Berlin - Husten, Schnupfen, Halsschmerzen: Kaum ist der Sommer vorbei, schnieft die halbe Stadt. Marc Bloching, Chefarzt der HNO-Klinik am Helios Klinikum Berlin-Buch, erklärt, warum das so ist, und was jeder gegen Erkältungen tun kann.

Warum gibt es gerade im Herbst so viele Erkältungen?

Weil sich der Körper nicht so schnell vom warmen auf kaltes Wetter umstellen kann, schwächt der Temperaturabfall das Immunsystem. Viele Menschen ziehen sich aber noch zu sommerlich an. Das führt zum Kälteschock und lässt den Körper innerlich auskühlen. Die Erkältungsviren haben leichtes Spiel. Dazu kommt die große Ansteckungsgefahr. Wer sich erkältet hat, steckt wiederum andere an, die Erkältungswelle kommt ins Rollen.

Manche Menschen leiden oft unter kalten Füssen. Können sie sich dadurch schneller erkälten?

Gelegentliche kalte Füße machen noch keine Erkältung. Wer aber tatsächlich oft darunter leidet, steckt sich leichter an. Die Haut kühlt aus, die Blutgefäße ziehen sich zusammen. Über das vegetative Nervensystem gelangen diese Reize von den Füßen bis zu den Schleimhäuten im Nasen-Rachenraum. Hier ziehen sich dann die Blutgefäße ebenfalls zusammen und die Durchblutung nimmt ab. Dadurch gelangen weniger Abwehrzellen in die Schleimhäute. Erkältungsviren haben es leichter, sich dort festzusetzen.

Warum fühle ich mich bei einer Erkältung immer so schwach und müde?

Der Körper konzentriert bei einem Infekt seine ganzen Kräfte auf das Immunsystem, um die Viren wirksam zu bekämpfen. Deshalb fehlen die Kräfte an anderer Stelle. Außerdem kommt es bei einer Infektion mit Erkältungsviren zu Entzündungs- und Abwehrreaktionen in den Bindegeweben des ganzen Körpers. Das macht nicht nur schwach und müde, sondern ist auch der Grund dafür, dass bei Erkältung und Fieber die Muskeln und Gelenke wehtun können.

Soll man im Bett bleiben, auch wenn man nicht richtig krank ist und Fieber hat?

Das entscheidet jeder Patient selbst. Mit einer leichten Virus-Erkältung muss man nicht zwingend ins Bett, man kann auch ruhig am Schreibtisch ohne körperliche Belastung arbeiten. Wer sich jedoch schwach fühlt, sollte unbedingt im Bett bleiben, um Komplikationen auch am Herzen zu vermeiden. Unser Körper ist dafür der beste Anzeiger. Er signalisiert uns, ob er Ruhe braucht, wir müssen nur auf ihn hören. Es kommt auch auf die Höhe des Fiebers an.

Wann sollte ich mit einer Erkältung zum Arzt gehen?

Bei stärker auftretenden Symptomen und wenn das Fieber länger als zwei Tage anhält, sollte man zum Arzt gehen. Ein Arztbesuch ist außerdem ratsam, wenn beim Husten Bronchien und Lunge wehtun, oder wenn Schmerzen in den Nebenhöhlen oder im Ohr auftreten. Hier drohen durch eine zusätzliche bakterielle Infektion, die sich auf die Virusinfektion aufsetzt, Lungen-, Nasennebenhöhlen- oder Mittelohrentzündungen. Der Arzt kann erkennen, ob diese Gefahr besteht und wird im Einzelfall dagegen Antibiotika verschreiben.

Warum bekommen manche Menschen gleich mehrmals pro Jahr eine Erkältung und andere höchstens nur eine oder gar keine?

Normal sind etwa drei bis vier Erkältungen pro Jahr, bei Kindern doppelt so viele. Wer jedoch Menschenansammlungen meiden kann und auch sonst aufpasst, steckt sich natürlich seltener an. Ein großer Schwachpunkt ist außerdem unser Immunsystem. Menschen mit einer kräftigen Immunabwehr sind weniger gefährdet.

Wie lange genau können Erkältungsviren überleben?

Das hängt von der Virusart ab. Auf Geldscheinen, Telefonhörern oder Türklinken bis zu zwei Wochen. Auch spielt die Temperatur eine Rolle. Je kälter und je tiefer die Temperatur ist, desto länger überleben die Viren. Auf der Haut und auf unseren Händen dagegen, die in der Regel etwa 34 Grad warm sind, überleben die Viren nur kürzere Zeit.

Sind immer die gleichen Viren daran schuld, wenn man sich mehrmals pro Jahr erkältet?

Es sind immer andere Viren. Wir kennen etwa 200 verschiedene Erkältungsviren. Die meisten von ihnen lösen ähnliche Krankheitszeichen aus. Sie verändern laufend ihren Aufbau und die Beschaffenheit ihrer Oberfläche. Das ist der Grund, warum es bis heute keine Impfung oder kein direkt wirkendes Medikament gegen Erkältungsviren gibt.

Schützt mich die Grippe-Impfung auch vor Erkältung?

Nein, die hilft nur gegen die echten Grippeviren und nicht gegen Erkältungen.

Warum dauert eine Erkältung in der Regel immer sieben Tage?

So lange braucht das Immunsystem, um Antikörper gegen die jeweiligen Viren zu entwickeln und sie erfolgreich zu bekämpfen.

Was kann man tun, um eine Erkältung abzukürzen, sodass sie vielleicht nur drei oder fünf Tage dauert?

Ganz wichtig ist körperliche Schonung. Also keine anstrengenden Tätigkeiten verrichten, keinen Sport treiben, nicht ins Fitnessstudio oder in eine Sauna gehen. Der Körper braucht seine ganze Kraft jetzt für die Abwehr des Virus. Dazu viel trinken und den Körper warm halten. Wärme erhöht die Durchblutung und steigert so die körpereigene Abwehr.

Welche Medikamente sind sinnvoll, um schneller gesund zu werden?

Ganz wichtig sind schleimlösende Medikamente und abschwellende Nasentropfen oder Sprays, sowohl tagsüber, besonders aber auch nachts. Sie verhindern, dass sich die Sekrete stauen und halten die Öffnungen zu den Nebenhöhlen und zum Ohr frei. Nachts sorgen sie dafür, dass man durch die Nase atmen kann. Denn das Atmen durch den Mund würde die Schleimhäute austrocknen und stark reizen. Man darf sie ohne weiteres ein bis maximal zwei Wochen benutzen.

Hilft es, viel Obst zu essen?

Eine ausgewogene Ernährung kann das Immunsystem positiv beeinflussen. Dazu gehört täglich frisches Obst. Es enthält die Vitamine A, C, D und E, außerdem Zink.