Köln - Vollmondnächte faszinieren Menschen seit jeher. In Schauermärchen tanzen dann die Hexen auf dem Blocksberg und der Werwolf zieht um die Häuser auf der Suche nach Opfern. Kein Wunder, dass da keiner schläft. Oder? 

Mehr als 90 Prozent aller Deutschen glauben laut einer Umfrage, dass der Mond einen Einfluss auf unser Leben hat. Immerhin 23 Prozent nehmen an, dass vor allem unser Schlaf durch die verschiedenen Mondphasen gestört wird. Gegenüber der Apotheken Umschau bestätigt Schlafforscher Ingo Fietze von der Charité Berlin dieses subjektive Gefühl. Doch was den Menschen den Schlaf genau raubt, ist nicht geklärt.

Hemmt helles Mondlicht die Ausschüttung von Melatonin?

Eine Theorie lautet, dass der Vollmond den natürlichen Melatonin-Stoffwechsel stört. Das Hormon Melatonin wird bei Dunkelheit ausgeschüttet und sorgt dafür, dass wir müde werden und einschlafen können. Licht hingegen hemmt die Produktion von Melatonin, das in der Zirbeldrüse gebildet wird.

Scheint der Mond hell ins Schlafzimmer, könnte das eine geringere Melatonin-Ausschüttung verursachen. Die mögliche Folge: Wir schlafen schlechter ein und wälzen uns eher im Bett herum. Oder genügt allein diese Annahme, dass wir nachts schlechter schlafen? Alles nur Kopfsache? 

Beeinflusst der Mondzyklus tatsächlich das Schlafverhalten?

Möglich wäre es, denn die Studienlage ist denkbar dünn. 2013 beschäftigte sich der Schweizer Chronobiologe Christoph Cajochen mit dem Vollmond und fand Hinweise darauf, dass der Mondzyklus tatsächlich das Schlafverhalten beeinflussen könnte.

Die Idee zu ihrer Untersuchung kam den Forschern bei einem Feierabendbier in einer Bar – und zwar in einer Vollmondnacht. Sie überlegten sich, die Daten einer abgeschlossenen Schlafstudie noch einmal neu auszuwerten und dabei die Mondphase zu berücksichtigen. In der Studie hatten die Forscher zuvor verschiedene Aspekte des Schlaf-Wach-Rhythmus an insgesamt 33 Freiwilligen untersucht. Ihre Auswertung ergab, dass die Versuchspersonen bei Vollmond im Schnitt fünf Minuten länger gebraucht hatten, um einzuschlafen. Sie hatten zudem pro Nacht insgesamt 20 Minuten weniger geschlafen und die Qualität ihres Schlafs selbst auch schlechter beurteilt. Außerdem wiesen sie einen niedrigeren Melatoninspiegel auf.

Aber: eine ähnlich angelegte Studie ein Jahr später konnte diese Ergebnisse nicht bestätigen. In einer besonders umfangreichen Analyse werteten Forscher des Max-Planck-Instituts Daten von 1265 Testschläfern aus 2097 Nächten aus. Das Fazit dieser Studie: Die Mondphasen beeinflussen weder Länge noch Tiefe der Nachtruhe. Zudem fanden die Forscher Daten über 20.000 Nächte, die auch gegen den Mondmythos sprechen. Eindeutig geklärt ist die Frage, ob wir bei Vollmond wirklich schlechter schlafen also nicht.

Was hilft, wenn man abends schlecht zur Ruhe kommt

Doch warum glauben dann so viele Menschen an etwas, das wissenschaftlich (noch) nicht erwiesen ist? Ganz einfach: Menschen mit Schlafproblemen suchen nach Erklärungen. Wer dann nachts wachliegt und den Vollmond sieht, kann ihn schnell für die Ursache halten. Schlafmangel wird allerdings meist von anderen Faktoren ausgelöst, wie Stress, Lärm, zu viel Alkohol oder spätes Essen.

Es gibt aber ein paar Dinge, die jeder tun kann, der abends schlecht zur Ruhe kommt. Erstens kann man das Schlafzimmer abdunkeln und Mondlicht oder Straßenbeleuchtung komplett aus dem Schlafzimmer verbannen. Dazu gehören übrigens auch Laptops, Tablets und Smartphones. Denn das blaue Licht der Geräte-Bildschirme hemmt nachgewiesenermaßen die Melatonin-Ausschüttung. Regelmäßige Schlafrituale, die Körper und Geist auf den Schlaf vorbereiten, können auch helfen, genauso wie der Verzicht auf den nachmittäglichen Kaffee. (sar / mit dpa)