Martin Ruecker, Geschäftsführer foodwatch Deutschland.
Foto: Reiner Zensen

Berlin Die „Grüne Woche“ holt die Themen Ernährung und Lebensmittelqualität wieder stärker in unser Bewusstsein. Was auf der Messe präsentiert wird, muss „draußen“ kontrolliert werden. Zum Beispiel in Gaststätten und Imbiss-Buden. Dafür gibt es „Topf Secret“. Bundesweit wurde seit Anfang 2019 auf Basis von „Topf Secret“ knapp 41.000 Mal der Einblick in Kontrollergebnisse von Lebensmittelbetrieben jeglicher Art bei den zuständigen Behörden beantragt.

Diese Zahl nennt die Verbraucherschutzorganisation Foodwatch, die die Plattform gemeinsam mit dem Portal für Informationsfreiheit „FragDenStaat“ betreibt. Auf ein Ergebnis müssen die Interessierten dann jedoch schon mal mehrere Monate warten. „Topf Secret“ steht gerade nicht für Geheimniskrämerei um das, was in Restaurants in den Topf kommt.

Mehr Transparenz für Verbraucher

„Es geht dabei um Transparenz bei Hygiene nicht nur in Restaurants, sondern auch in Hofläden, Bäckereien, Metzgereien, Supermärkten – kurz in allen Betrieben, die mit Lebensmitteln handeln“, erläutert Dario Sarmadi von Foodwatch. Bisher machen nach Darstellung von Foodwatch die Kontrollbehörden in Deutschland nur in Ausnahmefällen öffentlich, wie es um die Sauberkeit in Betrieben bestellt ist. Seit Jahren werde jeder vierte kontrollierte Betrieb beanstandet, größtenteils wegen Hygienemängeln.

Jüngste niedrigere Zahlen seien Folge veränderter Erfassungsmethoden, heißt es bei Foodwatch. Der Verein fühlt sich bestätigt durch einen Beschluss des Verwaltungsgerichtshofs (VGH) Baden-Württemberg. Sprecher Sarmadi findet: „Die Richter zerpflücken darin in aller Deutlichkeit die Argumente, welche die Gastro-Lobby gegen „Topf Secret“ ins Feld führt.“ Der VGH in Mannheim hatte als erstes Obergericht zugunsten der Verbraucher entschieden.

Schlechte Bewertungen brandmarken Betriebe

Demnach können sie Auskunft über lebensmittelrechtliche Kontrollen in Betrieben verlangen und von den zuständigen Stellen die Berichte zugeschickt bekommen. Dem Deutschen Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) stößt der Richterspruch sauer auf. „Wir befürchten, dass Betriebe auf ewig gebrandmarkt im Internet am Pranger stehen“, sagt Hauptgeschäftsführerin Ingrid Hartges.

„Beurteilungen sind immer nur Momentaufnahmen.“ Aus Sicht des Verbraucherzentrale Bundesverbandes hingegen ist die VGH-Entscheidung ein Zeichen dafür, dass eine Internetveröffentlichung dem Zweck des Verbraucherinformationsgesetzes entspricht, den Markt transparenter zu machen und den Verbraucherschutz zu stärken.