Berlin - Sie hat es aufgegeben. Irgendwann hat sie weggeschaut, hat nichts mehr gesagt, wenn eine Kollegin von einem Krankenzimmer direkt ins nächste lief. Wenn keine 30 Sekunden verstrichen, nachdem sie den Spender an der Wand betätigte, sich Desinfektionsmittel auf die Hände sprühte, bis zu dem Moment, in dem sie die Klinke drückte. Wenn es mal wieder schnell gehen musste. Sie wusste ja selbst, dass das Arbeitspensum in ihrer Klinik anders kaum zu schaffen war: „Ich kann da keiner Kollegin auf der Station einen Vorwurf machen.“ Und weil sie niemandem zu nahetreten will, möchte sie auch anonym bleiben. „Schreiben Sie: Schwester Tanja. Mein richtiger Name tut nichts zur Sache.“ Sie sagt: „Wichtig ist, dass das Problem zur Sprache kommt.“

Das Problem ist die Hygiene in Krankenhäusern. Jahr für Jahr kommt es in Deutschland zu rund 600.000 nosokomialen Infektionen. So lautet der Fachbegriff dafür, wenn sich Menschen in einer Klinik eine Infektion zuziehen. Bei rund 20 Millionen stationär behandelten Patienten sind das etwa drei Prozent pro Jahr. Davon wiederum entfallen zehn Prozent auf multiresistente Keime, denen oft nur mit besonderen Mitteln, sogenannten Reserveantibiotika, beizukommen ist.

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