Berlin - Klar gibt es allen Grund, den Bundesgesundheitsminister zu kritisieren. Aktuell wäre da wieder das Chaos in den Praxen, ausgelöst von ihm höchstselbst. Am Wochenende verstiegen sich deshalb die bayerischen Kassenärzte gar dazu, von Angela Merkel aufgeregt die Abberufung von Jens Spahn zu fordern und von ihm selbst seinen Rücktritt. 

Auch der Berliner Hausärzteverband sagt: Es hätte Spahn keine zehn Minuten gekostet, mit der Ärztevertretung einmal zu sprechen, bevor er mit der Rationierung von der Deutschen liebstem Impfstoff in den Praxen dafür sorgt, auf dem absoluten Höhepunkt der Pandemie das Impfen bei den Ärzten zu gefährden, das gerade erst wieder die dringlich erwünschte Fahrt aufgenommen hatte. Alle sind massiv angesäuert – und Spahn musste sich mal wieder entschuldigen.

Spahn will Kanzler werden, irgendwann

Spricht man mit Ärzten, ist das aber nur das Ende der Fahnenstange. Viele sind eh überfordert, Praxen teils lahmgelegt durch die Vorgaben des Ministers zur Digitalisierung und durch eine Technik, die unter Zwang eingeführt wurde und als „Desaster“ beschrieben wird, weil sie kaum funktioniert. 

Spahns gesamte Amtszeit als Gesundheitsminister ist geprägt von drei Dingen: Immer wieder machte er große Ankündigungen, die dann nicht umgesetzt werden konnten. Immer wieder wollte er als großer Macher dastehen, schadete aber dabei großen Gruppen. Und immer wieder versuchte er, sich für Höheres zu empfehlen, musste dann aber einsehen, dass die Leute das nicht wollten. 

Billig ist jedoch, dass viele ihn, ob aus Ärzteschaft oder Medien, genau jetzt zum Rücktritt drängen wollen – da er eh schon bald geht. Es hätte Anlässe gegeben, noch zu seiner regulären Amtszeit, die viel eher geeignet gewesen wären. Ausgerechnet jetzt, wo er ihnen nicht mehr gefährlich werden kann, wie manche wohl denken. 

Doch auch das ist ein Trugschluss. Spahn will Kanzler werden, irgendwann. Es strömt ihm aus jeder Pore. Er ist noch jung, er kann warten. Und sollte diese Pandemie irgendwann einmal enden, wird man sich seiner später als Gesundheitsminister erinnern, der uns da durchgeführt hat. Egal wie.