Erlangen - Die Sterberate bei Covid-19-Patienten ist in deutschen Unikliniken einer Studie zufolge im Laufe des Jahres 2020 deutlich gesunken. Das kann aus Sicht der Wissenschaftler ein Beleg für verbesserte Behandlungen und zunehmende Erfahrung der Klinikteams in der Pandemie sein, teilte eine Forschungsgruppe der Universität Erlangen mit. So ist zum Beispiel mittlerweile klar, wie wichtig es ist, bei schweren Verläufen Entzündungshemmer wie Dexamethason sowie zur Vorbeugung von Thrombose Mittel zur Hemmung der Blutgerinnung zu geben.

Die Forscher um Jürgen Schüttler, Direktor der Anästhesiologischen Klinik des Universitätsklinikums Erlangen, untersuchten Klinikaufenthalte von rund 1300 Covid-19-Patienten in 14 deutschen Unikliniken von Januar bis September 2020. Wie sie in der Fachzeitschrift Anästhesiologie & Intensivmedizin berichten, ging die durchschnittlichen Sterberate von anfangs 21 Prozent (Januar bis April) auf 13 Prozent (Mai bis September) zurück. Insgesamt starb von Januar bis September in den 14 Unikliniken fast ein Fünftel aller Covid-Patienten. Bei beatmeten Menschen lag die Sterberate im ersten Abschnitt von Januar bis April sogar bei 40 Prozent. Im späteren Zeitraum von Mai bis September sank sie leicht auf rund ein Drittel.

Männer häufiger betroffen

Die Ergebnisse bestätigen Beobachtungen aus dem Register der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin. Auch sie geht davon aus, dass auf Intensivstationen Lehren aus der ersten Welle gezogen wurden und es entsprechende Fortschritte beim Vermeiden schwerer Krankheitsverläufe gibt.

Das Team um Schüttler hat die Sterberaten von stationären Covid-19-Patienten abhängig von Faktoren untersucht. Sie berücksichtigen also den Beatmungsstatus, Geschlecht, Lebensalter, Aufenthaltsdauer auf der Intensivstation und auch die Kombination mit verschiedenen Komorbiditäten, also zusätzlichen Krankheitsbildern.

Häufige weitere Erkrankungen der Covid-19-Patienten waren Niereninsuffizienz, Blutarmut und Diabetes mellitus. Knapp 60 Prozent der Patienten waren älter als 60 Jahre. Der Anteil männlicher Covid-19-Patienten lag insgesamt bei 63 Prozent, bei den beatmeten Patienten waren 75 Prozent männlich, bei den verstorbenen knapp 73 Prozent. Dass Männer häufiger schwer erkranken, könnte damit zusammenhängen, dass die Bindungsstelle, die Sars-CoV-2 nutzt, um in menschliche Zellen einzudringen, bei Männern in höherer Konzentration vorhanden ist. Es handelt sich dabei um den sogenannten ACE-2-Rezeptor.

Größere Dynamik des Krankheitsverlaufs mit B.1.1.7

Seit dem Ende der Auswertung habe die Sterblichkeit der schwer betroffenen Patienten nicht wieder zugenommen - auch jetzt nicht, da sich die Mutante B.1.1.7 ausbreitet, die britischen Daten zufolge mit einer erhöhten Letalität einhergehe, berichtete Schüttler der Süddeutschen Zeitung. „Was wir aber wohl sehen: Dass die Verschlechterung des Krankheitsverlaufs mit B.1.1.7 eine größere Dynamik hat als mit der alten Virusvariante.“ Die Infizierten kämen schneller auf die Intensivstation.

Die Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Epidemiologie, Eva Grill, erwartet mit Blick auf B.1.1.7 bei wachsenden Corona-Zahlen mehr schwere Krankheitsverläufe bei jüngeren Menschen. Die zuerst in Großbritannien entdeckte Mutante sei sowohl deutlich ansteckender als auch gefährlicher, da sie wohl mit schwereren Krankheitsverläufen einhergeht. 

Bei Hochaltrigen gehe die Zahl neuer Todesfälle zurück, erläutert die Präsidentin der Gesellschaft mit Sitz in Ulm, die auch Professorin für Epidemiologie an der Ludwig-Maximilians-Universität München ist. „Das deutet darauf hin, dass es zunehmend gelingt, die besonders vulnerablen Gruppen durch Impfung zu schützen.“ Aber auch bei den 60- bis 69-Jährigen sei das Sterberisiko der Infizierten noch bei etwa vier Prozent. Das bedeute, dass eine stark steigende Fallzahl auch zu mehr Erkrankten und schwer Erkrankten führen werde, so Grill. „Nur eben dann in den jüngeren Altersgruppen.“