NürnbergSeit August 2018 lebt das Asiatische Löwenmännchen Subali im Tiergarten Nürnberg. Der fränkische Zoo kündigte seine Ankunft damals auf seiner Website mit folgenden Worten an: „Dieser Kater erhält auf Zuordnung durch das Europäische ex situ Programm (EEP) eine neue Chance, seine Gene in die nächste Generation zu ‚retten‘. Unter 51 zuchtfähigen Männchen des EEP steht er auf Rang 10, seine zukünftige Partnerin Aarany auf Rang 4 unter 78 zuchtfähigen Katzen. Mit diesem Paar soll der Tiergarten somit unbedingt züchten.“ 

Das klingt sehr technisch und nach einer Menge Druck. Das Europäische Erhaltungszuchtprogramm hat den Erhalt bedrohter Tierarten zum Ziel, Zoos auf der ganzen Welt arbeiten dafür zusammen. Subali wurde 2006 in Edinburgh geboren, er lebte zweieinhalb Jahre im polnischen Lodz, bevor er 2011 in einen spanischen Zoo und schließlich vor zwei Jahren in den Tiergarten der Stadt Nürnberg kam. Doch auch dort sorgte Subali, wie schon in den Stationen davor, nicht für Nachwuchs. Dabei hatte eine Untersuchung seine Zeugungsfähigkeit eindeutig festgestellt, hieß es vor zwei Jahren, als Subali ankam.

Weil sich im Raubtiergehege dennoch partout kein Nachwuchs einstellt, wird nun sogar über die Tötung von Subali nachgedacht. „Wir stehen hier vor einem ethischen Dilemma“, sagte Zoodirektor Dag Encke der Deutschen Presse-Agentur. Die Frage sei: „Was machen wir, wenn ein Tier nicht zeugungsfähig ist“, so Encke. Dies diskutierte er auch in einem Podcast der „Nürnberger Nachrichten“. Weil das Weibchen Aarany viel jünger und „genetisch sehr wertvoll“ ist, wird vermutet, dass das 14-jährige Männchen steril ist. Derzeit werden beide Tiere erneut untersucht.

Es sei die Aufgabe von Zoos, den Fortbestand von Arten zu sichern, betonte Encke. Weil der Platz begrenzt sei, befinde man sich in einem Dilemma, sobald ein Tier unfruchtbar ist. Zwar sei eine Vermittlung des Löwen in einen anderen Zoo möglich. Es sei allerdings fraglich, welcher Tierpark Platz für einen alten und sterilen Löwen habe. „Es ist nicht nur angenehm, im Artenschutz zu arbeiten, und wir müssen die romantische Vorstellung verlassen, dass Lebensraum selbstregulierend ist“, so Encke.

Wann und ob Subali getötet werden soll, ist unklar. „Für die Fragen des Populationsmanagements nehmen wir uns Jahre Zeit“, erklärte der Zoodirektor. Im ersten Schritt werde die Zeugungsfähigkeit geklärt. Später seien mehrere Gremien an der Entscheidung beteiligt, so sei ein einstimmiger Beschluss der Tierschutzkommission für eine Tötung notwendig. Es gibt also durchaus noch Hoffnung für Subali.