Der Berliner Virologe Christian Drosten hat in diesem Jahr schon einige Preise bekommen. Das Foto zeigt ihn bei der Gala zur Verleitung des Deutschen Radiopreises.
Foto:  Christian Charisius/dpa 

BerlinEr ist zwar nur einer von 15, aber schon jetzt ist abzusehen, dass Christian Drosten der Star unter den Bürgern sein wird, die am 1. Oktober von Bundespräsident Walter Steinmeier mit dem Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet werden. Verliehen wird diese Auszeichnung generell für hervorragende Leistungen für das Gemeinwesen.

Bei Christian Drosten muss man nicht lange überlegen, ob er sich in dieser Richtung verdient gemacht hat. Zwar ist die Pandemie noch nicht überstanden. In der Zwischenbilanz ist jedoch klar: Deutschland stünde ohne Wissenschaftler wie Christian Drosten gewiss schlechter da. Der Leiter des Instituts für Virologie der Charité Berlin hat in Windeseile im Januar den ersten Diagnostik-Test für Sars-CoV-2 entwickelt. Auf diese Weise waren in Deutschland die Tests bereit, bevor die erste Welle kam. Danach stand der Forscher mit seinem Wissen über Coronaviren für die Beratung von Politikern zur Verfügung und hat auf diese Weise zu vernünftigen Entscheidungen beigetragen.

Noch dazu ist er zum Wissenschaftskommunikator geworden, vor allem durch den NDR-Podcast „Coronavirus-Update“, der Ende Februar begann. Drosten versteht es, verständlich und anschaulich, aber trotzdem anspruchsvoll und differenziert über virologische Studien, Erkenntnisse und Grundlagen zu reden. Sein Podcast ist zu einer Art bundesweitem Volkshochschulkurs mutiert.

Drosten erhielt Morddrohungen

Dass so viele Bürger ihm zuhören, hat gewiss auch dazu beigetragen, dass in Deutschland die große Mehrheit der Bevölkerung nach wie vor versteht, warum Mundschutz, Hygiene und Abstandhalten weiterhin wichtig sind. Auch das Bundespräsidalamt würdigt diese Seite des Engagements: „Dass sein wöchentlicher Podcast ,Coronavirus-Update‘ mehr als 60 Millionen Mal abgerufen wurde, zeigt, wie groß gerade zu Beginn der Pandemie das Bedürfnis nach fundierter und verständlicher Erläuterung und Aufklärung in der Bevölkerung war“, heißt es in einer Mitteilung.

Der Verdienstorden, es ist die höchste Anerkennung, die die Bundesrepublik für Verdienste um das Gemeinwohl ausspricht, sei dem Forscher also gegönnt. Vielleicht sollte Christian Drosten ihn auch als eine Art Schmerzensgeld betrachten – für die unschönen Momente, die er erlebt hat, seit er sich ins Rampenlicht begeben hat. Schließlich sehen ihn Corona-Leugner als Verantwortlichen für den Lockdown im Frühjahr, der mit dem Lahmlegen der Wirtschaft einherging. Drosten erhielt sogar Morddrohungen. Er muss bis heute einiges aushalten.

Verdienstorden auch für Mai Thi Nguyen-Kim und Igor Levit

Klar ist jedoch auch, dass Christian Drosten nicht der Einzige ist, der sich bei der Bewältigung der Pandemie verdient macht. So bekommt zum Beispiel auch die Chemikerin und YouTuberin Mai Thi Nguyen-Kim am 1. Oktober einen Verdienstorden. Mit ihren Beiträgen in ihrem Kanal „MaiLab“, hat sie ebenfalls viel zur Kommunikation wissenschaftlicher Zusammenhänge beigetragen. Geehrt werden aber auch Stephan Pusch, der Landrat des schwer von der Pandemie betroffenen Kreises Heinsberg in Nordrhein-Westfalen. Er habe „mit seinen so schwierigen wie souveränen Entscheidungen Pionierarbeit bei der Eindämmung der Pandemie geleistet“, schreibt das Bundespräsidialamt.

Auch die Wissenschaftsjournalistin Mai Thi Nguyen-Kim wird demnächst geehrt.
Foto: dpa/Henning Kaiser

Mit Albrecht Broemme wird ein weiterer Berliner ausgezeichnet. Der ehemalige Landesbranddirektor hat auf dem Berliner Messegelände binnen weniger Wochen ein Corona-Notfall-Krankenhaus mit 500 Betten errichtet.

Der Pianist Igor Levit erhält die Auszeichnung, weil er zu Beginn der Corona-Krise mit täglichen, aus seinem Wohnzimmer selbst übertragenen Corona-Hauskonzerten aus der Isolation heraus ein Miteinander über Grenzen hinweg habe entstehen lassen.

Und die Schauspielerin Sandra Hüller, weil sie seit Ausbruch der Corona-Pandemie unermüdlich auf soziale Missstände hinweist, am Theater, im Kulturbetrieb und mit Blick auf alle, die in ihrer beruflichen Existenz gefährdet sind.

Drosten erhielt 2005 Bundesverdienstkreuz am Bande

Geehrt werden aber auch Bürger, die zum Zusammenwachsen von Ost und West beitragen und helfen, Vorurteile in unserer Gesellschaft abzubauen. Dazu zählen zum Beispiel Birgit Brandtscheidt, die die Zerbster Tafel aufgebaut hat, der ehemalige Profifußballer Thomas Hitzlsperger, der laut Bundespräsidialamt das Thema Homosexualität im Fußball und Sport enttabuisiert und zu einer breiten und sachlichen Debatte über Diskriminierung im Sport beigetragen hat, und der Berliner Schriftsteller Ingo Schulze – weil er „zuhört, sich in die aktuellen Debatten einbringt und für den gesellschaftlichen Zusammenhalt engagiert“.

Für Drosten ist es übrigens nicht die erste Ehrung dieser Art. 2005 wurde ihm das Bundesverdienstkreuz am Bande verliehen, da er zusammen mit seinem Kollegen Stephan Günther als einer der Ersten einen diagnostischen Test für das Sars-Coronavirus entwickelte, heute als Sars-1 bezeichnet. In diesem Jahr erhielt Drosten unter anderem von der Deutschen Forschungsgemeinschaft im Rahmen des Communicator-Preises einen einmaligen Sonderpreis für „herausragende Kommunikation der Wissenschaft in der Covid19-Pandemie“. Auch einen Grimme-Online-Award und den Deutschen Radiopreis hat er schon erhalten.