Forscher arbeiten intensiv an der Entwicklung eins Impfstoffes (Symbolbild).
Foto: dpa/Frank Rumpenhorst

Der Verlauf der Corona-Pandemie hängt stark davon ab, wie schnell Medikamente oder Impfstoffe gegen das neue Coronavirus entwickelt werden können. Doch ein Impfstoff lässt auf sich warten. Obwohl 47 Projekte weltweit dazu laufen, kann in diesem Jahr nicht mehr damit gerechnet werden. Zu lange dauern die Tests und die Zulassungsverfahren, bevor ein Impfstoff wirklich so sicher und in seiner Wirksamkeit bestätigt ist, dass er an Millionen Menschen eingesetzt werden kann. Deutsche Forscher wollen die Zeit jetzt überbrücken und versuchen, besonders gefährdete Menschen zu schützen. Und zwar mit einem Impfstoff gegen Tuberkulose.

Impfstoff basiert auf BCG

Der Impfstoff heißt VPM1002 und wurde von Wissenschaftlern des Max-Planck-Instituts für Infektionsbiologie in Berlin entwickelt. In einer großangelegten Studie soll an mehreren Kliniken in Deutschland getestet werden, ob der Tuberkulose-Impfstoff auch gegen Covid-19 wirkt. Dies teilt die Max-Planck-Gesellschaft (MPG) mit.

Dabei sollen vor allem ältere Menschen und Beschäftigte im Gesundheitswesen geimpft werden. Der Impfstoff  "könnte so helfen, die Zeit bis zu einem Impfstoff zu überbrücken, der spezifisch gegen SARS-Co-Virus 2 wirksam ist", heißt es in der Mitteilung der MPG. 

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Der Impfstoff basiert auf einem anderen Impfstoff, der Anfang des 20. Jahrhunderts entwickelt wurde. Er heißt BCG. "Studien an Mäusen zeigen, dass der BCG-Impfstoff nicht nur vor Tuberkulose, sondern auch vor Virusinfektionen der Atemwege schützen kann", teilt die MPG mit. An Grippe erkrankte Mäuse hätten weniger Influenza-A-Viren im Blut, wenn sie zuvor mit BCG geimpft wurden. Sie wiesen weniger Schädigungen der Lungen auf.

Aus den Niederlanden und Großbritannien gebe es Hinweise darauf, dass BCG auch gegen das neue Coronavirus helfen könnte. Offenbar aktiviere eine Impfung das Immunsystem gegen eine Virusinfektion. Dadurch verringere der Impfstoff die Gefahr schwerer Krankheitsverläufe und senke die Todesrate.

Forscher hoffen, dass Impfstoff Symptome mildert

Der neue Impfstoff wurde am Berliner Max-Planck-Institut für Infektionsbiologie auf der Grundlage des alten BCG-Impfstoffs entwickelt. Er enthält laut Darstellung der Forscher abgeschwächte Tuberkulose-ähnliche Bakterien. Diese sind genetisch so verändert, dass Immunzellen sie besser erkennen können. Der Impfstoff ist sicherer und wirksamer als der alte und soll deshalb bei Neugeborenen und zur Auffrischung einer Impfung bei Erwachsenen eingesetzt werden.

Die Forscher hoffen, dass der neue Impfstoff auch die Symptome einer Infektion mit dem neuartigen Coronavirus besser mildern kann. Hinzu komme, dass er mithilfe modernster Produktionsmethoden hergestellt werden könne, sagte Adar C. Poonawalla, der Hersteller und Geschäftsführer von Serum Institute of India. "So könnten innerhalb kürzester Zeit Millionen von Dosen bereitgestellt werden.“

„Vielversprechende Gespräche mit den Behörden“

Die Max-Planck-Gesellschaft hat eigenen Aussagen zufolge im Jahre 2004 die Lizenz für den Impfstoff an das Biotechnologieunternehmen  Vakzine Projekt Management (VPM) in Hannover vergeben. Ab 2012 entwickelte die Firma den Impfstoff zusammen mit dem Serum Institute of India weiter, einem der größten Impfstoffhersteller weltweit. Das Unternehmen hat die VPM mittlerweile mehrheitlich übernommen.

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Die beteiligten Partner hätten bereits "vielversprechende Gespräche mit den Behörden" geführt, um eine sogenannte Phase-III-Studie in Deutschland mit dem Impfstoff VPM1002 durchzuführen und die Wirksamkeit des Impfstoffs bei älteren Menschen und Beschäftigen im Gesundheitswesen zu untersuchen, heißt es in der Mitteilung der MPG.

„Diese Bevölkerungsgruppen sind besonders von der aktuellen Pandemie betroffen,“ sagte Leander Grode, Geschäftsführer der VPM. Sie könnten daher besonders von einer Impfung profitieren. Bei einem positiven Ergebnis könnte der Impfstoff dazu beitragen, die Gesundheitssysteme zu entlasten, bis ein Impfstoff zur Verfügung stehe, der spezifisch gegen das Coronavirus wirksam ist.