo viele Vögel aufeinandertreffen, worauf der übliche Fundort in der Nähe von Vogelfütterungen hinweist. Der Nabu rät dazu, bei Beobachtungen von mehr als einem kranken Vogel die Bereitstellung von Tränken sofort einzustellen.

„Die kommende Zählung wird Aufschluss darüber geben, ob die Blaumeisen die Verluste durch erfolgreiche Bruten ausgleichen konnten“, sagte Nabu-Bundesgeschäftsführer Leif Miller. Es sei allerdings auch möglich, dass sich der Abwärtstrend weiter fortgesetzt habe. „Aktuelle Meldungen deuten darauf hin, dass die Epidemie auch in diesem Frühjahr wieder zuschlägt – allerdings weiter nördlich als im Vorjahr.“ 

Bei der nunmehr 17. Ausgabe der „Stunde der Gartenvögel“ soll es allerdings nicht nur um die Blaumeise gehen, sondern ebenso ums übrige Federvieh. Der Nabu hält eine Liste mit 40 Gartenvögeln bereit, darin finden sich Preziosen wie die Mönchsgrasmücke, die Heckenbraunelle, der Hausrotschwanz, Stieglitz oder Zilpzalp. Wer sich vor der anstehenden Zählung vogelkundlich fit machen will, sollte hier reinschauen.

Im vergangenen Jahr beteiligten sich laut Nabu 161.000 Menschen an der Vogelzählung – mehr als doppelt so viele wie im Jahr zuvor. Dabei seien aus rund 107.000 Gärten über 3,2 Millionen Vögel gemeldet worden. Wer sich in in diesem Jahr beteilig, möge seine Ergebnisse bis zum 24. Mai melden.