Kaeng Krachan - Als Kaltblüter sind Krokodile auf ausgedehnte Sonnenbäder angewiesen, um richtig in Schwung zu kommen. Eben das zeigt unser Bild – das Reptil sonnt sich an einer Uferböschung und wird, wenn es genug Wärme getankt hat, wohl wieder in die Fluten steigen. Spektakulär an der Aufnahme aus dem thailändischen Kaeng-Krachan-Nationalpark ist allerdings etwas anderes, auf ihr ist nämlich ein Siam-Krokodil sehen: Die Tiere sind extrem selten zu beobachten und vom Aussterben bedroht.

Verlust des Lebensraums und Trophäenjagd

Die Behörden des Nationalparks veröffentlichten jetzt die Fotos – sie waren bereits im Dezember letzten Jahres entstanden, als ein Exemplar des Drei-Meter-Reptils ins Visier einer automatischen Kamera tappte. Es war erst das zweite Mal in zehn Jahren, dass in Kaeng Krachan ein Siam-Krokodil beobachtet werden konnte. Die Echsen gehören zu den Echten Krokodilen und leben ausschließlich im Süßwasser. Der Nationalpark ist mit einer Fläche von 2915 Quadratkilometern das größte Naturreservat Thailands und liegt an der Grenze zu Myanmar.

Foto: AFP/Kaeng Krachan National Park
Siam-Krokodile gehören zu den hochgradig vom Aussterben bedrohten Tierarten.

Die Siam-Krokodile waren in Südostasien einmal weit verbreitet. Inzwischen stehen sie auf der roten Liste, die Weltnaturschutzunion (IUCN) stuft die Art als hochgradig vom Aussterben bedroht ein. Die Leitung des Kaeng-Krachan-Nationalparks geht davon aus, dass es in freier Wildbahn nur noch 20 Exemplare von Crocodylus siamensis gibt. Etwas optimistischere Schätzungen gehen von einem Gesamtbestand des neben Thailand noch in Kambodscha, Vietnam, Malaysia und Laos vorkommenden Reptils von unter 1000 erwachsenen Tieren aus.

Handel mit Häuten, Fleisch, Blut und Galle

Wie auch immer, die Bestandszahlen sind seit langem rückläufig. Dies war früher vor allem auf den Handel mit Krokodilhäuten zurückzuführen. Heute kommen hier mehrere Faktoren zusammen, insbesondere ist die Art durch menschenbedingten Lebensraumverlust bedroht, aber auch durch das illegale Sammeln von Eiern sowie die (Trophäen-)Jagd. Die Bestände in Kambodscha zum Beispiel sind durch den Bau von Wasserkraftwerken zusätzlich gefährdet, weil sie in den meisten Flüssen mit Siam-Krokodilvorkommen geplant werden.

Eine weitere Gefahr birgt die Hybridisierung mit den aus Krokodilfarmen entkommenen Krokodilen – die Tiere können bei Überschwemmungen aus den zumeist schlecht gesicherten Anlagen leicht fliehen. Die Hybriden aus Siam- und Leistenkrokodilen scheinen beim Handel mit Krokodilhäuten mehr Geld einzubringen und werden bei der Zucht bevorzugt. Gehandelt wird überdies mit dem Fleisch der Tiere sowie mit Blut und Galle; den Flüssigkeiten werden heilende Eigenschaften zugeschrieben.