Kraniche im Oktober in Linum, 70 Kilometer nordwestlich von Berlin.
Foto: imago images/Thonfeld

PotsdamWer auf die Landkarte Deutschlands schaut, kann sich auch die Frage stellen, ob es Bundesländer gibt, die besonders vogeltauglich sind. „Es existieren tatsächlich Unterschiede“, sagt Christoph Sudfeld, Geschäftsführer des Dachverbands Deutscher Avifaunisten mit Sitz in Münster. In diesem Verband haben sich Leute zusammengeschlossen, die für den Erhalt der Vogelwelt kämpfen. „Es gibt natürlich je nach Vogelart sehr große regionale Unterschiede, weil beispielsweise im brandenburgischen Flachland keine Hochgebirgsarten leben.

Die Fachwelt weiß, dass grundsätzlich der Nordosten der Bundesrepublik – also vor allem die Länder Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern – eine herausragende Bedeutung für die Erhaltung der Artenvielfalt bei den Vögeln in ganz Deutschland haben.

Sudfeld sagt, dies zeige sich zum Beispiel deutlich im Vergleich mit Ländern wie Nordrhein-Westfalen oder Rheinland-Pfalz. „Dort gibt es lange nicht so viele Vogelarten. Die Unterschiede sind schon riesengroß“, sagt er.

In einigen Kategorien ganz vorn

Das liegt vor allem daran, dass die Landschaft im Nordosten Deutschlands nicht so zerschnitten ist, dass dort also viel weniger Straßen oder große Autobahnen gebaut wurden, dass die Regionen nicht so dicht besiedelt sind und dass dadurch auch die Nutzung der Flächen nicht so intensiv ist. Es gibt also viel Platz und vergleichsweise wenige Menschen.

Vogelwelt

Arten: Weltweit leben mehr als 10.000 Vogelarten. Die meisten von ihnen sind in den Tropen heimisch. In Europa sind etwa 500 Arten nachgewiesen worden. Viele von diesen Arten sind Zugvögel. In Deutschland sind insgesamt 248 Vogelarten nachgewiesen, die in diesem Land leben und auch brüten.
Vögel: Die meisten Forscher gehen inzwischen davon aus, dass die Vögel die Nachfahren von Raubsauriern sind. Aber es gibt unter den Fachleuten noch eine Debatte, ob sie von kleinen Sauriern abstammen, die am Boden gelaufen sind, oder von Sauriern, die in Bäumen von Ast zu Ast gesprungen sind.
Serie: In unserer Herbstserie stellen wir dar, wie gut die Weiten des Landes rings um Berlin geeignet sind für Vögel. Außerdem stellen wir Leute vor, die sich beruflich oder ehrenamtlich für den Vogelschutz einsetzen. Und wir zeigen, welche Auswirkungen das allseits beklagte Insektensterben auf die Vogelwelt hat.

Grundsätzlich liegt Brandenburg bei einigen Kategorien ganz vorn, die mit der Natur zu tun haben: Auf 37 Prozent der Landesfläche stehen Wälder. Damit ist Brandenburg auf Platz drei im bundesweiten Ranking der waldreichsten Länder.

Bei der Zahl der Seen steht Brandenburg sogar auf Platz eins vor Baden-Württemberg und Mecklenburg-Vorpommern. Außerdem nutzen die Landwirte fast 1,5 Millionen Hektar, damit bestehen fast 45 Prozent des Landes aus Feldern und Grünland. Insgesamt werden damit – anders als in Stadtstaaten wie Berlin – fast 90 Prozent der Landesfläche naturnah genutzt.

Nationalparkprogramm der DDR

Aber besonders wichtig für die Tiere und Pflanzen ist, dass nach dem Ende der DDR in Fragen des Naturschutzes ein paar grundlegende Weichen gestellt wurden, so dass Brandenburg ein bundesweiter Vorreiter bei der Sicherung wichtiger Lebensräume wurde. Auf ihrer letzten Sitzung im September 1990 beschloss die Volkskammer der DDR, das Nationalparkprogramm. Es wurde auch zum Grundstein für die heute 15 Großschutzgebiete im Land Brandenburg. Dazu gehören elf Naturparks, drei Biosphärenreservate und ein Nationalpark. Damit sind etwa 42 Prozent des Landes nun Schutzgebiete.

Ein Vergleich zeigt, wie groß die Unterschiede sind: In Bayern gibt es 165.000 Hektar Naturschutzflächen, in Brandenburg sind es 237.000. Das bedeutet, dass im halb so großen Land Brandenburg 40 Prozent mehr Flächen unter Schutz stehen.

Vogelschutzgebiete

In Brandenburg sind auch deshalb so viele Vögel heimisch, weil das Land sehr viele Vogelschutzgebiete ausgewiesen hat – immerhin 22 Prozent des Landes. Damit ist Brandenburg eine sehr gute Adresse für Standvögel, also für jene Arten, die das ganze Jahr dort leben und auch brüten.

„Bei den in Deutschland lebenden Brutvogelarten geht man von 80 Millionen Brutpaaren aus“, sagt Verbandschef Sudfeld. „Das heißt: Auf jeden Bundesbürger kommt ein Brutpaar.“ Von den 248 heimischen Brutvogelarten leben 218 in Brandenburg. Davon sind 40 Prozent gefährdet oder vom Aussterben bedroht und stehen auf der Roten Liste.

Wichtige Adresse für Zugvögel

Zu den dauerhaft hier lebenden Vögeln kommen die Zugvögel, die vor allem im Herbst in großen Schwärmen über Brandenburg und auch Berlin ziehen.

Es gibt heimische Zugvögel wie Störche, Adler oder Rotkehlchen, die im Herbst zum Überwintern nach Afrika fliegen. Brandenburg ist aber auch eine wichtige Drehscheibe für Zugvögel aus anderen Regionen.
Das sind jene Vögel, die in Skandinavien, Osteuropa, Russland oder dem Baltikum brüten, die dann im Herbst vor der bitteren Kälte fliehen und nach Brandenburg fliegen, um dort als Gastvögel zu überwintern. Oder sie legen dort nur einen Zwischenstopp ein, um sich zu stärken, bevor sie ihren großen Vogelzug nach Spanien oder Afrika fortsetzen.

Die Zahl der Zugvögel ist riesengroß: Weltweit gehen jedes Jahr 50 Milliarden Vögel auf Wanderschaft. Die Hälfte aller Vogelarten pendelt zwischen Nord und Süd.

In Deutschland sind mehr als 300 wandernde Vogelarten nachgewiesen, insgesamt sind es bundesweit 500 Millionen Zugvögel. Die erste Rote Liste der Zugvögel aus dem Jahr 2012 stuft knapp ein Viertel davon als gefährdet ein.