Wildgänse beim Vogelzug gelten als Überträger der Vogelpest.
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PotsdamNach dem Nachweis des bundesweit ersten Falls von Vogelgrippe seit zwei Jahren sind die Geflügelhalter im Land Brandenburg nun zu besonderer Vorsicht aufgerufen. Am Montag hatte das Potsdamer Gesundheitsministerium bekannt gegeben, dass der Geflügelpest-Erreger mit der Fachbezeichnung H5N8 bei einem Wildvogel nachgewiesen wurde. Dabei handelt es sich um eine Blessgans, die in Südbrandenburg in der Nähe von Forst an der polnischen Grenze gefunden wurde. Da bislang kein Geflügelstall betroffen ist, wurde auch keine Stallpflicht für Geflügelhalter verhängt. 

Die Geflügelhalter sind nun allerdings aufgefordert, alle gültigen Sicherheitsvorkehrungen an ihren Ställen besonders zu beachten. "Zur Verhinderung der indirekten Einschleppung des hoch ansteckenden Erregers sind alle Geflügelhalter aufgefordert, die vorgeschriebenen Biosicherheitsmaßnahmen in den Betrieben zu überprüfen und zu verstärken“, sagte Verbraucherschutzministerin Ursula Nonnemacher (Grüne).

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Das sind zum Beispiel: Dass jeder, der in einen Stall geht, vorher extra Schutzkleidung anzieht, die hinterher sofort desinfiziert wird. Auch alle Geräte, die im Stall genutzt werden, müssen gereinigt werden. Es muss Handwaschanlagen an den Ausgängen geben, und alle Fahrzeuge müssen nach Geflügeltansport gereinigt werden. Das gilt auch für Hobbyhalter.

Suche nach toten Wildvögeln

Ministerin Ursula Nonnemacher  sagte: „Wir beobachten das Seuchengeschehen sehr aufmerksam. Das fortlaufende Geflügelpest-Monitoring bei Hausgeflügel und Wildvögeln in Brandenburg wird jetzt deutlich intensiviert."Das bedeutet, dass Vogelexperten, die regelmäßig in freier Wildbahn nach Vögeln schauen, ihre Beständen zählen und überwachen, nun verstärkt ausschwärmen und auf tote Vögel achten. Sobald eine solche verstärkte Kontrolle beginnt, ist auch mit weiteren Fällen zu rechnen. 

Seit Jahren läuft in Brandenburg ein Geflügelmonitoring bei Hausgeflügel und Wildtieren. Dabei werden Stichproben von tot gefundenen oder geschossenen Vögeln im Labor geprüft. "Es werden aber nicht nur Kadaver von Wildtieren untersucht, sondern auch regelmäßig Proben bei Geflügelhaltern genommen", sagte Ministeriumssprecher Gabriel Hesse. "Im vergangenen Jahr wurden etwa 230 Proben untersucht. Alle waren negativ." 

Bürger sollen Totfunde melden

Das Vorgehen im Land sei eingespielt. "Nun werden die Proben besonders bei Wasservögeln in freier Wildbahn verstärkt", sagte Hesse. Die Veterinärämter und Vogelschutzwarten hätten einen besonderne Blick drauf. Alle Jäger und Förster seien informiert. "Wenn Bürger zufälligerweise beim Spaziergang im Wald mehrere tote Vögel an einer Stelle finden, sollen sie die nicht anfassen und die kommunalen Veterinärämter informieren."

Im aktuellen Fall gehen die Experten davon aus, dass der Virus durch einen Zugvogel eingeschleppt wurde, sagte Elke Reinking, Sprecherin des zuständigen Friedrich-Loeffler-Institut für (FLI) für Tiergesundheit. Derzeit läuft noch der Vogelzug, bei dem Millionen von Zugvögeln ihre Brutgebiete in Nord- und Osteuropa verlassen, um dann über Mitteleuropa zum Überwintern entweder Richtung Spanien oder auch über die Türkei Richtung Afrika zu fliegen. Die mit weiten Abstand größte Zahl der Zugvögel sind Gänse. Die Experten gehen derzeit noch von einem Einzelfall aus.

Bereits zehntausende Tiere getötet

Der Fundort der Gans befindet sich im Landkreis Spree-Neiße. Dort wurde der Kadaver Mitte vergangener Woche gefunden. Der Geflügelpestnachweis erfolgte durch das Landeslabor am 18. Januar. Dies ist immer nur ein vorläufiger Befund, der durch das zuständige Loeffler-Institut bestätigt werden muss. Dieses Ergebnis lag nach Angaben der Potsdamer Landesregierung am 19. Januar vor. Am Morgen danach wurde die Bundesregierung, die anderen Bundesländer und die Öffentlichkeit informiert.

Bislang ist nicht bekannt, dass die Vogelgrippe des Typs H5N8 von Vögeln auf den Menschen übertragen wird. Die hochansteckende Viruserkrankung befällt vor allem Hühner, Puten und Enten und stellt ein hohes wirtschaftliches Risiko für Landwirte dar. Denn sobald ein Tier in einem Hof betroffen ist, werden sicherheitshalber alle Tiere im Stall getötet.

Die Vogelgrippe tritt bereits seit mehreren Wochen in Mittel- und Osteuropa auf. In den vergangenen Wochen hatten unter anderem Ungarn, Rumänien, Tschechien und Polen Fälle gemeldet. Dort wurden Zehntausende Puten und Hühner getötet.

Im Jahr 2019 gab es nach Angaben des FLI keine Fälle von Vogelgrippe in Deutschland, allerdings gab es im Winterhalbjahr 2016/2017 die schwerste Epidemie in Europa, bei der in etlichen Ställen Hunderttausende Tiere getötet wurden, um eine mögliche Ausbreitung zu verhindern.