Darf man Weihnachten noch eine Gans servieren? 
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BerlinAls Vorbereitung auf Weihnachten diskutierten Freunde und ich über die Speisekarte. Erstmals dachten wir von der Fleischfresser-Fraktion über ein veganes Festmahl nach. Mit überraschend großem Protest reagierte die Tierschutz-Fraktion unter uns. Jetzt bin ich enttäuscht, zweifele, dass unsere Entscheidung wirklich richtig ist.

Wir wollten endlich gute Menschen werden und nun nehmen uns die anderen die Chance dazu. Jahrelang war es hin und her gegangen, Fleisch in Form von Gänse- und Entenkeulen stand immer auf dem Tisch. Die Tierschutz-Fraktion hatte dies wie ein Ritual erst kritisiert und danach tüchtig zugelangt. Uns Fleischfressern aber hatten die jahrelangen Vorwürfe, für unseren persönlichen Vorteil unschuldige Lebewesen zu töten, zugesetzt und ins Herz geschnitten. Endlich wollten wir klar Tisch machen. Aber weiter sitzt der Zweifel mit am Tisch und wenn er da bleibt, wird er zu Verzweiflung.

Die leidige Umwelt-Diskussion

So geht es mir auch bei anderen Lebensfragen. Die leidige Umwelt-Diskussion: Küchenpapier gegen waschbare Küchenlappen, Spülmaschine oder per Hand, nie wieder Ausland, weil nie wieder fliegen? Wie mache ich es richtig, ist die Frage. Stellt man diese anderen, endet das Gespräch auch nicht hundertprozentig schlauer. Nicht alleine mit Problemen zu sein, beruhigt mich nicht. Hat man die eine Antwort und will sie festhalten, flutscht sie einem weg wie ein glatter Aal aus den Händen und die andere Antwort ruft: Ich bin die richtige.

Zweifeln und Zaudern auszuhalten ist schwer, man sehnt sich nach Erlösung, nach der richtigen Entscheidung. Verdrängung bringt auch nicht weiter. Eine unaufgearbeitete Geschichte, ein nicht bis zu Ende durchdachter Entschluss quälen womöglich ein Leben lang. Also muss man einen Schlussstrich ziehen. Das taten wir von der Fleischfresser-Fraktion nach dem ersten Erstaunen dann. Weihnachten werden wir wie gehabt Fleisch verzehren. Aber den Wurstkonsum wollen wir weiterhin stark einschränken, auch an den anderen 364 Tagen im Jahr. Bewusster genießen ist unser Ziel.

Denn gesund wollen wir leben. Für die Zigarette, die wir uns ab und zu noch gönnen, gehen wir auf den Balkon, ins Kalte. Bibbernd inhalieren wir das Nikotin – nicht wirklich ein Genuss. Durch Bestrafung wird Unerlaubtes möglich. Aber das ist ein anderes Kapitel.