Sacramento - Tanzbären waren in Europa vom Mittelalter bis in die ersten Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts eine verbreitete Volksbelustigung. Dabei handelte es sich in der Regel um dressierte Braunbären, mächtige Tiere, die mit viel Schmerzen gefügig gemacht wurden. Die offenkundige Tierquälerei ist mittlerweile nahezu überall verboten, vereinzelt finden sich Tanzbären noch in Südost- und Osteuropa oder in Indien. Oder in den USA: Dort trat jetzt John Cox, republikanischer Gouverneurskandidat in Kalifornien, mit einem Kodiakbären bei einer Wahlkampfveranstaltung auf. Zugegeben, das Tier tanzte nicht zur Fiedel, aber der Volksbelustigung sollte sein Auftritt sehr wohl dienen.

Protest von Tierschützern

Der Politiker hatte sich offenbar genau überlegt, was er da tat. Um sein Wahlkampfmotto – „Treffe das Biest“ – in Szene zu setzen, wurde der Bär bei einer Kundgebung in Sacramento neben ihm platziert. Der Hintergrund: John Cox will dem demokratischen Gouverneur Gavin Newsom das Amt streitig machen, den er wegen seines gepflegten Äußeren „den Schönen“ nennt, während er sich selbst als „das Biest“ bezeichnet, das das politische Establishment in dem US-Bundesstaat ordentlich aufmischen will. „Die schönen Politiker haben in Kalifornien versagt“, sagte Cox dann auch am Dienstag und setzte noch einen drauf: „Wir brauchen große, tierische Veränderungen, um es zu retten.“

Also der Bär: Stellte er nun das „Biest“ dar? Oder stand er sinnbildlich für die geforderte „tierische“ Veränderung? Oder sollte er der „Schöne“ sein? Oder war das alles nur eine kreuzdämliche Idee? Der von Cox mitgebrachte Kodiakbär – eine Unterart der Braunbären – saß während der Veranstaltung geduldig und irgendwie unbeteiligt da und putzte gelegentlich sein Fell. Offenbar ein gelassener, friedlicher Zeitgenosse: Das 500 Kilogramm schwere Tier hört auf den Namen Tag („Etikett“) und ist dafür trainiert, in Filmen oder Fernsehserien aufzutreten. Zur Sicherheit umgab den Bären allerdings ein elektrischer Draht, so wie man ihn als Weidezaun auch in der Landwirtschaft kennt.

Bei Tierschützern, etwa von der Organisation Peta, löste der Einsatz des Bären für politische Zwecke einen Aufschrei aus. „Bären müssen in Ruhe gelassen werden, nicht in ein offenes Gehege auf Asphalt gesperrt und für Events herausgekarrt werden“, schrieb Peta bei Twitter. Die Tierschützer forderten „jeden mit einem Funken Anstand“ auf, „wilde Tiere aus ihren Werbegags herauszuhalten“. Darren Minier, stellvertretender Direktor des Zoos von Oakland, bezeichnete die Aktion als ausbeuterisch und sogar gefährlich: „Diese Art von Werbegag untergräbt tatsächlich die Fähigkeit der Menschen, zu verstehen, wie sie sicher mit diesen Tieren umgehen können.“

Hund stiehlt Politiker die Show

Wie der Einsatz von Tieren in der Politik möglicherweise besser gelingt, zeigte sich unlängst beim irischen Präsidenten Michael D. Higgins. Allerdings eher auf unfreiwillige, nicht geplante Weise: Dabei geht es um den jungen Berner Sennenhund des Politikers, ihm fliegen in den sozialen Netzwerken derzeit die Herzen zu, seitdem er in einem Video auf den offiziellen Accounts des Staatsoberhaupts zu sehen ist: Dort knabbert das etwa sieben Monate alte Tier während eines TV-Interviews spielerisch an Higgins’ Hand, schnappt nach dessen Jacke und legt seine Pfoten auf dessen Körper. Kurzum, der Hund stiehlt dem Politiker ganz einfach die Show.

In dem Interview würdigte Higgins den kürzlich gestorbenen Schauspieler Tom Hickey. Der irische Präsident ist für seine Hundeliebe bekannt. Er hatte Misneach, dessen gälischer Name auf Deutsch „Mut“ bedeutet, erst vor zwei Monaten vorgestellt. Außerdem hat Higgins noch einen weiteren Sennenhund namens Bród, was sich mit „Stolz“ übersetzen lässt. (mit AFP, dpa)