Berlin - Mehr als 236.000 Natur- und Vogelfreunde in ganz Deutschland haben an der Nabu-Zählaktion „Stunde der Wintervögel“ teilgenommen. Das teilte die Naturschutzorganisation am Mittwoch mit. Insgesamt wurden 5,6 Millionen beobachtete Vögel aus 176 Arten gemeldet; die Aktion fand vom 8. bis 10. Januar in 164.000 Gärten und Parks statt. Klingt wie eine Erfolgsmeldung. Ist es bei näherem Hinsehen aber nicht.

Denn, so der Nabu in seiner Mitteilung: In deutschen Gärten und Parks wurden durchschnittlich jeweils 34,5 Vögel gesichtet – das sind zwölf Prozent weniger als im statistischen Mittel der letzten Jahre. Von diesem Rückgang sind neben sämtlichen Meisen vor allem auch Kleiber, Gimpel und Kernbeißer betroffen. Rekordwerte erreichten dagegen Haussperlinge, Stadttauben, Rotkehlchen und Ringeltauben.

Der Nabu-Vogelschutzexperte Lars Lachmann erklärt das Ergebnis mit den milden Temperaturen zur Winterzeit: „Seit Beginn unserer Zählaktion 2011 nehmen die Winterbestände derjenigen Vogelarten ab, die auf Zuzug aus dem Norden und Osten angewiesen sind. Im Winter standorttreue Arten und solche, die teilweise von uns nach Süden ziehen, zeigen dagegen stabile oder gar wachsende Winterbestände.“

Das große „Amselsterben“ ist zum Glück vorbei

Die Faustregel lautet also: Je milder der Winter, desto geringer ist die Neigung der Vögel, in wärmere Regionen im Süden und Westen auszuweichen. Und das heißt: Während weniger Kälteflüchtlinge aus dem Norden und Osten zu uns kommen, bleiben immer mehr frostempfindliche Arten ganzjährig bei uns. Nun lassen sich allerdings nicht alle Beobachtungen mit dem Wetter erklären. 

So liefert der Grünfink ein besorgniserregend schwaches Ergebnis. Sein Abwärtstrend setzt sich unverändert fort. Diesmal wurden nur noch 0,9 Grünfinken pro Garten/Park gemeldet. Damit gibt es heute nur noch ein Viertel der Grünfinken, die noch 2011 die Gärten bevölkerten. Als Ursache gelten vor allem Infektionen mit tödlichen Einzellern (Trichomonaden) an sommerlichen Futterstellen.

Foto: dpa/Helmut Fohringer
Blaumeisen weisen besonders niedrige Bestände auf.

Besonders niedrig waren laut Nabu auch die gemeldeten Zahlen der Blaumeise. Allerdings bleibt unklar, ob der fehlende Zuzug aus dem Norden oder die Folgen einer bakteriellen Epidemie im letzten Frühjahr die Hauptursache sind. Erfreulich dagegen: Die Amsel erholt sich weiter langsam von ihren Tiefstwerten nach der schweren Usutu-Epidemie des Sommers 2018. Das große „Amselsterben“ ist also vorbei.

Und jetzt noch die Top 5 des Nabu: Die am häufigsten gemeldeten Arten waren erneut der Haussperling – mehr als 1,1 Millionen und somit 6,87 Vögel pro Garten –, gefolgt von Kohlmeise, Feldsperling, Blaumeise und Amsel. Im Vergleich zum Vorjahr haben lediglich Feldsperling und Blaumeise die Plätze getauscht.