Stuer/Berlin - Vor zwei Jahren ist Braunbärin Dushi in den Bärenwald Müritz gekommen – und, so viel sei schon mal vorweg gesagt, was sie bis dahin erlebt hatte, ist allemal schlimmer als jeder Zahnarztbesuch. Jahrelang hatte die Bärendame im albanischen Safaripark Fier gelebt, der wegen der katastrophalen Haltungsbedingungen als „Europas schlimmster Zoo“ und „Zoo des Grauens“ Schlagzeilen machte. Verdreckte, kleine Betongehege, mangelnde Versorgung: Auch Dushi vegetierte nur noch vor sich hin, war abgemagert und wies Verhaltensstörungen auf. Nach Jahren des Martyriums brachten Tierschützer die Bärin schließlich nach Deutschland – in den Bärenwald Müritz.

Dushi fehlt aus nicht bekannten Gründen eine Vorderpfote, aber auch mit nur drei Pfoten ist die Bärin mittlerweile wieder sehr agil und kann ohne Probleme laufen. Bei einer gründlichen tierärztlichen Untersuchung, die routinemäßig das Gebiss sowie Gelenke und innere Organe mit einbezog, stellte sich am Mittwoch allerdings ein anderer Knackpunkt heraus – ein entzündeter Zahn. Vermutlich haben die mangelhafte Ernährung in Albanien und das Nagen an Gitterstäben das Gebiss der Bärin angegriffen.

Wie auch immer, der kaputte Zahn musste gezogen werden, teilte Vier Pfoten mit. Die Tierschutzorganisation betreibt den Bärenwald in der Gemeinde Stuer im Südwesten des Landkreises Mecklenburgische Seenplatte, etwa zwei Autostunden von Berlin entfernt. 

Für das Veterinär-Team war die Untersuchung mit einigem Aufwand verbunden, dabei hatte Dushi nach ihrem Winterschlaf noch nicht mal ihr Normalgewicht angefuttert. Die Bärin wurde für einige Stunden betäubt, geröntgt, der kaputte Zahn wurde gezogen.

Braunbär Michal: Von der Betongrube in ein weitläufiges Gehege

Zum Gesundheitscheck trat am Mittwoch dann auch noch Braunbär Michal an. Seine Zähne und Organe seien in einem guten Zustand, befanden die Ärzte. Eine leichte Arthrose wurde festgestellt, weil auch diesem Bären ein Vorderbein fehlt. Bevor das stattliche Männchen vor zehn Jahren in das Bärenschutzzentrum nach Stuer gekommen war, fristete es ein trauriges Dasein in einer kahlen Betongrube in einem polnischen Zoo. In seiner neuen Heimat ist Michal aufgeblüht und hat sogar eine Gefährtin gefunden: Mit Bärin Tapsi lebt er einträchtig in einem weitläufigen Gehege.

„Mit dem Veterinär-Check wollen wir unter anderem überprüfen, inwiefern sich die fehlende Vorderpfote auf den Bewegungsapparat der Bären ausgewirkt hat. Bei der Untersuchung achten wir natürlich darauf, den Tieren so wenig Stress wie möglich zu bereiten“, hatte Wildtierarzt Marc Gölkel vom Berliner Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (IZW) vor dem Check betont.

Der Bärenwald, in dem 15 Braunbären aus vorher nicht artgerechter Haltung leben, war 2006 von der Stiftung Vier Pfoten eröffnet worden. Das Areal umfasst etwa 16 Hektar Wald und Freiflächen mit natürlichen Bachläufen und künstlichen Badebassins.