Umfassendste Datensammlung überhaupt: So steht es um die „Gesundheit in Deutschland“

Es handelt sich um die umfassendste Datensammlung zur „Gesundheit in Deutschland“ überhaupt. Auf mehr als 500 eng bedruckten Seiten haben 130 Wissenschaftler des Robert-Koch-Instituts drei Jahre lang (RKI) Studienergebnisse, Analysen, Umfragen, Statistiken und Untersuchungen zusammengetragen, um möglichst viele Aspekte abzudecken. Dazu dienen Daten zur wirtschaftlichen und sozialen Lage der Bevölkerung ebenso wie zu Umweltbelastungen, Ernährungsgewohnheiten und zur Arbeitswelt.

Der nach 1998 und 2006 dritte RKI-Bericht macht deutlich, wie eng Gesundheit mit all diesen Bereichen verknüpft ist. Und wie sehr gesellschaftliche Entwicklungen und medizinischer Fortschritt den Gesundheitsstatus der Bevölkerung prägen. Erkrankungen wie Tuberkulose, Polio oder Diphterie, die noch vor 150 Jahren verbreitet waren, spielen in der Statistik der Todesursachen längst keine Rolle mehr.

Doch besiegt sind Infektionskrankheiten nicht. Aids, Ebola, SARS und multiresistente Keime, gegen die kaum noch ein Antibiotikum wirkt, bergen neue Gefahren. Hinzu kommen „Zivilisationskrankheiten“, deren Verbreitung mit mangelnder Bewegung, falscher Ernährung sowie Tabak- und Alkoholkonsum einhergeht: Diabetes, Rückenleiden und Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind Beispiele. Auch sind psychische Erkrankungen in der jüngeren Vergangenheit stärker in den Fokus gerückt.

Bedrückend bei alledem ist die Erkenntnis, dass die Chancen auf ein gesundes Leben sehr stark von der Schichtzugehörigkeit abhängen. Materielle Armut und niedrige Bildung gehen mit einer Häufung chronischer Erkrankungen und geringerer Lebenserwartung Hand in Hand. Diese Zeitung präsentiert ausgewählte Ergebnisse.

Soziale Lage, Arbeit und Wohnsituation

Die soziale und wirtschaftliche Situation hat wesentlich Einfluss auf Art und Häufigkeit von Erkrankungen sowie auf die Lebenserwartung. Sozioökonomisch benachteiligte Personen schätzen ihre Gesundheit deutlich schlechter ein als Menschen mit hohem Status, und sie haben recht damit. In Deutschland sterben Frauen mit niedrigen Einkommen im Schnitt fast acht Jahre früher als Frauen mit hohen Einkünften. Bei Männern unterscheidet sich die Lebenserwartung beider Gruppen sogar um elf Jahre.

Ein ähnliches Bild ergibt der Blick auf verbreitete chronische Erkrankungen. Das Diabetes-Risiko sozial und wirtschaftlich schlecht gestellter Frauen ist drei Mal höher als das ihrer Geschlechtsgenossinnen auf der Sonnenseite des Lebens. Bei Männern beträgt die Differenz etwa das Zweifache. Angehörige unterer Schichten leiden häufiger unter Depressionen und sie führen auch die Statistiken für Herzinfarkte und Schlaganfälle an. Das gilt wenig überraschend auch für krankheitsbedingte Fehltage am Arbeitsplatz: Personen in schlecht bezahlen und weniger angesehenen Berufen fallen wegen Krankheit etwa 50 Prozent länger aus als Menschen mit hohem Status.

Zum einen sind diese Befunde auf äußere Faktoren zurück zu führen. Sozial benachteiligte Menschen wohnen weitaus häufiger an stark befahrenen Haupt- und Durchgangsstraßen als andere, sie sind daher Lärm und Verkehrsabgasen in besonderem Maße ausgesetzt. Diese Belastungen führen zu einer Häufung Atemwegs-, und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Auch die Arbeitsplatzsituation spielt eine Rolle. Zwar haben sich insgesamt Arbeitsschutz und betriebliche Gesundheitsvorsorge verbessert. Für Personen mit geringem beruflichem Status gilt dies aber nur bedingt. Ihre Tätigkeiten sind oft durch Lärm- und Schadstoffbelastungen, körperliche Anstrengung sowie durch Monotonie gekennzeichnet.

Zum anderen tragen die Lebensgewohnheiten erheblich zum Gesundheitsstatus bei. Und auch diese sind schichtabhängig. Angehörige unterprivilegierter Schichten rauchen häufiger, trinken mehr Alkohol, nehmen seltener an Vorsorgeuntersuchungen teil, treiben weniger Sport, ernähren sich ungesünder und sind in der Folge häufiger fettleibig als der Bevölkerungsdurchschnitt.

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