Berlin/Kunming - Die 15 Asiatischen Elefanten, von denen hier die Rede ist, sind eigentlich im Mengyang-Naturreservat in der südwestchinesischen Provinz Yunnan zu Hause. Es ist eines der letzten Refugien für Chinas verbleibende Asiatische Elefanten, denen man Schutzgebiete schaffen musste, um ihre Art zu bewahren. Denn Elephas maximus, nach dem Afrikanischen Elefanten das zweitgrößte Landtier der Erde und einst in weiten Teilen Asiens verbreitet, ist in China heute nur noch selten anzutreffen.

Der Bestand der Tiere gilt als stark gefährdet, Landschaftszerstörung und Wilderei haben den grauen Riesen schwer zugesetzt. In der Volksrepublik beschränkt sich das Vorkommen auf die südlichsten Bereiche der Provinz Yunnan. Ebendort machen die 15 Asiatischen Elefanten von sich reden, die ihr Schutzgebiet verlassen haben und fast 500 Kilometer nach Norden gewandert sind. Aktuell nähert sich die Herde der Provinzhauptstadt Kunming und könnte demnächst in die Peripherie eindringen, meldet die South China Morning Post.

Demnach wurde die Ausreißertruppe am Dienstagabend (Ortszeit) nur drei Kilometer von der Millionenmetropole entfernt gesichtet. Polizei und Behörden sind in heller Aufregung, halten Dringlichkeitssitzungen ab.

„Sie kommen!“: Nutzer verbreiten Videos auf Weibo und TikTok 

Die Elefanten indes lassen sich auf ihrer Reise, die vor Monaten in Xishuangbanna begonnen hat, nicht aufhalten. Die Polizei musste bereits Anwohner entlang der Route evakuieren – und diese drehen derweil von den seltenen Gästen Videos. TikTok, Weibo und Twitter sind voll von den Aufnahmen der wandernden Dickhäuter. Dorfbewohner rufen: „Sie kommen!“ und folgen den Tieren dann die Hauptstraße entlang.

Selbstredend sorgen die Tiere nicht nur für Begeisterung. In und um die Stadt Yuxi hat die Herde laut offiziellen Behördenberichten im Laufe von 40 Tagen „412 Mal Ärger verursacht und mehr als 550.000 Quadratmeter Ernte zerstört“ – ein wirtschaftlicher Millionenschaden.

Müllwagen blockieren die Straße, Nahrung soll die Tiere umlenken

In Kunming wappnet man sich derweil für die Ankunft der Elefanten. Noch wird alles versucht, um die Sache abzuwenden. Die Verwaltung stellte 18 Tonnen Nahrung bereit, um die Elefanten in die Berge zu lenken. Die Hauptstraßen wurden mit Müllwagen blockiert, um zu verhindern, dass sich die Tiere in die Stadt wagen.

Hu Chao/Xinhua via AP
Die wandernde Herde besteht aus sechs Elefantenkühen, drei Bullen, drei Halbwüchsigen und drei Jungtieren.

In den sozialen Medien wird die Expedition der Elefanten romantisiert und humorvoll unterlegt. „Sie wollen wahrscheinlich am Treffen der UN-Biodiversitätskonferenz in Kunming teilnehmen“, scherzte ein Nutzer auf Weibo. „Klopf, klopf, ist jemand da? Ich möchte eine Banane essen“, kommentierte ein anderer ein Video, in dem ein Elefant mit seinem Rüssel gegen die Tür eines Dorfbewohners hämmert.

Dabei ist der Hintergrund der Expedition durchaus ernst. In China gibt es nur noch etwa 300 wilde Elefanten, die Art ist streng geschützt. In den letzten Jahren kam es in Yunnan immer häufiger zu Konflikten zwischen Elefanten und Dorfbewohnern, die die Zerstörung ihrer Ernten nicht hinnehmen wollen. Die South China Morning Post hat mit einem Elefantenexperten gesprochen, der sagte, dass die Wanderung ein normales Phänomen sei, da die Tiere nach neuem Lebensraum suchten.

„Unseren Forschungen zufolge sind in den letzten 20 Jahren die bewohnbaren Flächen für Asiatische Elefanten zurückgegangen, weil Wälder in Kautschuk- und Teeplantagen umgewandelt wurden“, sagte der Pekinger Professor Zhang Li der Zeitung. „Bewohnbare Gebiete außerhalb der Naturschutzgebiete gingen schnell zurück, was die Lebensräume verschlechterte und fragmentierte.“

Die lokalen Behörden hätten zwar die richtigen Maßnahmen ergriffen, um die Elefanten zu verfolgen und zu überwachen. Wichtiger sei es aber, das dahinterstehende Problem anzugehen: eine groß angelegte Lösung für den Schutz des Lebensraums Asiatischer Elefanten und den Bau ökologischer Durchgänge.