Nicht der Blinddarm ist entzündet, sondern der  etwa sieben bis fünfzehn Zentimeter lange Wurmfortsatz. 
Foto: Getty Images

BerlinSie ist ein Auslaufmodell: Die kleine, aber typische schräge Narbe über dem rechten Unterbauch, die im Schwimmbad verrät, dass die Person keinen Blinddarm mehr hat. Heute bleiben nach einer Blinddarmoperation fast immer keine Narben mehr zurück. „Zu 90 Prozent operieren wir nicht mehr offen wie früher, sondern rein endoskopisch, nur mit drei dünnen Sonden“, sagt Wolf Heitland, Facharzt für Chirurgie aus München. Mit rund 130.000 Operationen pro Jahr in Deutschland gehört die Blinddarm-OP zu den häufigsten chirurgischen Eingriffen. Das Problem dabei: Die exakte Diagnose ist alles andere als einfach.

Gefahr einer Bauchfellentzündung

Chirurgen seien im Zweifelsfall die besten Ansprechpartner. „Sie haben bei der Blinddarm-Diagnostik die meiste Erfahrung und die höchste Trefferrate“, sagt Wolf Heitland. „Sie können am besten beurteilen, wie die Angaben des Patienten und seine Symptome zu den Ergebnissen der körperlichen Untersuchung und zum Tastbefund am Bauch passen.“ Ultraschall und Entzündungswerte im Blut liefern nur Zusatz-Hinweise. „Röntgenbilder oder Kernspintomografie sind in der Regel nicht nötig. Daher würde ich jedem Patienten raten, bei Verdacht auf Blinddarmentzündung einen Chirurgen aufzusuchen“, so Heitland.

Operiert werden muss immer dann, wenn sich der Blinddarm entzündet hat. Denn hier droht der gefürchtete Blinddarmdurchbruch, der im schlimmsten Fall zu einer lebensgefährlichen Bauchfellentzündung führen kann. Die wichtigsten Symptome sind Schmerzen, die sich relativ rasch von der Bauchmitte in den rechten Unterbauch verlagern. Allerdings können sie auch an andere Stellen ausstrahlen. Manchmal kommen Übelkeit und Erbrechen dazu, selten auch Durchfall. Außerdem kann Fieber auftreten. Die Patienten haben keinen Appetit und spannen ihre Bauchmuskulatur an, sobald der Arzt auf die Bauchdecke drückt.

Bei nicht akut verlaufenden oder immer mal wieder auftretenden Schmerzen müssen erst alle anderen Ursachen ausgeschlossen werden. Magenschleimhautentzündungen, Gallenblasenbeschwerden, Eierstockentzündungen und andere gynäkologische oder urologische Krankheitsbilder können ähnliche Symptome hervorrufen.

Wenn der Chirurg dann tatsächlich zur Sonde greift, entfernt er übrigens gar nicht den Blinddarm, sondern nur dessen Wurmfortsatz. An der Einmündung vom Dünndarm in den Dickdarm hat dieser ein verlängertes Endstück, das als Sackgasse endet. Dies ist der Blinddarm. An ihm hängt der kleine Wurmfortsatz, etwa sieben bis fünfzehn Zentimeter lang und so dünn wie ein Bleistift. Dieser Fortsatz kann sich entzünden und muss dann operiert werden.

Bis zu vier Tage im Krankenhaus

Unter Vollnarkose führt der Arzt dazu dünne Sonden in den Bauchraum ein. „Diese endoskopische Technik erlaubt es uns, zuerst auch nach anderen Erkrankungen zu suchen, die sich möglicherweise hinter den Symptomen einer Blinddarmentzündung verstecken“, so Heitland. „Bei jeder fünften Frau finden wir zum Beispiel gynäkologische Ursachen wie Eileiterentzündungen oder Eierstockzysten. Es können auch Darmkrankheiten wie Morbus Crohn vorliegen.“

Nach einer komplikationslosen Operation dürfen die Patienten bereits am Abend wieder aufstehen, gehen, trinken und am nächsten Tag essen. Der stationäre Aufenthalt beträgt nur drei bis vier Tage.

Übrigens muss nicht immer sofort operiert werden. Nach neuesten Erkenntnissen kann auch eine Behandlung mit Antibiotika eine Blinddarmentzündung wieder beruhigen. Allerdings müssen die Patienten dann in der Lage sein, sofort in die Klinik zu kommen, falls sich ihr Zustand verschlechtert.